Während der ganzen Fahrt mit der Matterhorn glacier ride liegt das Matterhorn im Blickfeld.
Foto: Roman Gric
Tourismus Bahnen

ISR-Reportage

Matterhorn glacier ride

Die ISR hat die welthöchste 3S-Bahn zum Matterhorn glacier paradise (Klein Matterhorn) ein Jahr nach ihrer Inbetriebnahme wieder besucht und bis ins kleinste Detail besichtigt.

von: Roman Gric

Bahn der Superlative

Über die am 29. September 2018 nach rund 2,5 Jahren Bauzeit (600 Arbeitstage) eröffnete Seilbahn der Superlative haben wir in der ISR bereits umfangreich berichtet (siehe ISR 4/2018, S. 26–27, ISR 5/2018, S. 16–18 und ISR 6/2018, S. 16–17). In Begleitung des technischen Leiters Süd, Reinhard Lauber, und des Communication & Media Managers der Zermatt Bergbahnen AG, Mathias Imoberdorf, hat die ISR beim Lokalaugenschein der höchsten Seilbahn Europas auch die öffentlich unzugänglichen Räume und die technischen Details dieser Bahn besichtigt.

Erreichbar 365 Tage im Jahr

Bei der Pendelbahn auf die Station Trockener Steg bildeten sich im Winter längere Wartezeiten vor allem abends, wenn die italienischen Gäste übers Klein Matterhorn nach Cervinia zurückfuhren. Mit dem Bau der leistungsstarken Parallelverbindung von Trockener Steg zum Matterhorn glacier paradise (Klein Matterhorn) von Leitner ropeways ist nun das Klein Matterhorn an 365 Tagen im Jahr zugänglich. Neben den 600 P/h der Förderleistung der 100er-Pendelbahn aus dem Jahr 1979 bringt die neue 3S-Bahn weitere 2.000 P/h zum höchsten mit Seilbahnen erschlossenen Gipfel Europas. Somit gehören die Wartezeiten auf der Station Trockener Steg und die Schließung des Gipfels wegen Revisionsarbeiten der Vergangenheit an. Im Winter 2018/2019 nach der Eröffnung der neuen Bahn wurden auf dem Klein Matterhorn doppelt so viele Besucher verzeichnet als im Vorjahr.

Barrierefreie Bahn

In Sache Komfort kann die neue Bahn mit ihrer parallelen Vorgängerin kaum verglichen werden. Eine Rolltreppe und ein Aufzug verbinden die Talstation der neuen 3S-Bahn Matterhorn glacier ride mit der um 5 m höher liegenden Bergstation des Matterhorn-Express (8er-Kabinenbahn von Zermatt via Schwarzsee auf den Trockenen Steg).

Luxuriöse Kabinen

Jede der 25 Kabinen mit einer Grundfläche von je 13,3 m2 verfügt über 28 komfortable Sitzplätze mit Sitzheizung, die einen Panorama-Rundblick ermöglichen. Diese eleganten Kabinen aus dem Hause Sigma im Design von Pininfarina verfügen über eine funktionale Raumverteilung, die genügend Platz nicht nur für Sportgeräte, sondern auch für Kinderwagen und Rollstühle bieten. Für die Kommunikation mit den Fahrgästen im Notfall ist jede Kabine mit einem Audiosystem ausgestattet. Jede Kabine ist videoüberwacht; die Aufnahmen werden für 24 Stunden gespeichert, um z. B. eventuellen Vandalismus nachweisen zu können.

Mit vier der insgesamt 25 Kabinen geht es noch luxuriöser – mit Tausenden Swarovski-Kristallen geschmückt glitzern diese Kabinen wie Pulverschnee in der Sonne, die Kontur der Kabine ist mit einem LED-Lichtband umrahmt. Nach drei Minuten Fahrt in einer Höhe von 170 m klärt sich ihr bis dahin trüber Glasboden und gibt sekundenschnell einen Blick auf die darunterliegende Gletscherlandschaft frei. In den Crystal ride-Kabinen ist eine Soundinszenierung mit kurzen mehrsprachigen Informationen, dass sich der Glasboden klären wird sowie eine Begrüßung und Verabschiedung der VIP-Fahrgäste vorprogrammiert.

Einzigartige Seilbahntechnik

Das vollautomatische Garagieren der Kabinen findet in der Talstation statt, wo es auch genug Platz für Revisionsarbeiten gibt. Die Kabinen werden konsequent auch im Sommer garagiert. Nach den guten Erfahrungen mit der 3S-Bahn von Leitner ropeways am Stubaier Gletscher wurden auch die Tragseilschuhe der Matterhorn glacier ride mit Tefloneinlagen ausgerüstet, die keine Nachschmierung benötigen. Die Bahn verfügt über vier fixverankerte Tragseile und eine über 7.930 m lange Zugseilschleife, die in der Talstation um eine einzige Umlenkscheibe und in der Bergstation um zwei Antriebsscheiben mit zwei Direct-Drive-Antrieben und um eine Nachspannscheibe (Gegenscheibe) umgelenkt wird. Diese Minimierung von bloß vier Umlenkungen auf der ganzen Trasse wirkt sich positiv auf die Lebensdauer des Zugseiles aus. Die Zugseilspannung wird morgens vor dem Anfang des Betriebes überprüft und wenn nötig hydraulisch nachgespannt. Während des Bahnbetriebes wird die Zugseilspannung überwacht, aber in der Regel nicht verändert.

Die Redundanz dieser Seilbahn ist hoch. Jeder der beiden 536-kW-Direktantriebe besteht aus vier Antriebseinheiten und kann auch mit nur deren drei weiterfahren. Bei einer Stromunterbrechung in der Bergstation kann die Bahn mit einem 990-kW-Dieselaggregat immer noch mit 5,0 m/s fahren. Das Räumungskonzept ermöglicht auch bei blockierter Antriebs- bzw. Umlenkscheibe die Bahnräumung.

Alpine Crossing

Die Eröffnung der höchsten 3S-Bahn der Welt zum Matterhorn glacier paradise war nur der Anfang einer viel größeren Vision, der durchgehenden Seilbahnverbindung zwischen Zermatt und Italien, des sogenannten Alpine Crossing. Diese Alpenüberquerung wird mit einer baugleichen 3S-Bahn zwischen Testa Grigia und dem Matterhorn glacier paradise ermöglicht. Die rund einstündige Panoramafahrt von der Schweiz nach Italien oder vice versa wird mit über 4.000 überwundenen Höhenmetern die Seilbahnverbindung mit dem größten Höhenunterschied in Europa sein.

Im Herbst 2021 soll es soweit sein, dass Besucher erstmals die höchste Seilbahnüberquerung der Alpen in Angriff nehmen können – vom Matterhorndorf Zermatt in der Schweiz trockenen Fußes bis nach Breuil-Cervinia in Italien, das Matterhorn dabei immer in Sichtweite. Nach den rund 60 Mio. CHF (etwa 55 Mio. Euro) für die Matterhorn glacier ride-Bahn wird die Alpine Crossing-Bahn weitere 30 Mio. CHF (etwa 27,5 Mio. Euro) kosten. Dies ist mit Abstand die größte Investition der Zermatt Bergbahnen AG seit der Fusion im Jahr 2002. Die Bauarbeiten wurden Anfang April 2019 aufgenommen.

Bauarbeiten mit Synergieeffekten

Die von der Firma Moosmair aus Sterzing bereits für den Bau der Matterhorn glacier ride gebaute 4.015 m lange Materialseilbahn von Laghi Cime Bianche über Testa Grigia bis nach Klein Matterhorn wird auch für den Bau der Alpine Crossing-Bahn verwendet. Auch der für den Bau der Matterhorn glacier ride-Bahn auf dem Gipfel von Klein Matterhorn erstellte Baukran wird bei den Bauarbeiten der Verbindungsbahn zum Einsatz kommen. Zwischen den beiden Stationen überwindet die 3S-Bahn stützenlos eine Strecke von rund 1,6 km. Insgesamt zwölf geräumige 28er-Kabinen des Herstellers Sigma werden die Passagiere komfortabel zum Matterhorn glacier paradise bringen. Auch auf dieser Teilstrecke werden Crystal ride-Kabinen unterwegs sein und dank des Blicks durch den Glasboden ein einzigartiges Erlebnis garantieren. Die Kabinen werden in beiden Stationsumläufen garagiert, es wird also kein zusätzlicher Abstellbahnhof benötigt. Beide Teilstrecken werden zwar betrieblich getrennt (die Alpenüberfahrt ohne Besuch des höchsten Aussichtspunktes der Alpen hätte touristisch keinen Sinn), die Kabinen der Alpine Crossing-Strecke können jedoch über die Matterhorn glacier ride-Trasse bis zum Trockenen Steg für die Revisions- und Wartungsarbeiten transportiert werden.

Neue Impulse für den Tourismus

Mit der Eröffnung des Alpine Crossing wird nicht nur ein Generationentraum wahr, es wird auch möglich sein, das Matterhorn glacier paradise von der italienischen Seite her bequem als Fußgänger zu erreichen. Für „Europareisende“ bieten sich mit der neuen Seilbahnverbindung sodann auch ganz neue Möglichkeiten; z. B. von Mailand über Cervinia, Matterhorn glacier paradise und Zermatt nach Paris – eine Europareise der besonderen Art.

Foto: Roman Gric
Die Fahrt im 2.732 m langen Spannfeld mit Sicht auf die beiden Bergstationen auf dem Klein Matterhorn (links die Bergstation der Pendelbahn und rechts die der 3S-Bahn).
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Foto: Radim Polcer
Die ISR im Gespräch mit dem technischen Leiter Süd, Reinhard Lauber (links), und dem Communication und Media Manager der Zermatt Bergbahnen AG, Mathias Imoberdorf (rechts)
Foto: Radim Polcer
Foto: Roman Gric
Das achtrollige Laufwerk mit zwei Zugseilklemmen der 3S-Bahn.
Foto: Roman Gric
Foto: Roman Gric
In der Talstation sind alle vier Tragseile auf zwei Pollern fixverankert. In zwei Tragseilen sind Lichtwellenleiter zur Datenübertragung integriert.
Foto: Roman Gric
Foto: Roman Gric
Das Herz der 3S-Bahn bilden zwei Direktantriebe in der Bergstation.
Foto: Roman Gric
Foto: Roman Gric
Für den Bau der Bergstation in der schroffen Felswand des Klein Matterhorns war ein Gesamtaushub von 10.000 m3 Gestein nötig. Die Station ist direkt an die Felswand angebaut.
Foto: Roman Gric

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