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Tiroler Seilbahntag 2013

Am 20. September fand in St. Anton am Arlberg das diesjährige Treffen der Tiroler Seilbahner statt. Diesmal stand die derzeitige Entwicklung der Gesetzgebung und Rechtsprechung im Bereich Umwelt und ihr Einfluss auf die Seilbahnwirtschaft im Fokus.

Nationalrat Franz Hörl, Obmann des Fachverbandes der Seilbahnen Österreichs, begrüßte in seiner Eröffnungsansprache die Gäste, unter denen sich heuer drei Mitglieder der Tiroler Landesregierung befanden: Landesrat Hannes Tratter, unter anderem zuständig für Gemeindeangelegenheiten und Raumordnung, Ingrid Felipe, Landeshauptmann-Stellvertreterin, und Landeshauptmann Günther Platter. Ingrid Felipe und Hannes Tratter kamen in von ORF-Moderatorin Barbara Kohla kompetent geführten Interviews zu Umweltthemen zu Wort, ehe Günther Platter in einer recht launigen Rede sowohl die erfreulichen Entwicklungen – Rekord-Wintersaison 2012/13 und sehr gute Sommerergebnisse 2013 – als auch Problembereiche wie Anzeichen einer negativen Preisentwicklung im Tourismus und mangelnden Nachwuchs für den Skisport ansprach. Es sei notwendig, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Jungen zum Skifahren zu bringen. Das sei die Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der Wintersportkompetenz, die für eine weitere positive Entwicklung des Wintertourismus in Tirol erforderlich sei.

Gefahr überzogener Umweltgesetzgebung
Hauptreferent der Tagung war Rechtsanwalt MMag. Dr. Eduard Wallnöfer, der in seinem Vortrag zum Thema „Aktuelle Entwicklung des Umweltrechts – Auswirkungen auf die Seilbahnwirtschaft“ drei Bereiche ansprach, in denen die Verantwortlichen der Seilbahnbranche die Vorgänge aufmerksam verfolgen und erforderlichenfalls massiv reagieren sollten – „Monitoring und Aktion“ nannte der Referent diese Forderung.

Der erste angesprochene Bereich war die drohende Ausweisung von weiteren „Natura 2000“-Gebieten in Tirol. Die erste Phase des Ausweisungsverfahrens habe man ein wenig „verschlafen“, jetzt müsse man seitens der Seilbahnbranche als Gegenstrategie den vollen Informationsaustausch im weiteren Verfahren einfordern, rechtliche und fachliche Unterstützung im Argumentationsprozess heranziehen und aktiv bei der Gestaltung der Umsetzungsmodalitäten eingreifen.

Den zweiten brisanten Bereich bezeichnete der Referent als „Leitfaden-Flut“. Es käme immer häufiger zur Anwendung von verschiedensten „Leitfäden“ durch die Sachverständigen, die zu überzogenen Anforderungen führten. Als Beispiele nannte Wallnöfer den „Dotierwasser-Leitfaden“ und das „Handbuch“ für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Genehmigungsverfahren für Beschneiungsanlagen. Im „Dotierwasser-Leitfaden“ wird die Mindestwassermenge von Fließgerinnen, aus denen eine Wasserentnahme für Beschneiungsanlagen zulässig ist, mit 50 l/s festgelegt. Im Hochgebirge ist diese Forderung mangels vorhandener Bäche dieser Größenordnung meist nicht erfüllbar und erscheint zur Erreichung sinnvoller Naturschutzniveaus auch nicht als erforderlich. Als Abhilfemaßnahme sieht der Referent im Sinne von „Monitoring und Aktion“ die Partizipation an der Entstehung solcher Leitfäden durch frühzeitige fachliche und rechtliche Mitarbeit. Dadurch könne die Schaffung von Rechtssicherheit, wo notwendig, und Belassung von Flexibilität, wo möglich, sowie die Verhinderung von unnötigen und rechtswidrigen „Selbstbindungen“ erreicht werden.

Als dritten kritischen Bereich nannte Wallnöfer die Änderung der UVP-Richtlinie der EU. Wie zuletzt im Fall der Dienstleistungskonzessionsrichtlinie der EU erscheint es auch im Fall der UVP-Richtlinie erforderlich, die Interessen der Seilbahnwirtschaft konsequent zu verfolgen. Mit der effektiven Entwicklung rechtlicher Alternativvorschläge, der eigenständigen Präsenz bei der Kommission vor Ort und einer aktiven Vorbereitung der innerstaatlichen Umsetzung könne man negativen Auswirkungen der Änderung der UVP-Richtlinie begegnen.

„WirrSinn“ präsentiert „ver-rückte“ Standpunkte
Dieser kryptische Zwischentitel lässt bereits auf einen unkonventionellen Programmpunkt der Tiroler Seilbahntagung schließen. Die beiden „WirrSinnigen“ Ing. Hubert Frings und Mag. Heinz Hofbauer hatten im Auftrag der Wirtschaftskammer Tirol eine originelle Performance zum Thema Betrieb von Seilbahnen vorbereitet. Sinnsprüche mit slowakischem Akzent wie „Arbaite zu zwait und nix allaine, dann geht bai Kunden viel mehr aine“ oder „Wills du nix in Armut enden, musst du g’schaites Tools verwenden“ sorgten für Heiterkeit. Und derartige Tools wurden dann mit Hilfe von Dr. Ingo Karl, Vorgänger von Franz Hörl als Obmann des Fachverbandes der Seilbahnen Österreichs, präsentiert (siehe Bild): die „Tool-Box“ enthielt folgende nützliche Werkzeuge:

  • ein Kompetenz-Gel (sorgt für mühelosen Erwerb von Fachkompetenz), ist zum „in die Haare schmieren“,
  • einen Dringlichkeitsmesser für das Annehmen von Telefongesprächen (ein Zollstock mit grünem, gelbem und rotem Bereich),
  • das Worst-Case-Tool „SAU“ (mit dem gelben Schuld-Abweisungs-Umhang ist man dank Teflonbeschichtung gegen jede Anschuldigung gefeit),
  • den „Ich-bin-nicht-da-Helm“ (schützt davor, bei der Umsetzung von Beschlüssen mit Arbeit beauftragt zu werden) sowie
  • einen Gedankenleser-Trichter (verrät die Gedanken des Kommunikationspartners).

Mit diesen „Tools“ ausgestattet, meistert der Seilbahn-Manager jede Situation!

Die Seilbahnen: Zugpferd oder Maultier
Diesen Titel gab Fachverbands-Obmann Franz Hörl seinem Schlussreferat am Tiroler Seilbahntag 2013. Er hob die Leistungen der Seilbahnwirtschaft hervor, beispielsweise die getätigten Investitionen im Ausmaß von 225 Mio. Euro im letzten Jahr, und hält es daher für zutreffend, wenn man die Seilbahnbranche als Zugpferd für die regionale Wirtschaft in Tirol bezeichnet. Tirol hatte in der Rekord-Wintersaison 2012/13 26 Mio. Winternächtigungen, wobei rund 80 % davon, also 21 Mio., den Skigebieten zuzurechnen sind. Dies sei auf die hervorragende Qualität und Ausstattung der Tiroler Wintersportdestinationen zurückzuführen, was sich auch in einer Weiterempfehlungsrate von 90 % manifestiere. Eine wichtige Rolle spiele dabei die Berggastronomie, die in der letzten Zeit einen beachtlichen Aufschwung genommen habe. Neben der Funktion als Zugpferd müsse aber auch die Funktion des Maultieres erfüllt werden, nämlich das Übernehmen von Verantwortung und das Tragen von Lasten für die nachhaltige Entwicklung im Land. Heftige Kritik übte Franz Hörl an jenen, die die Entwicklungsmöglichkeiten der Skigebiete etwa durch Ausweitung von Schutzgebieten einschränken möchten. Er nahm dabei Akteure aus den eigenen Reihen nicht aus. Franz Hörl kam dann noch auf die Themen Beschneiung, Energieeffizienz und Bergrettung zu sprechen und hob die hervorragenden Leistungen der Seilbahnunternehmen hervor, die in diesem Zusammenhang erbracht würden. Damit würden sowohl die Funktion des Zugpferdes als auch die des Maultieres für positive Entwicklungen im Land Tirol übernommen.

JN

 

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