Die Wagengruppe von elf Kabinen auf der 65 m langen Brücke nahe der Talstation
Foto: Radek Holub, Snow.cz
Seilbahnen Bahnen

ISR-REPORTAGE

Stollenbahn Fleißalm

Im Dezember 1987 wurde in Heiligenblut am Großglockner die bis heute einzigartige Kombination zwischen Standseilbahn und Seilschwebebahn eröffnet.

von: Roman Gric

Mit der Eröffnung der Sesselbahn von Heiligenblut zur Mittelstation Rossbach am 29. November 1964 begann die Erschließung des Skigebietes am Fuße des höchsten österreichischen Berges. Treibende Kraft der Großglockner Seilbahn Ges.m.b.H. war der damalige Bürgermeister Georg Lackner gemeinsam mit örtlichen Unternehmern wie Josef Schmidl, der später zum Geschäftsführer der Gesellschaft wurde.

Einzigartige Lösung

Schon beim Bau des Stollens zwischen Fleiß und Rossbach des Wasserkraftwerks Fleiß wurde auf eine mögliche künftige Nutzung des Stollens für eine Bergbahn gedacht. Die sollte zur Verbindung der Sesselbahn-Mittelstation Rossbach (heute Kabinenbahn) mit den Schleppliften Fleiß – Hochfleiß (heute Sesselbahn und Schlepplift) über zwei lawinengefährdete Streckenabschnitte und über das schmale Tal des Großfleißbaches errichtet werden. Diese Idee ist viele Jahre später mit dem Bau der bis heute einzigartigen Stollenbahn Fleißalm Wirklichkeit geworden.

Alle damals angesprochenen Seilbahnhersteller behaupteten, dass in diesem so schmalen und niedrigen Stollen keine Bahn gebaut werden könne. Nur der ehemaligen Seilbahnhersteller Waagner-Biró, der schon Erfahrungen mit schienengebundenen industriellen Hängebahnen hatte, war bereit, die Bahnstudie durchzuführen. Die Neuentwicklung wurde als „Seilgezogene Einschienen-Hängebahn mit Pendelbetrieb und Ausweiche in Streckenmitte“ bezeichnet. Für die Trassenführung wurde der vorhandene Wasserkraftwerksstollen mit eingebauter Rohrleitung von 500 mm Durchmesser an der Seite des Stollens verwendet. Durch diesen Stollen fließt im Sommer, wenn die Bahn außer Betrieb steht, das Überlaufwasser der Wasserfassung bei freiem Pegel bis zu einer Wasserhöhe von 0,5 m.

Um die lawinengefährdeten Streckenabschnitte zu queren, wurde in diesen Bereichen die Trasse unter die Erde in einen neu gebauten, räumlich gekrümmten Betonstollen gelegt. Darauf folgt eine lawinensichere Betonbrücke über den Großfleißbach als Verbindung zum Anfang des ursprünglichen Wasserleitungsstollens. Die Bahn fährt im Inneren dieser Brücke mit trapezförmigem Querschnitt. Im unteren Trassenbereich zweigt die Bahn von dem Wasserführungsstollen in einen weiteren künstlichen Bahnstollen ab. Zwischen der Talstation und der Mündung dieses Stollens wurde eine 65 m lange Stahlbrücke errichtet, auf der die Bahn im Freien fährt.

Herausforderung für Planer

Die Errichtung dieses neuen Systems forderte von den Planern jede Menge Erfindergeist. Die Fahrbahn besteht aus einem Stahlprofil mit aufgeschweißtem Rundstahl, der als eigentliche Fahrbahn für das 4-rollige Laufwerk dient. In Summe wurden 1.650 Laufmeter Fahrbahnträger mit einem Gesamtgewicht von etwa 150 t eingebaut. Das Laufwerk ermöglicht das Durchfahren von engsten horizontalen und vertikalen Kurven, bei der Fleißalmbahn beträgt der kleinste horizontale Radius 100 m und der kleinste vertikale Radius 35 m. Die fixe federgespannte Zugseilklemme ist mit einem speziellen Klemmenmaul ausgerüstet, um zu gewährleisten, dass das Seil vor allem in die Schrägrollen in den Kurven richtig abgelegt wird.

Durch die feste Fahrbahn ist für die ganze Strecke ein konstanter Bodenabstand gewährleistet. Der Fahrbahnträger musste den höchsten Ansprüchen hinsichtlich seines genauen Verlaufes genügen, um ein optimales Fahrverhalten zu erzielen. Die Wagen sind auch mit einer Bodenführung ausgerüstet, die das Auspendeln in den Stollen und den Stationen verhindert. Diese besteht aus zwei horizontalen, auf der Wagenunterseite angebrachten Kunststoffrollen, die in einem U- bzw. Winkelprofil laufen.

Der Antrieb mit zweirilliger Antriebsscheibe befindet sich in der Bergstation, die endlose Zugseilschleife wird in der Talstation gewichtsgespannt.

Jeder Wagenzug besteht aus elf Einzelwagen für je fünf Fahrgäste. Die Wagen sind mit einer speziellen Wagenkupplung verbunden, die das Aneinderschlagen bei Bremsung oder Beschleunigung verhindert. Die Wagen bleiben trotz Neigungsunterschieden immer in waagrechter Position. Jede Kabine ist mit einer Innenbeleuchtung und Sprechanlage ausgerüstet. Die Tür wird mit einem im Wagendach integrierten Linearmotor mit Endschaltern betätigt.

Zur Skisaison 2021/22 wurde von der Firma Frey Austria die komplette Elektrotechnik erneuert. Zusätzlich wurde die Bahn mit WLAN-Übertragung und mit Rauchmeldern in allen Kabinen ausgestattet. Die Fleißalmbahn ist nach wie vor ein wichtiger Teil des Skigebietes, weil die Rückfahrt aus dem Bereich Fleiß – Hochfleiß zur Mittelstation Rossbach wegen des tief eingeschnittenen Großfleißbaches nur mit dieser Bahn möglich ist.

Foto: Archiv ISR
Die Fleißalmbahn in den ersten Baujahren
Foto: Archiv ISR
Foto: Roman Gric
Die Wagengruppe in der Talstation während sommerlicher Revisionsarbeiten
Foto: Roman Gric
Foto: Roman Gric
Diese spezielle Wagenkupplung verhindert das Aneinderschlagen der Wagen.
Foto: Roman Gric

Technische Daten

Stollenbahn Fleißalm, Heiligenblut am Großglockner

Seilgezogene Einschienen-Hängebahn mit Pendelbetrieb und Ausweiche in Streckenmitte

Seehöhe Talstation1.753 m ü. M.
Seehöhe Bergstation1.809 m ü. M.
Schräge Länge       1.584 m
Höhenunterschied56 m
Zugseildurchmesser22 mm
AntriebBerg
Motorleistung220 kW
SpanneinrichtungTal
Wagenzahl2 x 11
Fahrzeit7,6 min
Max. Fahrgeschwindigkeit7,0 m/s im geraden, flachen Bereich, 2,0 m/s im übrigen Streckenbereich
Max. Förderleistung535 P/h

 

Ausführende Firmen

Hersteller und BaujahrWaagner-Biró, 1986 – 1987
ZugseilherstellerTeufelberger
Elektrische Ausrüstung (ab 2021)Frey Austria
WagenSwoboda Karosserie- und Stahlbau GmbH

 


Foto: Pixabay

Der Fachverband der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich lädt am 14. Dezember 2022 erstmals österreichweit zu einem kostenlosen Schulskitag.…

Weiterlesen
Foto: Berchtesgader Bergbahn – Jennerbahn

Mit einer Pressekonferenz in München startete der Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte (VDS) am 22. November 2022 offiziell in die…

Weiterlesen
Foto: Kässbohrer

Der Aufsichtsrat der Kässbohrer Geländefahrzeug AG hat zwei neue Vorstandsmitglieder bestellt. Dr. Christian Oberwinkler verantwortet ab 1. März 2023…

Weiterlesen
Foto: Steiermark Tourismus / Jesse Streibl

Zuversicht demonstrierten die steirischen Seilbahnen auf der Pressekonferenz zum Auftakt der Wintersaison 2022/23 am 10. November 2022. Die Sehnsucht…

Weiterlesen
Foto: Garaventa

Mit der Eröffnung der neuen Standseilbahn „Rumeli Hisarüstü–Aşiyan Füniküler“ ist eines der wichtigsten Verkehrsprojekte der Stadt Istanbul…

Weiterlesen
Foto: Bernard India

Ein Joint-Venture des Bregenzer Planungsbüros Salzmann Ingenieure mit der Bernard Gruppe aus Hall in Tirol wurde mit der Planung von elf…

Weiterlesen
Foto: Netzwerk Winter / Foto Neumayr

Gleich mehrere Branchen-Veranstaltungen gab es am 10. und 11. November 2022 im Tauernspa in der Tourismusregion Zell am See – Kaprun. Am Rande der…

Weiterlesen
Foto: KTOR, Klima- und Energiefonds Österreich

Der gemeinnützige Verein Smart Community forciert im Projekt „Smart Ski Resort“ den Einsatz erneuerbarer Energien in Skigebieten. Am 25. November 2022…

Weiterlesen
Foto: Ski Juwel Alpbachtal Wildschönau/Grießenböck

Im Jahr 2012 wurden die beiden Skigebiete im Alpbachtal und in der Wildschönau durch eine moderne Kabinenbahn verbunden. Mit dem Ski Juwel Alpbachtal…

Weiterlesen
Foto: Pitztaler Gletscherbahn Gmbh & Co KG

Knapp 8.000 Skibegeisterte haben am Wochenende um den 29. Oktober 2022 beim „Pitztal Glacier Open“ die Skisaison am Pitztaler Gletscher eingeläutet.

Weiterlesen
Foto: Doppelmayr Seilbahnen GmbH

Nach zwei herausfordernden Jahren zieht die Doppelmayr Holding SE eine positive Bilanz über das Geschäftsjahr 2021/22. Der Umsatz stieg im Vergleich…

Weiterlesen
Foto: Doppelmayr

Die Peak Tram ist eine der beliebtesten Touristenattraktionen von Hongkong und befördert pro Jahr mehr als 6 Mio. Fahrgäste. Um Kapazitäts-Engpässe…

Weiterlesen
Foto: Hans-Peter Steiner

Der Rittisberg im obersteirischen Urlaubsort Ramsau ist einer der größten Erlebnisberge im österreichischen Bundesland Steiermark. Mit der offiziellen…

Weiterlesen
Foto: Sörenberg - Yorik Leusink

Ab der Saison 2022/23 bestimmt bei den Bergbahnen Sörenberg in der Zentralschweiz Dynamic Pricing den Preis von Skitickets. Eingerichtet wurde das…

Weiterlesen
Foto: Pitztaler Gletscher

Günther Gold aus Ötztal-Bahnhof in Tirol hat am 22. Oktober 2022 bei einem gelungenen Weltrekord-Versuch auf 3.440 m Seehöhe am Pitztaler Gletscher…

Weiterlesen