Umwelt

Pro und kontra Skipisten- zusammen- legungen

Fusionen von Skigebieten liegen im Trend – lohnen sie sich wirklich?

von: Ulrike Pröbstl-Haider

In Zusammenhang mit der Diskussion um eine Verbindung zwischen Skigebieten im Stubaital und dem Skigebiet Axam-Lizum sowie anderen möglichen Fusionen in Tirol wurde der Frage, ob und wann sich Skigebietszusammenlegungen lohnen, im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie an der Universität für Bodenkultur nachgegangen (Pröbstl-Haider et al. 2015). Das Ergebnis sei hier vorweggenommen und lautet wie so oft, wenn man Wissenschaftler fragt: „Es kommt auf die jeweiligen Bedingungen an“.

Die Studie liefert jedoch sehr gute Grundlagen, um Einflussfaktoren abzuleiten, zielgruppenspezifische Prognosen zu untermauern und Entwicklungsszenarien durchzuspielen. Die Besonderheit der Studie ist auch, dass hier die für die Skigebietsentwicklung relevanten Kriterien, wie Schneesicherheit, Pistenkilometer, öffentliche Anbindung, Schwierigkeitsgrade und Erlebnisqualität, nicht separat, sondern im Verbund abgefragt wurden. Insgesamt wurden 973 Urlauber und 189 Tagesbesucher aus Deutschland sowie 457 Urlauber und 292 Tagesbesucher aus Österreich online befragt. Die Urlauber mussten mehrfach Wahlentscheidungen zwischen zwei Skigebieten treffen, während die Tagesbesucher zehn Ausflüge auf drei zur Auswahl stehende Gebiete mehrfach verteilen mussten. Insgesamt wurden 1.430 Urlauber und 481 Tagesbesucher befragt.

Zunächst wurden die Wintersportler allgemein nach Auswahlkriterien für ein Skigebiet befragt. Dabei nannten Urlauber und Tagesgäste übereinstimmend an erster Stelle das Preis-Leistungs-Verhältnis, gefolgt vom besonderen Naturerlebnis und dem Ausblick. An dritter Stelle kommt der Anteil an schneesicheren und beschneiten Pisten. Dieser Aspekt ist vor allem den Urlaubern sehr wichtig. 

Diese Einflussfaktoren bestätigen sich auch dann, wenn die Skigebietseigenschaften in Kombination abgefragt werden. Grundsätzlich positiv sind Skiorte, die einen besonderen Ausblick (z. B. Panoramablick auf umliegende Gipfel und Täler) ermöglichen. Ebenfalls von hoher Bedeutung bei den Urlaubern ist die Möglichkeit, „Ski-in – Ski-out“-Angebote buchen zu können. Im Hinblick auf die Schneesicherheit werden Skigebiete mit mindestens 50  % Flächenanteil über 1.500 m bevorzugt gebucht. Weiterhin zeigt sich, dass die Attraktivität der Skigebiete mit der Größe deutlich steigt. Als entscheidender Schwellenwert ergab sich hier ein Angebot, das über 75 Pistenkilometer liegt. 

Positiv bewertet werden weiterhin Skigebiete in Gletschernähe, jedoch nur dann, wenn die Fahrzeit deutlich unter 20 Minuten liegt. Die Befragung bestätigt weiterhin, dass der Kunde – Urlauber und Tagesgast – inzwischen sehr kostensensibel ist. Preise über 47,50 Euro werden tendenziell eher abgelehnt und günstige Skigebiete bevorzugt.

Detaillierte Betrachtungen und Analysen der Urlauber aus Deutschland und Österreich ergaben fünf verschiedene Gruppierungen bzw. potentielle Zielgruppen, die bei der Auswahl von Skigebieten unterschiedliche Schwerpunkte setzten. Dazu zählt der „durchschnittliche Sporturlauber“, dem das Skifahren besonders wichtig ist und der an öffentlichen Verkehrsmitteln und Anlagen, wie Freeride-areas, interessiert ist (Anteil ca. 30  %). Dem „naturinteressierten Genießer“ ist die sportliche Eignung des Gebietes weniger wichtig. Er besitzt ein hohes Interesse an Natur und landschaftlicher Schönheit (Anteil ca. 22  %). Das Naturerlebnis steht hier beim Sport im Mittelpunkt.

Die Befragung ergab zudem zwei verschiedene Gruppen von Familien. Eine, die bei der Auswahl von Skigebieten auf eine attraktive Ausstattung achtet und wenig preissensibel ist (Anteil ca. 19  %). Natur- und Umweltaspekte sind für diese Gruppe wichtig. Die „preisbewusste Familie“ hingegen (ca.9  %) sucht gezielt nach einem preiswerten Skigebiet. Naturerlebnis und landschaftliche Aspekte sind dagegen wenig wichtig. Sie schätzen dafür öffentliche Anreisemöglichkeiten.

Weiterhin unterschieden werden konnte eine preisbewusste Sporturlaubergruppe, die sich durch ein hohes fahrerisches Können auszeichnet. Diese Gruppe entscheidet vor allem nach der Pistenqualität und -quantität (Vielfalt, Schwierigkeitsgrad und Beschneiung). Das Naturerlebnis ist nachrangig, das Preis-Leistungs-Verhältnis dahingegen sehr wichtig (Anteil ca. 20  %).

Insgesamt zeigt sich, dass Pauschalurteile, wie die, dass Zusammenlegungen automatisch mit einer Attraktivitätssteigerung verbunden sind, mit Vorsicht zu genießen sind. So ist die Urlaubergruppe der preisbewussten Familie durchaus an kleinen Skigebieten interessiert, wenn der Preis, die Schneesicherheit und die Schwierigkeitsgrade der Pisten stimmen (z.  B. kein hoher Anteil an schwarzen Pisten vorhanden ist). Es zeigt sich, dass Details, wie „Ski-in – Ski-out“-Angebote oder die Nähe zu Gletscherskigebieten und das oft sehr unterschiedliche Landschaftserlebnis die „traditionell“ angeführten Einflussgrößen, wie Skigebietsgröße in Pistenkilometern, Schneesicherheit (z.  B. Anteil der Pisten über 1.500  m  ü.  M.) und Schwierigkeitsgrad (Anteil blauer, roter und schwarzer Pisten), „überstimmen“ können. Der Vergleich verschiedener Skigebiete, großer und kleiner, ergab daher durchaus überraschende Ergebnisse.

Wenn durch eine Zusammenlegung der Weg ins Skigebiet vom Hotel aus erleichtert wird, ein Umfang von über 75 Pistenkilometern erreicht wird und die Schwierigkeitsgrade in einem ausgewogenen Verhältnis angeboten werden, so kann – wie die Ergebnisse zeigen – ein Zusammenschluss mehr Urlauber bringen. Eine wichtige Rolle spielt jedoch der Preis. Dieser ist für mehrere Zielgruppen ein entscheidendes Kriterium.

Abschließend wurde auch deutlich, dass die Interessen und Präferenzen der Tagesbesucher sich von denen der Urlauber unterscheiden. Hier ist die einfache Formel „Größer ist auch attraktiver“ ebenfalls nicht zutreffend. Besonders große Gebiete sind dann, wenn man nur einen Tag zur Verfügung hat, nicht unbedingt ein zusätzlicher Nutzen. Daher spielt auch hier die detaillierte Ausstattung eine entscheidende Rolle. Allerdings muss man auch bei den Tagesbesuchern zwischen verschiedenen Segmenten, wie den „Vielfahrern“, den „Genussfahrern“, den „seltenen Fahrern“ oder den „jungen Wilden“ unterscheiden.

Weitere Erkenntnisse und Forschungsarbeiten zu diesem Thema wurden am 15. März 2016 in Saalfelden/Österreich von Touristikern, Wissenschaftlern, Naturschutzfachleuten, Betrieben und Vertretern der Seilbahnwirtschaft vorgestellt.

Detaillierte Angaben zum Programm „Fusionen von Skigebieten – Segen oder Fluch?“ und zu den Ergebnissen der Veranstaltung sind auf der Webseite Bergumwelt.boku.ac.at zu finden. 

Referenz: Pröbstl-Haider, U., Mostegl, N.M., Haider, W. (2015). Einfluss von Skigebietsverbindungen im Bereich ­Stubai/westliches Mittelgebirge auf die regionale und deutsche Nachfrage durch Wintersportler. Endbericht.

Foto:  Klaus Bauer Saalfelden
Beispiel einer Entscheidung im Discrete Choice Experiment (DCE) für UrlauberInnen. Es wurden insgesamt sechs Entscheidungen pro Teilnehmendem getroffen. Für Tagesgäste wurde ein abgeändertes DCE verwendet.
Foto: Klaus Bauer Saalfelden
Univ.-Prof. Dipl.-Ing. DDr. Ulrike PRÖBSTL - Institut für Landschaftsentwicklung, Erholung und Naturschutzplanung der Universität für Bodenkultur, Wien

Foto: Kellenberger Photographie/ETH-RAT

Im ISR-Interview erklärt erklärt Prof. Dr. Jürg Schweizer vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF welche Auswirkungen der Klimawandel…

Weiterlesen
Foto: shutterstock

Die von Kids & Fun Consulting durchgeführte Studie „Die Welt der Mütter: Familienalltag als Schlüssel zu Konsum- und Reiseentscheidungen“ bietet…

Weiterlesen
Foto: Jakob Zeller

Bei der FIS Alpinen Ski-Weltmeisterschaften Saalbach 2025 sorgte Kässbohrer als „Official Supplier“ mit acht Pistenbullys für eine professionelle…

Weiterlesen
Foto:

Nach mehreren kleineren Modernisierungen erhält die Standseilbahn Monte Brè in Lugano (CH) nun eine größere mit dem Ersatz der Fahrzeuge der zweiten…

Weiterlesen
Foto: TVB Paznaun – Ischgl

Ein außergewöhnliches Projekt auf 2.624 Metern Höhe: In Zusammenarbeit mit der Lego GmbH haben die Silvrettaseilbahn AG und der Tourismusverband…

Weiterlesen
Foto: Thomas Kovacsics

Ab der Wintersaison 2025/26 erweitern die „Senderbahn Hauser Kaibling“ von Leitner und „Mitterhausalm I“ der Doppelmayr-Gruppe auf der Planai das…

Weiterlesen
Foto: 3Con

Für optimale Loipenbedingungen beim Biathlon-Weltcup setzte der Veranstalter auf das temperaturunabhängige All-Wetter-Beschneiungssystem "Snow4Ever…

Weiterlesen
Foto: Martin Huber

Aktuell wird noch bei der "FIS Alpine Ski Weltmeisterschaften Saalbach 2025" um Medaillen gefahren. Die letzte WM in Österreich gab es 2013 im…

Weiterlesen
Foto: Lech Bergbahnen AG

Seit Dezember 2024 sorgt Sarah Lange als Betriebsleiterin bei der Lech Bergbahnen AG für einen reibungslosen Ablauf im Seilbahn-Alltag.

Weiterlesen
Foto: Seilbahnen Schweiz

Die Bergbahnen der Schweiz bilanzieren zur Halbzeit der Wintersaison durchwegs positiv. In Deutschland baut man auf ein gutes Weihnachtsgeschäft auf.

Weiterlesen
Foto: Saalbach.com, Andreas Putz

Am Vorabend der FIS Alpine Ski Weltmeisterschaften Saalbach 2025 feierte die Hinterglemmer Bergbahnen GmbH im "Home of Snow", direkt am Fuße des…

Weiterlesen
Foto: Doppelmayr USA

CEO Katharina Schmitz verlässt mit 31. März 2025 Doppelmayr USA und übergibt an Keith Johns.

Weiterlesen
Foto: studio22 – marcel Hagen

Die Golm Silvretta Lünersee Tourismus GmbH in Vandans ist ein vielseitiger Anbieter von ganzjährigen Freizeitaktivitäten in Vorarlberg. Die…

Weiterlesen
Foto: ÖW/Christoph Oberschneider

Im Jahr 2024 wurden laut vorläufigen Ergebnissen von Statistik Austria 154,29 Mio. Nächtigungen und 46,71 Mio. Ankünfte von Gästen in österreichischen…

Weiterlesen
Foto: Prinoth

Der vollelektrische Husky E-Motion von Prinoth kommt beim Biathlon-Weltcup und sogar den FIS Nordic World Ski Championships 2025 zur…

Weiterlesen