Die neue Glungezerbahn erreichte schon im ersten Jahr deutlich mehr Umsatz als prognostiziert.
Foto: Salzmann Ingenieure
Planung

SALZMANN INGENIEURE

Kosteneffizienz macht sich bezahlt

Das Büro Salzmann Ingenieure aus Bregenz, bekannt für Projektierungen von Seilbahnanlagen, stellt mit seinem Know-how zielgerichtete Investitionen bei Seilbahnbetreibern in großen Skigebieten sowie auch in Klein-Skigebieten auf mehreren Wegen sicher.

von: Damian Bumann

Nichts ist mehr der schnellen und technischen Entwicklung ausgesetzt als die Elektrotechnik bei Seilbahnanlagen. Was vor kurzem noch ein technisches Highlight war, kann wegen fehlender Ersatzteilversorgung zu Anlagenstillständen führen. Die gesicherte Ersatzteilversorgung von elektronischen Bestandteilen wird immer kürzer und liegt mittlerweile ca. bei 20 Jahren. Ein längerer Ausfall beispielsweise einer Zubringeranlage kann sehr schnell zu wirtschaftlichen Einbußen führen. Aufgrund dieser neuen Herausforderung sind Seilbahnunternehmen immer mehr daran interessiert, den Zustand der elektrischen Seilbahnkomponenten ihrer Bahnen zu kennen, um die Ersatzplanung mittel- und langfristig planen zu können. Für die Behandlung derartiger Herausforderungen hat sich seit neuestem das Büro Salzmann Ingenieure einen Namen gemacht. Das Unternehmen aus Bregenz analysiert im Rahmen einer Risikobewertung die elektrischen Seilbahn-Ausrüstungen der verschiedenen Seilbahnen. Dazu wird das Ausfallsrisiko jeder elektrotechnischen Anlage anhand des Anlagenalters und -zustands definiert. Gleichzeitig werden die verschiedenen Anlagen nach ihrer Wichtigkeit für das Unternehmen bewertet und gereiht. So ist der Ausfall einer Zubringeranlage oder einer Verbindung anders zu bewerten wie der einer Wiederholeranlage. Weiters geht die geplante Restlebensdauer der Anlage in die Betrachtung ein. Für die als sinnvoll erachteten Erneuerungen werden Angebote bei mehreren Herstellern eingeholt und verglichen. Ergebnis dieser Risikobewertung ist ein Maßnahmen- und Kostenplan, der auf die finanziellen Möglichkeiten der Betreiber abgestimmt ist.

Foto: Salzmann Ingenieure
Wesentliche Teile der gebrauchten Anlage konnten im Montafon wieder verwendet werden.
Foto: Salzmann Ingenieure

Retrofit als Alternative zum Neubau?

Eine andere Fragestellung betrifft das sogenannte Retrofit. Da der Investitionsbedarf in Skigebieten generell sehr groß ist, müssen die Betreiber Prioritäten setzen. So stellt sich dann oft die Frage, ob eine bestimmte, schon ältere Anlage, die noch die erforderliche Förderleistung erbringt, nicht mit überschaubarem Aufwand über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren weiter betrieben werden kann. Speziell in Österreich ist dabei wichtig, wann die Konzession nach alter Gesetzgebung ausläuft beziehungsweise wann mit einer Generalrevision zu rechnen ist.

Wenn die rechtliche Situation hier eine vernünftige Restlebensdauer ermöglicht, analysiert das Team der Salzmann Ingenieure, welche elektronischen und mechanischen Komponenten für einen gesicherten Weiterbetrieb ersetzt werden müssen. Dabei wird auch die Ersatzteilverfügbarkeit bewertet. Ergebnis ist ein Zeit- und Kostenplan mit mehreren Szenarien, die dem Betreiber eine abgesicherte Entscheidung ermöglichen. Dipl.-Ing. Stephan Salzmann, Geschäftsführer von Salzmann Ingenieure, erklärt: „Die bisherigen Erfahrungen haben aber gezeigt, dass die Erneuerung von Baugruppen oft an der mangelnden Verfügbarkeit oder an hohen Kosten für Nachfertigung und Einbau der Originalteile scheitert. Der Einsatz von neuen Baugruppen führt unweigerlich zu einem genehmigungspflichtigen Umbau.“

Umsetzen von Gebrauchtanlagen

Dass sich Salzmann Ingenieure für wirtschaftliche Lösungen einsetzt, zeigt das Beispiel der Jöchlebahn, als zu Beginn der Wintersaison 2018/19 in der Silvretta Montafon im Valisera-Gebiet eine neu errichtete 6er-Sesselbahn von der Garaventa/Doppelmayr-Gruppe in Betrieb ging. Bei dieser Anlage handelt es sich um eine 16 Jahre alte Kombibahn, die in Natrun Maria Alm im Einsatz war. Stationstragwerke, Stationseinrichtungen, Antrieb, Bremsen und Spanneinrichtung, die Sessel und viele Stützenbauteile konnten nach einer Überprüfung weiterverwendet werden. Für den Wiederaufbau einer bestehenden Anlage gelten strenge Regeln, es darf nichts Gravierendes verändert werden. Der Geschäftsführer Stephan Salzmann von Salzmann Ingenieure reizte die gegebenen Möglichkeiten aus. Aus der Kombibahn entstand eine kuppelbare 6er-Sesselbahn, Berg- und Talstation wurden vertauscht. Auch die Seilspannkräfte änderten sich, und all dies wurde von den Behörden genehmigt. Dass ein Premium-Skigebiet einen solchen Kompromiss eingeht, hält Seilbahnplaner Salzmann für sehr vernünftig. Auch bei schwach frequentieren Anlagen macht es Sinn, Kompromisse einzugehen, damit man rascher stark frequentierte Anlagen durch alte Anlagen ersetzen kann. Die neue 6er-Sesselbahn ersetzt zwei Schlepplifte.

 

Kostengünstige Planung

Ein weiteres gutes Beispiel für zielgerichtete Investitionen ist die Ertüchtigung des Skigebiets Glungezer bei Hall in Tirol. Ursprünglich war geplant, die beiden Teilstrecken der alten Sesselbahnen gleichzeitig durch eine 10er-Kabinenbahn mit Zwischenstation zu ersetzen. Da dies so nicht umsetzbar war, haben Salzmann Ingenieure ein abgespecktes, aber funktionales Seilbahn- und Stationskonzept ausgearbeitet, das stufenweise umsetzbar war. Infolge einer gemeinsamen finanziellen Kraftanstrengung der 18 beteiligten Gemeinden war dann im Jahr 2018 der Bau der neuen Umlaufbahn bis zur Mittelstation möglich. Da diese erste Teilstrecke kostengünstig für 7 Mio. Euro erstellt werden konnte und sich die Einnahmen weit besser als die budgetierten Zahlen entwickelten, konnte im letzten Jahr der Bau der geplanten Beschneiungsanlage realisiert werden. Für diesen Sommer ist nun der Neubau der zweiten Teilstrecke, einer Kombibahn mit 6er-Sesseln und 10er-Kabinen, vorgesehen, denn die finanzielle Situation der Eigentümer hat sich zufriedenstellend entwickelt und lässt diesen Neubau mit Kosten von ca. 9 Mio. Euro zu.


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