Titan-Schneeerzeuger von Demaclenko im Einsatz an der Ski-WM in St. Moritz
Beschneiung

DEMACLENKO

Technische Beschneiung – unverzichtbar

Unter dem Motto „Schnee ist nicht alles, aber ohne Schnee ist alles nichts“ führte der Schneeerzeuger Demaclenko an der Ski-WM in St. Moritz eine Podiumsdiskussion mit Wissenschaftlern, Technikern, Ökonomen und Vertretern von Bergbahnunternehmungen aus Österreich, Italien und der Schweiz durch.

von: Hansjörg Egger

Die letzten Winter haben es gezeigt: Es gibt immer weniger Schnee in den Bergen. Zur Rettung einer niederschlags­armen Wintersaison tragen oftmals einzig die Beschneiungsan­lagen bei. Gleichzeitig befeuert die zunehmend eingesetzte Schnee­erzeugung auch die Diskussion „Wie massiv sind die Einwirkungen auf die Umwelt?“, „Was muss ein Skigebiet für eine erfolgreiche Saison investieren?“ und „Sind die Chancen für eine Winterstation ohne Beschneiung überhaupt noch intakt?“. Das Fazit: Technischer Schnee ja, aber mit Rücksicht auf die Natur und die sensibilisierten Gäste aus den städtischen Regionen.

Fotos: Demaclenko
Der Naturspeichersee Lei Alv ist mit seinem Fassungsvermögen von 400.000 m3 der größte seiner Art in der Schweiz.
Fotos: Demaclenko

Eine hochkarätige Diskussions­runde

Unter der Leitung von Michael Rothleitner vom Schneezentrum Tirol diskutierten darüber Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und Tourismus. Gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion im eigens für die WM in St. Moritz errichteten Tirolerhaus stellte Markus Meili, CEO der Engadin St. Moritz Mountains AG klar: „Die Beschneiung verbraucht kein Wasser. Wasser wird in Form von Schnee zwischengelagert und bleibt dem natürlichen Kreislauf erhalten.“ Im Engadiner Nobelkurort hat man für diese Zwischen­lagerung den größten Speicherteich der Schweiz erstellt. Meili bekräftigte, dass die Natur das Kapital und der Arbeitgeber der Bergbevölkerung sei. Dass dieses Kapital sorgsam ausgeschöpft werde, dafür sorgten in der Schweiz strengste Umweltschutzgesetze. Ein Bewilligungsverfahren für eine Schneeanlage dauere schnell mal sechs Jahre, bis das Projekt als verträglich erachtet wird. Meili kritisierte die Gegner der Beschneiung. „Denen geht es oft gar nicht um die Sache. Und es fehlt ihnen die ökologische und ökonomische Gesamtbetrachtung.“

Bergler kämpferisch

Auch der bekannte Beschneiungspionier Leo Jeker, Verwaltungsrat der Savognin Bergbahnen und Lokalpolitiker, gab sich kämpferisch: „Wir Bergler nehmen unser Schicksal selber in die Hand. Und die Energie, die wir zur Schneeerzeugung brauchen, produzieren wir ja schließlich selber in unseren Tälern.“ Der Südtiroler Landesforstdirektor, Dr. Paul Profanter, lieferte gleich die relevanten Zahlen dazu. Was etwa den Wasserverbrauch für Beschneiungsanlagen betreffe, so sei der im Vergleich zu andern Nutzern verschwindend klein. In Südtirol verbraucht die Landwirtschaft jährlich 200 Mio. m3 Wasser und die Industrie 80 Mio. m3.

Für das Trinkwasser werden 40 Mio. m3 benötigt, während zur Beschneiung lediglich 4,3 Mio. m3 Wasser versprüht werden. Das entpreche gerade mal rund einem Prozent des gesamten Wasserverbrauchs in der Autonomen Provinz Bozen. Und er fügte an: „Der Wasserverbrauch für die Beschneiung nähert sich einer Sättigung. Er wird sich wohl zwischen 6 und 7 Mio. m3 pro Jahr einpendeln, in Abhängigkeit von den jeweiligen natürlichen Schneemengen. Auch müsse das Wassermanagement den örtlichen Gegebenheiten angepasst werden. Ein einheitliches Management sei aufgrund der unterschiedlichen Situationen in den Skigebieten nicht möglich. Profanter warnte allerdings auch, dass die Rechte der Bergler nicht überzogen werden dürften.

Der sensibilisierte Gast, der hauptsächlich aus den städtischen Gebieten komme, gehe in den ländlichen Raum, weil er hier eine intakte Natur und einen Ausgleich zur urbanen Welt finden möchte. Und er wolle mitbestimmen, wie man mit dieser Natur umgeht. Deshalb dürfe man die Täler nicht austrocknen und der Natur damit Schaden zuführen. Hannes Parth, CEO der Silvrettaseilbahn AG aus Ischgl, führte eine taufrische Studie der Universität Innsbruck ins Feld, in der wissenschaftlich untersucht worden sei, wie sich die technische Beschneiung auf die Flora und die Fauna auswirke. „Die Studie kommt zum Schluss, dass zwischen beschneiten und unbeschneiten Pisten überhaupt keine Unterschiede festzustellen ist“, sagte Parth. Und er betonte, dass mit der Beschneiung sogar größere Weideflächen entstanden seien, die es erlaubten, mehr Vieh aufzutreiben. Deshalb zähle man in der Skiregion immer noch eine respektable Zahl von aktiven Bauernbetrieben.

Erwartungshaltung der Gäste

Robert Steiger, Geograph und Tourismusforscher von der Universität Innsbruck wies in der Diskussion auf die massiv veränderten Verhaltensmuster und Erwartungen der Gäste hin. „Früher galten technisch beschneite Pisten als Luxusgut. Heute wird dies als Standard vorausgesetzt“. Und zwar gäben sich die Wintergäste nicht einfach mit weißen Bändern in einer grünen Landschaft zufrieden. Man erwarte eine Winterstimmung, wie sie sich aus den Werbespots und Prospekten in den Köpfen festgesetzt habe. Hier liege auch ein Kommunikationsproblem vor. Es würden Bilder von Romantik und Idylle in die Welt hinaus gesendet, die oftmals nicht der Realität entsprächen.

Sprachregelung

Den Schlusspunkt an der Diskussion setzte Andreas Dorfmann, CEO von Demaclenko, indem auch er bekräftigte, dass es das legitime Recht der Bergler sei, ihre Ressourcen schonend zu nutzen. Und er hielt in seinem Schlusswort fest: „Es ist zwar eine Kunst, Schnee zu produzieren, aber das Produkt ist kein Kunstschnee.“ Das Thema rund um die Sprachregelung beschäftigt die Schneeerzeuger, seit Schnee produziert wird. Gegen die zu Falschinterpretationen führenden Begriffe wie „Kunstschnee“ und „Schneekanonen“ läuft die Branche schon seit Jahrzehnten Sturm. Der Beschneiungspionier Leo Jeker hat die korrekte Formulierung für sich längst gefunden: „Ich sage einfach, wir machen den Schnee selber. Und basta!“  


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