Die Talstation der Gruppenumlaufbahn zum Mer der Glace wurde an einer schroffen Felswand errichtet.
Alle Fotos: Roman Gric
Bahnen

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Montenvers – Mer de Glace

Seit dem Jahr 1961 verbindet eine Seilbahn die Endstation der Zahnradbahn Chamonix – Montenvers mit der Eisgrotte am Fuße des längsten Gletschers Frankreichs – des Mer de Glace.

von: Roman Gric

Die Stadt Chamonix etablierte sich Ende des 19. Jahrhunderts als Wiege des Alpinismus und begehrter Ort für Bergausflüge. Die meisten Besucher machten damals zu Fuß oder auf dem Rücken von Maultieren einen Ausflug auf den Montenvers, einen spektakulären Aussichtspunkt über dem Mer de Glace (Eismeer). Vom Montenvers öffnet sich die Sicht auf die gewaltige Bergwelt mit den senkrechten Felswänden der Aiguille du Dru und weiter über den Gletscher auf die Viertausender Aiguille Verte, Grandes Jorasses und Dent du Géant.
Schon seit dem Jahr 1880 dominiert den Montenvers das gleichnamige Grand Hotel, das heute als Refuge du Montenvers, Restaurant Hotel Montenvers und Restaurant le Panoramique Mer de Glace in seinen renovierten Räumen mit altmodischem Charme individuelle Zimmer und Appartements, Schlafsäle für Bergsteigergruppen und örtliche Spezialitäten für das leibliche Wohl bietet.

Zahnradbahn auf Montenvers

Nach der zwischen Juli 1908 und August 1913 schrittweise in Teilstrecken eröffneten Zahnradbahn Le Fayet – St. Gervais – Col de Voza – Nid d'Aigle (auch Tramway du Mont Blanc genannt), hat am 29. Mai 1909 die zweite Zahnradbahn im Departement Haute-Savoie ihren Betrieb vom Bahnhof in Chamonix auf den Montenvers aufgenommen. Diese Bahn überwindet mit Hilfe des Zahnstangensystems Strub auf ihrer 5,14 km langen Strecke 871 Höhenmeter. Ursprünglich mit Dampflokomotiven betrieben, wurde sie im Jahr 1954 elektrifiziert. Während vor dem 2. Weltkrieg jährlich an die 50.000 Leute auf den Montenvers fuhren, beförderte die Zahnradbahn vor der Covid-19-Pandemie im Durchschnitt eine Million Besucher im Jahr. Auch wenn der Montenvers als Ausgangspunkt von touristischen Wanderungen und Bergsteigertouren aller Schwierigkeitsstufen gilt, begeben sich die meisten Besucher des Montenvers zur Gletscherzunge des Mer de Glace, wo sich seit 1946 eine künstliche Eisgrotte befindet.

Pendelbahn zur Eisgrotte

Die durch die Elektrifizierung erhöhte Förderleistung der Zahnradbahn hat zur ständigen Überlastung des schmalen Weges zur Eisgrotte geführt. Deswegen wurde beschlossen, 14 Jahre nach dem Bau der Eisgrotte eine Seilbahn vom Montenvers hinunter in die Nähe des Eingangs in die Grotte zu bauen.
Die ehemalige Seilbahnbaufirma Câbles & Monorails Mancini aus Grenoble baute entlang der Moränenflanke zur Gletscherzunge eine atypische einspurige 350 m lange Pendelbahn mit Doppeltragseilen und Windenantrieb. Die Kabine für 45 Personen hatte eine der Trassenneigung entsprechende stufenartige Form und zwei Gehänge mit zwei Laufwerken. Dank dieser Anordnung hat die Bahn die Bezeichnung funiculaire aérien (schwebende Standseilbahn) verdient. Das Fahrzeug wurde vom Karosseriebauer Belle-Clot aus Grenoble gebaut. Wegen der Platzknappheit im Bereich der Bergstation wurde von dort das Zugseil in den etwa 20 m entfernten separaten Maschinenraum mit Seilwinde umgelenkt. Auf der Trasse, die im Jahr 1961 am Anfang des Bahnbetriebes bis zur Gletscherzunge führte, befanden sich zwei Portalstützen. Die Förderleistung von 450 P/h hat sich bald als unzureichend erwiesen, und bei einem Umbau im Jahr 1972 wurde ebenfalls von Belle-Clot eine neue stufenartige Kabine für 70 Personen geliefert. Umgebaut wurden auch die beiden Laufwerke, wobei das bergseitige Laufwerk mit Tragseil-Fangbremsen nachgerüstet wurde. Die Förderleistung konnte somit auf 700 P/h erhöht werden.

Kabinenbahn statt Pendelbahn

Auch wenn sich das Mer de Glace seit etwa 150 Jahren zurückzieht und der Gletscher inzwischen an zwei Kilometer seiner Länge verloren hat, wurde in den 1980er Jahren ein vorübergehender Gletscherzuwachs verzeichnet. Die Talstation der Seilbahn wurde in diesen Jahren vom Gletscher gefährdet. Beim im Jahr 1987 durch die Gletscherbewegung verursachten Absturz der Verbindungsbrücke zur Eisgrotte wurden 30 Leute verletzt, drei davon tödlich. Der Betreiber reagierte mit dem Bau einer neuen Seilbahn in einer veränderten Trasse.
Die neue 255 m lange Bahn wurde als Gruppenumlaufbahn mit vier Gruppen zu je zwei Kabinen vom Planungsbüro DCSA von Denis Creissels in einer äußerst kompakten Form entworfen. Für den Unterflurantrieb in der Bergstation der neuen Bahn konnte der Maschinenraum der alten Windenseilbahn weiterverwendet werden. Die Talstation wurde als Umlenk- und Spannstation auf einer schroffen Felsflanke errichtet. Die größte Bahnneigung beträgt 120 % (50º). Verwendet wurden Beta Vista-Kabinen von CWA für 15 stehende Personen.
In den Stationen halten immer je zwei Kabinen gegenüberliegend vor der Antriebs- bzw. Umlenkscheibe, die anderen zwei Kabinenpaare halten kurzfristig in der Bahnmitte an. Für die Optimierung des Besucherstroms haben die Kabinen Türen an beiden Seiten. In der Bergstation schließt ein Geländer nach der Einfahrt beider Kabinen in die Station automatisch die Einfahrtslücke für die Kabinen zu, bevor sich die Kabinentüren öffnen. Mit dieser Maßnahme wird platzsparend auch die von den Kabinen überfahrene Fläche der Station zum Abgang der Fahrgäste verwendet.
Seit 1993 verkehrt die Zahnradbahn zum Montenvers nach der Umsetzung von Lawinenschutzbauten auf der Zahnradbahnstrecke ganzjährig. Für die Beförderung jener Skiläufer, die von der Aiguille du Midi über das Vallée Blanche und Mer de Glace die längste durch eine Seilbahn erschlossene Tourenabfahrt der Welt mit 22 km Länge genießen, steht die Gruppenumlaufbahn für ihre Beförderung zur Zahnradbahnstation auch im Winter zur Verfügung. Eingesetzt werden jedoch nur zwei Kabinengruppen.

Touristische Attraktion

Die Talstation der Seilbahn liegt mittlerweile auch etliche Höhenmeter oberhalb des Gletschers, den man auf einem gesicherten Steig mit über 500 Treppenstufen erreichen kann. Die künstliche Eisgrotte am Gletscher selbst wird mit dem Zurückschmelzen des Gletschers immer wieder erneuert und der Steig von der Talstation der Seilbahn regelmäßig verlängert – ein greifbarer Beweis für den Klimawandel.
Im Jahr 2012 wurde auf dem Montenvers das Glaciorium eröffnet – ein Museum, in dem mit audiovisuellen Vorführungen und diversen Exponaten die Entwicklung der Gletscher als Klimaindikator und die Kultur rund um die Gletscher gezeigt wird. In der Kristallgalerie werden bemerkenswerte Exponate aus dem Mont Blanc Massiv ausgestellt.

Geplante Modernisierung

Als Umsetzung einer siebenjährigen Planungsarbeit zwischen der Gemeinde Chamonix und der Compagnie de la Mer de Glace wurde auf der Gemeinderatsitzung am 18. Juni 2021 eine Zusammenarbeit für die nächsten 33 Jahre beschlossen. Die Compagnie de la Mer de Glace ist zu 60 % im Besitz der Compagnie du Mont Blanc *), zu 30 % im Besitz der Banque des Territoires und zu 10 % im Besitz der Finanzgruppe Crédit Agricole. Nach dem Vertrag vom 1. Juli 2021 wird die Compagnie de la Mer de Glace in den nächsten vier Jahren unter strikter Berücksichtigung des Natur- und Kulturstandorts Montenvers umfangreiche Investitionen umsetzen. Die Attraktivität von Montenvers – Mer de Glace wird unter Beachtung des historischen Wertes und der einzigartigen Umwelt für die Touristen massiv erhöht. Zu den wichtigsten bautechnischen Meilensteinen der Modernisierung gehören der Bau einer neuen Kabinenbahn näher zum Gletscher und des neuen Klima- und Gletscher-Interpretationszentrums Glaciorium.

Technische Daten

Gruppenumlaufbahn Montenvers – Mer de Glace, Chamonix

Seehöhe Bergstation1.910 m
Seehöhe Talstation1.764 m
Schräge Länge255 m
Höhenunterschied146 m
Stützenzahl1
AntriebBerg
Förderseil-SpanneinrichtungTal
Motorleistung395 kW
Kabinenfassungsraum15 Personen
Motorleistung33 kW
Kabinenanzahl4 Gruppen je 2 Kabinen
Fahrgeschwindigkeit5,0 m/s
Förderleistung1.000 P/h
Baujahr1988
GeneralplanungDCSA (Denis Creissels ingénieur conseil)
Stationen und TrasseRiou, Joly Philippe, Serma, Berthier-Gremes
Klemmen und GehängeLyon Etudes, Fourneyron, Berthier
KabinenherstellerCWA
SteuerungSerel-Blachon

Bild: DONGHWAN KIM auf Pixabay

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