Seilbahn im Skigebiet Snowbird im US-Bundesstaat Utah. Die Skiregion Rocky Mounains verzeichnete bei den Besucherzahlen das zweitbeste Ergebnis in ihrer Geschichte.
Foto: Becks Falk, @falkphoto
Veranstaltungen

NSAA

NSAA-Convention als Online-Event

Die US-Interessensvereinigung National Ski Areas Association (NSAA) hat vom 7. bis 11. Juni 2021 ihre National Convention & Trade Show als Online-Event abgehalten. Ein zentrales Thema war der Bereich Diversity (Diversität). So wie jedes Jahr, wurden die wichtigsten Ergebnisse des Kottke-Reports präsentiert und die NSAA-Awards vergeben.

von: DK

NSAA-Präsidentin Kelly Pawlak sprach in Ihrer Eröffnungsrede von einem „Crazy Year“, das die US-Skigebiete hinter sich haben. Dass sich letztendlich für die US-Skiregionen alles zum Guten wendete, zeigt sich auch daran, dass die USA im Winter 2021/21 ihre fünftbeste Skisaison verzeichneten.  

Rund 500 virtuelle Teilnehmer

An der Online-Veranstaltung waren rund 50 Aussteller und mehr als 500 Teilnehmer vertreten, darunter auch die ISR. Zentrale Plattform des virtuellen Events war die App Whova, die es für die Teilnehmer einfacher machte, auch untereinander Networking zu betreiben. Neben dem Hauptthema Diversität und einer Bilanz über die vergangene Wintersaison wurden auch die Themen Neue Technologien und Nachhaltigkeit/Klimawandel auf der NSAA National Convention& Trade Showschwerpunktmäßig behandelt.

Diversität und Kaufkraft

Keynote-Reden hielten die Diversitätsexpertin und Unternehmensberaterin Risha Grant und Jerry Taylor, Gründer des moderaten Washingtoner Thinktanks Niskanen Center. Risha Grant setzte sich zu Beginn ihres Vortrages mit Werthaltungen, Vorurteilen und generell dem respektvollen Umgang mit anderen Menschen auseinander. Und stellte dann die These auf, dass die Inklusion bestimmter Gruppen für Unternehmen deutlich günstiger ist als deren Exklusion, – also deren Ausschluss. Derzeit sind in den USA 88,2 % der Gäste in Skigebieten Menschen mit weißer Hautfarbe und nur 1,8 % afroamerikanische Menschen, obwohl diese Bevölkerungsgruppe über eine Kaufkraft von 1,2 Billionen US-Dollar verfügt. Risha Grant zufolge hat die hispanische Bevölkerung der Vereinigten Staaten eine Kaufkraft von 1,5 Billionen US-Dollar, die asiatisch-stämmige Bevölkerungsgruppe verfügt über eine Billion US-Dollar an Kaufkraft. US-amerikanische Frauen verfügen insgesamt über mehr als fünf Billionen US-Dollar Kaufkraft, die LGBTQ-Community hat eine Kaufkraft von rund einer Billion US-Dollar. LGBTQ steht dabei für lesbian, gay, bisexual, transgender und queer, also für lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und queer, und ist demnach ein Sammelbegriff für alle Menschen, deren geschlechtliche Identität oder sexuelle Orientierung von den „herkömmlichen“ gesellschaftlichen Normen abweicht.

Communities erreichen

Die Frage, die sich im Vortrag von Risha Grant danach stellte war, wie man „diverse Zielgruppen“ am besten erreicht. Und das nicht nur wegen der Kaufkraft der entsprechenden Communities, sondern auch, um insgesamt als Unternehmen innovativer, agiler und erfolgreicher zu sein. Laut Risha Grant sind Betriebe mit einer inklusiven Unternehmenskultur beispielsweise zweimal häufiger als andere Unternehmen in der Lage, ihre finanziellen Zielsetzungen zu erreichen oder zu überschreiten. Auf dem Weg zu einer inklusiven Unternehmenskultur müsse man sich dabei zuerst mit den eigenen Einstellungen und Vorurteilen auseinandersetzen. In der Folge sei ein wesentlicher Schritt, ehrliche und authentische Beziehungen zu Angehörigen diverser Gruppen und Communities aufzubauen. Entscheidend für eine inklusive Unternehmenskultur sei zudem, dass man auch bei den Mitarbeitern, bzw. bei der Zusammensetzung der Mitarbeiter im Unternehmen, Wert auf Diversität lege. Im Hinblick auf Marketing-Aktionen sei die Entwicklung eines speziellen Kommunikations- und Maßnahmenplans nötig, um gezielt Menschen aus bestimmten Communities anzusprechen, erklärte Risha Grant in ihrer Keynote-Rede.

Koalition für das Klima

Wie wichtig das Thema Klimaschutz mittlerweile für die Wintersportindustrie in den Vereinigten Staaten ist, zeigte sich anhand der zweiten Keynote-Rede auf der NSAA-Convention & Trade Show:Diese wurde von Jerry Taylor gehalten, Experte für Umwelt- und Energiepolitik und Präsident des moderaten Washingtoner Think Tanks Niskanen Center. Taylor gilt als Vertreter einer wachsenden Bewegung unter US-Konservativen, die sich für market environmentalism – also die Lösung von Umweltproblemen mit Hilfe von Marktmechanismen – und für aufkommensneutrale CO2-Steuern im Kampf gegen den Klimawandel einsetzt. In seinem Vortrag mit dem Titel „Finding Common Ground on Climate Change: Engaging Conservatives and Moderates on Climate Change” ging es darum, eine gemeinsame Basis mit konservativen und gemäßigten Kräften in der US-Politik in Hinblick auf den Klimawandel zu finden. Für eine effektive klimafreundliche Politik und Gesetzgebung sei ein Zusammenschluss aus Republikanern, von Wirtschaftstreibenden und von gemäßigten Konservativen nötig, so Taylor. In seinem Vortrag zeigte er unter anderem Möglichkeiten auf, wie sich in republikanisch dominierten Gemeinden und US-Staaten gemeinsame Positionen zum Thema Klimawandel entwickeln lassen.

Kottke: Fünftbeste US-Skisaison

Der für die meisten Teilnehmer an der NSAA Convention & Trade Show wohl erfreulichste Vortrag kam von Dave Belin vom Beratungsunternehmen RCR Associates, das an der Erstellung des Kottke End of Season and Demographic Report federführend beteiligt ist. Demnach verzeichneten die US-Skigebiete in der Wintersaison 2020/21 mit 59 Mio. Besuchern das fünftbeste Ergebnis seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1978/79. Als „Besuch“ zählt der Kottke-Report jeden Eintritt eines Skifahrers oder Snowboarders in ein Skigebiet bzw. in einen Skiort. Besondere Zuwächse hatten 2020/21 die Skigebiete in den Regionen Pacific Northwest und Rocky Mountains: Die Region Pacific Northwest erzielten das beste Ergebnis in ihrer Geschichte, die Destinationen in der Region Rocky Mountains ihr zweitbestes. Sehr gut schnitten auch kleinere und mittlere Skigebiete ab, weil sich mehr amerikanische Skifahrer dazu entschlossen, für ihren Sport nicht allzu weit zu fahren. Dies entspreche dem generellen Trend hin zu mehr Freizeitbeschäftigungen in der näheren Umgebung, heißt es dazu seitens der NSAA.

Skigebietsschließungen vermieden

112 Tage waren im Durchschnitt die US-Skigebiete in der Wintersaison 2020/21 geöffnet, in der von der Pandemie stärker beeinträchtigten Vorjahressaison 2019/20 waren es lediglich 99 Tage. Laut dem Kottke-Report hielten fast alle Skigebiete in der vergangenen Wintersaison planmäßig offen. 78 % der Skigebietsbetreiber gaben an, dass die Wintersaison 2020/21 ihre Erwartungen übertroffen hat. „Wir sind stolz darauf, dass alle US-Skigebiete gemeinsam unsere Best-Practice Maßnahmen vom ersten bis zum letzten Tag umgesetzt haben“, merkte dazu NSAA-Präsidentin Kelly Pawlak an. Die Menschen hätten als Folge der Pandemie ihre Gewohnheiten umstellen müssen, und die Skigebiete seien da keine Ausnahme gewesen.

Einschränkungen bei Skischulen

Einschränkungen gab es in der Wintersaison 2020/21 dem zufolge auch in den USA: Die von den befragten Skigebiets-Managern am häufigsten genannten waren die Begrenzungen der Besucherzahlen, die Erfordernis, Tickets vorab zu reservieren sowie Einschränkungen bei Skikursen. Wegen des Verbots von Gruppen-Skikursen ging die Zahl der abgehaltenen Skikurse in der Saison 2020/21 um 30 % zurück. Gleichzeitig boomten aber Gruppenaktivitäten, bei denen man die Abstandsregeln einhalten konnte. So verdoppelte sich beispielsweise die Zahl der Gäste, die Snowtubing-Angebote in Anspruch nahmen. Auswirkung hatten die US-amerikanischen Corona-Maßnahmen auch auf Großevents und Veranstaltungen, von denen die meisten abgesagt wurden. Ebenso war die Gastronomie in den Skigebieten von Schließungen betroffen. Laut der NSAA reagierten 41 % der US-Skigebiete mit neuen Möglichkeiten zum Online-Bestellen von Speisen und Getränken.

Schwierigere Personalsuche

Rund 60 % der am Kottke-Report teilnehmenden Skigebiete konnten in der Saison 2020/21 nicht alle offenen Stellen besetzen. Mit ein Grund dafür war der Umstand, dass wegen der Reisebeschränkungen keine ausländischen Skilehrer und andere Mitarbeiter aus dem Ausland einreisen konnten. Im Schnitt fehlten pro US-Skigebiet 55 Mitarbeiter, etwa die Hälfte von ihnen wäre in normalen Jahren mit Hilfe von Arbeitsvisa aus dem Ausland besetzt worden. 

Digitalisierungsschub

Die Folgen der Pandemie brachten auch in den amerikanischen Skigebieten einen weiteren Digitalisierungsschub: „Wir haben neue Dinge ausprobiert und dabei rasch festgestellt, dass diese nicht nur wie geplant funktionieren, sondern, dass sich diese auch auf unsere Gäste und Mitarbeiter positiv auswirken. Die Betreiber von Skigebieten werden ihre Erfahrungen nutzen und weiter neue Methoden und Technologien einsetzen“, meint dazu NSAA-Präsidentin Kelly Pawlak. Nur noch 17 % der Skitickets wurden in den USA in der Wintersaison 2020/21 „klassisch“ an der Liftkassa verkauft, in der Saison davor waren es noch 46 %. Wie vielfach erwartet, stieg der Anteil der Saisonkarten-Besitzer im Vergleich zur Vorsaison von 46 % auf 51%.

Skifahren unter der Woche

Stark zugenommen haben auch die Skigebietsbesuche an Werktagen: Im Vergleich zur Vorsaison stiegen sie 2020/21 um 27 %, fast die Hälfte der Skigebietsbesuche (48 %) fand damit unter der Woche statt. Laut dem Kottke-Report wurde dies von vermehrtem Home-Office, Home-Schooling, aber auch durch die Zugangsbeschränkungen in vielen Skigebieten begünstigt.

NSAA-Awards 2021 vergeben

Höhepunkt und Schlusspunkt der virtuellen NSAA-Convention & Trade Show 2021 war die Vergabe der NSAA-Awards. Auch in diesem Jahr wurden die besten US-Skigebiete in den Kategorien „Wachstum“, „Nachhaltigkeit“, “Marketing“ und „Sicherheit“ prämiert. Bei der Auswahl der Sieger legte die NSAA besonderen Wert auf Effektivität, Kreativität und Innovation. Einreichungen zu den Preisen kamen aus allen Ski-Regionen der USA und von Skigebieten jeder Größe. „Dies ist ein für Preisverleihungen besonderes Jahr“, betonte NSAA-Präsidentin Kelly Pawlak. „Unsere Skigebiete mussten sich nicht nur an die Erfordernisse von Covid-19 anpassen, sie haben auch weiterhin einen Fokus auf jene Themen gelegt, die unsere Industrie sonst noch beschäftigen.“ Die NSAA Livetime Achievement Awards für ihr Lebenswerk erhielten Bill Jensen und Tim Silva.Und so wie jedes Jahr, wurden die Preise in den verschiedenen Kategorien und Unterkategorien von unterschiedlichen Unternehmen gesponsert: Die Golden Eagle Awards (also die Kategorie „Nachhaltigkeit“) wurde von TechnoAlpin unterstützt, die Marketing Awards von der Doppelmayr/Garaventa-Gruppe und der Conversion Cup (die Kategorie „Wachstum“) von Head. Die Safety Awards wurden vom Versicherungsunternehmen Safehold Special Risk gesponsert.


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