Die neue Talstation Tannenboden, in welcher neben dem neuen Restaurant Colors auch noch eine großräumige Garage für die Pistenfahrzeuge entstand.
Foto: Flumserbergbahnen AG
Bahnen Kabinen

ISR-REPORTAGE

Großauftrag vor der eigenen Haustüre

Die Flumserbergbahnen AG erneuerte im letzten Jahr ihre 53 Jare alte 4er-Giovanola-Kabinenbahn zwischen Tannenboden und Maschgenkamm durch eine neue 8er-Kabinenbahn von Bartholet.

von: Damian Bumann

Nach Evaluieren mit den verschiedenen Seilbahnherstellern vor rund fünf Jahren beauftragten die Verantwortlichen die Bartholet Maschinenbau AG mit einem Vorprojekt. Schlussendlich erhielt Bartholet auch den Auftrag für den Bau der neuen 8er-Kabinenbahn Tannenboden – Maschgenkamm.

Die Flumserbergbahnen AG

Dieser Neubau bildet auch der Abschluss nach einer 15-jährigen Investitionsphase am Flumserberg, gemäß der Aussage des Verwaltungsrats-Präsidenten Guido Mätzler. Die Bergbahnen Flumserberg AG (BBF) besteht seit dem Jahr 2001. Vorher betrieben drei verschiedene Seilbahngesellschaften Wintersportanlagen am Flumserberg oberhalb des Walensees. Der erste Schlepplift ging 1946 in Betrieb. Heute betreiben die BBF 17 Seilbahnen mit 65 km einfachen, mittelschweren und anspruchsvollen Skipisten und ist in der Ostschweiz die größte Seilbahnunternehmung. Zur Gruppe der Bergbahnen gehören neben den Transportanlagen auch sechs betriebseigene Gastro-Betriebe wie das Bergrestaurant Prodalp, das Panoramarestaurant Maschgenkamm, das neu erstellte Restaurant Colors bei der Talstation Tannenboden, das Bergrestaurant Chrüz sowie das Alpenrestaurant Panüöl und die Gruebhütte. Ein Drittel der Einnahmen der Flumserbergbahnen AG wird in der Gastro umgesetzt. Mit Intersport Network zählt noch ein Sportgeschäft mit den vier Standorten Tannenboden, Tannenheim, Prodalp und Unterterzen  zur Gruppe der BBF. Mit den betriebseigen geführten Restaurants sowie den Sportgeschäften sind im Winter rund 300 Mitarbeiter bei den Bergbahnen beschäftigt. Die BBF ist somit einer der größten Arbeitgeber in der Region. Der konsolidierte Jahresertrag beträgt rund 28 Mio. CHF (26,1 Mio. Euro).

Foto: D. Bumann
Heinrich Michel (CEO der Flumserbergbahnen AG), Yves Müller (BMF Projektleiter für den Bergjet) sowie der Roland Bartholet (Verwaltungsrats-Präsident der Bartholet Maschinenbau AG) zeigen sich erfreut über die neue 8er-Kabinenbahn am Flumserberg, (v. li. n. re).
Foto: D. Bumann

Großzügige neue Talstation Tannenboden

Durch das permanente Wachstum der Unternehmung war es ihr auch möglich, kontinuierlich in den Ausbau der Anlagen sowie Skipisten zu investieren. Nun nach 53 Betriebsjahren der Hauptschlager-Transportanlage konnte diese nach fünfjähriger Planung erneuert werden. Bis 2017 war es die Vorstellung der Unternehmung, dass zwei Anlagen die bisherige Seilbahn ersetzen sollten. Jedoch mit der Überprüfung des Projektes im Jahr 2017 entschied man sich für den Bau einer neuen 8er-Kabinenbahnbahn von Bartholet direkt von Tannenboden nach Maschgenkamm.

Dank des Eigentümers der Alpkorporation Mols, der Gemeinde Quarten, des Kantons St. Gallen sowie des BAV ging der Planungsprozess sehr rasch über die Bühne. Wegen der Planungsänderung des Projekts konnten zusätzliche Infrastrukturprojekte bei der Talstation realisiert werden. Die neue Talstation wurde als autonome Tragstruktur südöstlich an das bestehende Stationsgebäude angebaut. Der Anbau besteht aus drei Geschoßen und wurde in Stahl und Stahlbeton erstellt. Neben der eigentlichen Nutzung als Bahnzustieg und Garagierung für die 105 Fahrzeuge wurden die Gebäudeflächen auch als Tiefgarage, Lager, Werkstatt sowie als Garage für die Pistenfahrzeuge genutzt. Die neue Werkstatt bietet den Mitarbeitern eine den großen Anforderungen entsprechende Infrastruktur. Beispielsweise sind eine Absauganlage für Abgas sowie eine Bodenheizung – um die Fahrzeuge abzutauen – mit eingebaut worden. Mit Stempelanlagen, Hallenkran und Scherenhebebühne können bis zu drei Pistenfahrzeuge gleichzeitig repariert werden. Einen weiteren Vorteil bietet die Tankanlage direkt vor Ort mit Benzin, Diesel und AdBlue. Gleichzeitig wurden auch neue Büroräumlichkeiten für die Verwaltung erstellt. Eine besondere Neuheit ist das neue Restaurant Colors an der Talstation.Es ersetzt das alte Restaurant Kabinenbahn. Dem Namen entsprechend wurde das neue Restaurant mit einer hellen und farbenfrohen Ausstattung versehen. In diesem Restaurant können auch größere Anlässe organisiert werden. Das Selbstbedienungsrestaurant mit insgesamt 146 Innen- und 140 Terrassenplätzten offeriert ein abwechslungsreiches Angebot mit regionalen wie auch internationalen Gerichten. Neben dem Restaurant wurde das eigene erweiterte Sportgeschäft realisiert.

Intensive Bauzeit

Damit dieses große Seilbahnprojekt auch zeitgerecht für die Wintersaison 2019/2020 eröffnet werden konnte, wurden die Bauarbeiten bereits Ende Oktober 2018 in Angriff genommen. Die alte Einstellhalle für die Pistenfahrzeuge wurde abgerissen und anschließend begann man mit dem großen Aushub bei der Talstation. Insgesamt wurden 19.000 m3 Erdmaterial abgetragen. Nach 53 Jahren war am 7. April 2019 definitiv Schluss für die Giovanola-Kabinenbahn. Die Stationen sowie die Stützen wurden effizient abgetragen, nur ein kleiner Teil des alten Gebäudes wurde belassen. Der Baustart im Frühling 2019 für die neue 8er-Kabinenbahn war sehr mühsam. Feuchtes Wetter begleitete die Schneeräumungsarbeiten sowie die Erstellung der 20 Stützenfundamente. Im Juli erfolgte der Stützenaufbau mit dem zweimotorigen Superpuma der Heliswiss International. Innerhalb von zwei Tagen waren sämtliche 20 Stützen montiert, was 128 Flugrotationen beinhaltete. Am 28. August 2019 erfolgte der Seiltransport des 6,3 km langen Förderseils von Fatzer aus Romanshorn. Das Transportunternehmen Wipfli brachte die 80-t-Last mit zwei Bobinen auf den Flumserberg. Am 5. September 2019 erfolgte die Spleißung des Seils. Und bald darauf erfolgte der Einbau der Steuerung durch die Firma Sisag aus Schattdorf. Die neue Bergstation Maschgenkamm wurde als zweigeschoßiger Anbau talseitig realisiert. Der komplett in Massivbauweise konzipierte Bau bietet im Stockwerk unterhalb des Ausstiegsbereichs Platz für Trafo- und Tankräume. Durch das ehemalige Stationsgebäude erfolgt der ebenerdige Zugang zur Skipiste.

Ein großes Projekt mit verschiedenen Besonderheiten

Die neue Kabinenbahn befördert mit ihren 105 Fahrzeugen, die im Design by Porsche Design Studio in Flums erstellt worden sind, 2.400 Personen in der Stunde, bei einer Fahrgeschwindigkeit von 6,0 m/s. Um diese Leistung erbringen zu können, ist beim Antrieb in der Bergstation ein 796 kW starker Motor von ABB eingebaut. Eine Besonderheit der Anlage ist das rasche Parkieren der Fahrzeuge innerhalb von 30 Minuten in der Talstation bei einer Geschwindigkeit von 5,5 m/s. Die eingebaute  schnelle Weiche in der Talstation ermöglicht es, während der Fahrt die verschiedenen Bestückungsmöglichkeiten der Fahrzeuge von 25 % auf 50 %, auf 75 % oder auf 100 % auszuwählen.

Für den Seilbahnhersteller Bartholet Maschinenbau AG war es eine spezielle Freude, am eigenen Hausberg eine topmoderne neue Bartholet-Kabinenbahn realisieren zu können. Hat doch der Seilbahnhersteller 1976 die Gruppenumlaufbahn Saxli – Schönhalden ganz in der Nähe von Flums realisiert und gilt heute als drittgrößter Seilbahnhersteller weltweit.

Dank der konstruktiven Zusammenarbeit der Hauptverantwortlichen des Projekts, wie mit dem Atelier drü, Bauingenieure wlw aus Mels, die Firma Bartholet sowie das Projektteam der Bergbahnen unter der Leitung des Technischen Leiters Michael Ackermann konnte das 31 Mio. CHF (28,9 Mio. Euro) teure Projekt zeitgerecht am 20. Dezember 2019 eröffnet werden. Insgesamt waren 40 Unternehmen mit über 250 Mitarbeitern am Bau der modernen Kabinenbahn beteiligt.


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