Kabinen

Neue Panoramakabine mit Balkon am Dachstein

Die nötige Erneuerung der seilbahntechnischen Teile der Dachsteinsüdwandbahn nahm ihr Betreiber, die Planai-Hochwurzen-Bahnen, zum Anlass, das Dach einer der beiden neuen rundum verglasten Kabinen mit einem neuartigen luftigen Aussichtsbalkon auszurüsten.

Die im Jahr 1969 eröffnette Dachsteinsüdwandbahn war ursprünglich als südlichster Teil einer Seilbahntransversale über das Dachsteinmassiv geplant. Diese Verbindung von der Ramsau in der Steiermark bis nach Obertraun in Oberösterreich wurde nie vollständig umgesetzt. Die Auffahrt mit dieser Pendelbahn mit ihrer 2.175 m langen stützenlosen Trasse mit 997 m Höhenunterschied entlang der Südwand des Hunerkogels mit einem Bodenabstand von bis zu 210 m gehört nach wie vor zu den spektakulärsten Seilbahnerlebnissen, auch wenn diese Seilfelddaten keine Rekorde für Pendelbahnen darstellen. (Pendelbahn Loma Redonda – Pico Espejo, Venezuela: freie Spannweite 3.007 m, Höhenunterschied 720 m; Pendelbahn Aiguille du Midi II, Frankreich: freie Spannweite 2.926 m, Höhenunterschied 1.475 m).

Heutzutage werden die einst durch die ehemalige Dachsteinfremdenverkehrs AG gebauten Seilbahnen auf beiden Seiten des Dachsteinmassivs von zwei verschiedenen GeseIlschaften betrieben. Im Jahr 2003 wurde die Dachsteinsüdwandbahn durch die Planai-Hochwurzen-Bahnen GmbH übernommen und seitdem wurde die Bahn selbst sowie auch das Angebot an touristischen Attraktionen am Dachsteingletscher ständig verbessert.

Bestehende Seilbahn mit neuen Ideen
Die Seilbahnprojekte der letzten Jahre von mit Gittern anstelle von Windschutzscheiben ausgerüsteten Kabinen bis zur neuentwickelten Cabrio-Seilbahn, die seit 2012 zum Stanserhorn fährt, beweisen, dass die „open air“-Seilbahnfahrt immer mehr im Trend liegt. In eine bestehende Bahn während ihrer Modernisierung eine solche Technik zu integrieren, ist jedoch in der ganzen Seilbahnbranche neu.
Die Idee, eine der beiden neuen Kabinen der Dachsteinsüdwandbahn auf dem Dach mit einem Balkon für zehn Personen auszurüsten, wurde mit der Behörde abgestimmt und vom Kabinen-Spezialisten Carvatech umgesetzt. Zu den behördlichen Bedingungen gehört die mechanische Verriegelung der Balkontür, das ausreichend hohe und verglaste Balkongeländer sowie auch eine ständige Videoüberwachung und Audioverbindung mit dem Wagenbegleiter im Inneren der Kabine. Im Gegenteil zur Cabrio-Seilbahn (siehe ISR 3/2012, S. 16 – 17) erfolgt der Ein- und Ausstieg der Fahrgäste auf den Balkon über separate Treppen in beiden Stationen. Der Wagenbegleiter kann im Notfall über eine Leiter durch die Dachluke aus der Kabine zu den Fahrgästen auf dem Balkon gelangen.
Die neuen Kabinen selbst sind mit ihrer gerundeten Form sehr elegant und verbessern das Aussehen dieser traditionellen Seilbahn wesentlich. Jene Fahrgäste, die nicht auf dem Balkon mitfahren, können durch ein verglastes Fenster im Kabinenboden die Trasse unterhalb der Seilbahn beobachten. Für die Übermittlung von Informationen an die Fahrgäste sind die Kabinen mit je zwei Bildschirmen ausgerüstet.

Abstimmung mit neuen Betriebsbedingungen
Die alten Kabinen hatten einen Fassungsraum von 70 Personen. Die neuen Kabinen wurden von Carvatech für 60 Personen konzipiert, verfügen über eine Nutzfläche von 13,3 m2 und wiegen inklusive Laufwerk und Gehänge 5.200 kg. Sie sind damit im Vergleich zu ihren Vorgängern um 2.200 kg schwerer, was dazu geführt hat, dass wegen zu geringer Tragfähigkeiten anderer bestehender Anlageteile der Seilbahn derzeit der Fassungsraum von 60 Personen nicht ganz ausgenützt werden kann, noch dazu unterschiedlich für die beiden Kabinen (siehe Technische Daten). Die damit verbundene Förderleistungseinbuße konnte durch eine Erhöhung der Fahrgeschwindigkeit von bisher 10,0 m/s auf heute 12,0 m/s teilweise kompensiert werden. (Die alte Bahn wurde anfangs auch für die Nennfahrgeschwindigkeit von 12,0 m/s gebaut, aber ist nie mit dieser Geschwindigkeit betrieben worden).
Die Inbetriebsetzung der neuen Kabinen bedeutet die Fertigstellung der etappenweisen Modernisierung dieser Seilbahn, die bereits im Jahr 2003 mit dem Bau einer Hochspannungsleitung zur Bergstation (bis 2003 fuhr die Bahn diesel-elektrisch) und im Jahr 2004 mit dem Umbau des Antriebes und der Steuerung begonnen hat. Im Jahr 2009 wurde in der Bergstation ein neuer Bergewagen von Steurer installiert, im Jahr 2010 wurde das alte Tragseil Nr. 2 durch ein neues von Fatzer ersetzt, wobei am Spanngewicht im Tal die Spannkraft mit 7 t Zusatzgewicht auf 93 t erhöht wurde; an der Ankertrommel in der Bergstation wurde die Anzahl der kraftübertragenden Tragseil-Umschlingungen um eins erhöht. Im Rahmen der Frühlingsrevision 2013 wurden neben den Kabinen auch neue Laufwerke und Wagengehänge der Firma Steurer montiert. Eines der Laufwerke war kurz vor der Montage am Steurer-Infostand auf der Interalpin ausgestellt.
Gleich nach der Inbetriebnahme der Bahn mit den neuen Kabinen am 18. Mai 2013 hat sich das enorme Interesse an der luftigen Fahrt am Balkon mit 43 km/h gezeigt. Der Bahnbetreiber wird die ersten Erfahrungen auswerten und künftig den Ansturm auf die „Balkonfahrt“ durch ein Reservierungssystem bzw. einen Preiszuschlag regeln. Überlegt wird auch ein Winterbetrieb.

Weitere Attraktionen am Dachstein
Der Dachsteingletscher besticht durch eine Naturkulisse mit Felsformationen des Dachstein-Massivs und durch einen herrlichen Ausblick über die österreichischen Berggipfel bis hin zum slowenischen Triglav-Gebirge. Bereits im August 2005 wurde unmittelbar neben der Bergstation eine Aussichtsplattform, der „Dachstein Skywalk“, eröffnet. Diese teilweise mit Glasboden bestückte 40 t schwere Konstruktion ermöglicht freie Sicht auf die 250 m hohe senkrechte Südwand des Hunerkogels. Am Rande des Dachsteingletschers, nur wenige Minuten von der Bergstation entfernt, wurde dann im Jahr 2007 der Dachstein-Eispalast gebaut.
Schließlich wurde am 30. Juli 2013 eine etwa 100 m lange Hängebrücke entlang der Südwand beim Eispalast mit einzigartigem Ausblick über die Alpen eröffnet. Sie ist die höchstgelegene Hängebrücke Österreichs. Der direkte Anschluss der Hängebrücke an den Eispalast erfolgt durch einen Verbindungstunnel . Gleichzeitig mit der Hängebrücke wurde die einzigartige „Treppe ins Nichts“ eröffnet, eine Aussichtsplattform aus Glas mit 14 Stufen, welche die Gäste gleichsam über die Felsen schweben lässt. Für die Hängebrücke wurden 63 t Stahl und für die „Treppe ins Nichts“ 5 t Material in schwierigstem Hochgebirgsgelände verbaut. Beide Bauwerke sind auf 250 km/h Windlast sowie 750 kg/m2 Schneelast dimensioniert.
Alle diese Innovationen haben den Ausflug zum Dachstein-Gletscher noch attraktiver gemacht und sorgen bei den Gästen für unvergessliche Urlaubserinnerungen.
Roman Gric


TECHNISCHE DATEN
Pendelbahn Türwandhütte, Ramsau am Dachstein – Hunerkogel (Dachsteinsüdwandbahn)


Seehöhe Talstation 1.703 m
Seehöhe Bergstation 2.700 m
Schräge Länge 2.175 m
Höhenunterschied 997 m
Stützenanzahl 0
Tragseildurchmesser 56 mm
Zugseildurchmesser 31 mm
Gegenseildurchmesser 26 mm
Antrieb Berg
Zugseil-Spanneinrichtung Tal
Fahrzeuganzahl 2
Kabinenfassungsraum:
Kabine Nr. 1: 42 + 1 Pers.
Kabine Nr. 2: 49 + 1 Pers. mit Balkon oder 54 + 1 Pers. ohne Balkon
Motorleistung 2 x 315 kW
Fahrgeschwindigkeit 12,0 m/s
Fahrzeit 6,0 min
Förderleistung 395 P/h

Beteiligte Firmen:
Ursprünglicher Bahnbauer (1969) VÖEST-Alpine
Neue Bergebahn, Laufwerke, Gehänge Steurer
Steuerung Siemens
Kabinen Carvatech
Seile: Tragseil Nr. 1 (seit 1969) Felten & Guilleaume
Tragseil Nr. 2 (seit 2010) Fatzer
Zug- und Gegenseil Teufelberger

Die Balkonkabine Nr. 2 der Dachsteinsüdwandbahn ermöglicht für zehn Fahrgäste eine luftige Fahrt mit Panorama-Rundblick bis auf 2.700 m ü. M. (Foto: R. Gric)

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