Economy

Ein spezieller Winter?

Da gibt es schon einiges zu berichten aus der Analyse der Befragungen vieler Skigebiete und Destinationen Österreichs im letzten Winter. Allem voran steht eine Entwicklung, die nicht erfreulich wirkt oder zumindest zum Nachdenken anregen muss.

Der Winterurlaub als reiner Ski- und Snowboardurlaub nimmt ab, weitere sportliche Aktivitäten, aber noch viel mehr Baden und Wellnessaktivitäten nehmen zu, die Skitage gehen zurück und die Skipassdauer der Mehrtageskarten wird verkürzt.

Ski fahren oder Schneespaß?

Aber alles der Reihe nach: Natürlich war der letzte Winter klimatisch und von den Schneeverhältnissen her außergewöhnlich. Und grundsätzlich kann man der Seilbahnbranche nur gratulieren, dass sie landesweit dennoch ein sehr akzeptables Ergebnis in Skier Days und ein äußerst erfreuliches in der Kundenzufriedenheit erbracht hat. Und vielleicht ist es noch zu früh Trends erkennen zu wollen, da der Winter mit seinen Besonderheiten durchschlägt – doch einige Entwicklungen verlaufen nun seit Jahren kontinuierlich und deuten schon recht deutlich auf Trends hin. Ein solcher ist offensichtlich, dass Skifahren als einzige Urlaubsaktivität weiter zurückgedrängt wird. Das soll heißen, dass immer mehr Gäste einen Urlaub im Schnee erleben wollen, doch nicht unbedingt jeden Tag Skifahren wollen. Nicht falsch verstehen: Alpiner Wintersport dominiert den Urlaubsmix und ohne den geht praktisch gar nichts. Will man aber zukünftig gut aufgestellt sein, sollte man diese Entwicklung nicht vergessen. Das korrespondiert mit vielen unterschiedlichen Untersuchungen. Der mentale Fokus bei den Urlaubern verschiebt sich (vom Skifahren zur Erholung und zum Schneegenuss) und andere Aktivitäten treten in den Vordergrund. Die große Masse an Alternativen sind dabei nicht andere Sportarten – welche gerne da und dort einmal ausprobiert werden – sondern Aktivitäten rund um Wasser und Erholung.

Konsequenz für die Liftbetreiber?

Diese Entwicklung wurde im letzten Winter wahrscheinlich begünstigt, aber sie ist wohl kaum aufzuhalten. Schließlich geben auch nur 60 % der Skifahrer an, dass sie jeden Tag im Urlaub Skifahren gehen wollen. Dieser Trend dürfte sich auch durch die (Tourismus-) Werbung verstärkt haben; wie auch immer, die Entwicklung ist wohl nicht zu verhindern, gerade wenn man an das Potential von Anfängern denkt – die wollen ebenso Winterspaß und unterschiedliche Aktivitäten. Eine Konsequenz dessen ist, dass mancherorts Nächtigungsrekorde erzielt werden, die Seilbahnen aber keineswegs gleichgeschaltete Rekordjahre aufweisen können. Das ist auch kein Wunder, denn es gibt einen klaren Trend zur kürzeren Dauer von (Mehrtages-)Skipässen (bei gleicher Aufenthaltsdauer der Gäste). Schon kommen die Seilbahnen seitens des Tourismus unter Druck, doch endlich die vielfach gewünschten flexibleren (Wahl-)Skipässe aufzulegen. Wahrlich keine einfache Entscheidung, ob man dadurch noch mehr verliert oder mit einem Plus an Gästen die geringere Ausschöpfung der Gäste überkompensieren kann. Klar wollen Touristiker und Hoteliers diese Skipässe, die betriebswirtschaftliche Auswirkung scheint aber unsicher.

Alternativen?

Eine Alternative wären natürlich Angebote am Berg, bei denen die Gäste wohl auch an skifreien Tagen zu diesen hinauf wollen. Jedenfalls scheint hier Bedarf für die Branche, die Angebots- und Preispolitik nachhaltig zu überdenken. Verliert man bei Wochenaufenthalten nur 0,5 Skitage pro Gast (jeder Zweite verzichtet auf einen Skitag während der Woche) reden wir von ca. 8 % Minus an Ersteintritten! Eines fällt auch auf: Bei hohen Begeisterungsraten zeigt sich der Trend deutlich weniger. Mit wirklich begeisternden Leistungen in der gesamten Dienstleistungskette am Berg lassen sich solche Verluste offenbar auch vermeiden.

Wintererlebnis für Familien

Für eine Gruppe gelten diese Entwicklungen jedenfalls auch: für die Familien, speziell für jene mit kleinen Kindern unter sechs Jahren. Auch hier zeigt sich eine Entwicklung in Richtung geringere Skipassdauer bei Mehrtageskarten. Nun ist diese Gruppe für die Branche nicht ganz unwichtig; schließlich sind Familien die wichtigste (und nachhaltigste) Quelle für den Skinachwuchs. Einige Fakten zu Familien sollten auch zum Nachdenken anregen: Auffällig ist, dass der Akademikeranteil bei den Familien sehr hoch liegt, ganz speziell bei jenen Familien, die mit Kindern unter sechs Jahren im Skiurlaub sind. Mehr als jeder zweite Familienskifahrer ist Akademiker. Bedenkt man, dass in Österreich keine 15 % Akademiker leben und auch die Akademikerquoten anderer europäischer Länder sehr deutlich darunter liegen, erkennt man eine Zuspitzung der Nachfrage. Die Bildung wurde erst den zweiten Winter in SAMON (Satisfaction Monitor) Seilbahnen abgefragt (woher ein Großteil der Erkenntnisse stammt), doch zeigt sich bereits eine Verschiebung in Richtung Akademiker. Hier dürfte wohl einerseits die Sport- und Gesundheitsorientierung gebildeterer Schichten durchschlagen als auch andererseits die finanzielle Ausstattung der Familien eine Rolle spielen.

Herausforderung Skinachwuchs

Bislang war der Familienanteil unter den Skifahrern recht konstant; zieht man allerdings die dargestellte Entwicklung sowie die abnehmende Kinderanzahl der Bevölkerung heran, gibt das zumindest langfristig zur Sorge Anlass. Auch hier gilt wohl ganz besonders die Frage, wie es die Branche schaffen wird, die Wünsche nach preiswerteren Möglichkeiten und flexibleren Skipässen zu meistern. Die vielfach zitierte Milchmädchenanalyse, dass die Familien die kleineren Skigebiete aufsuchen können, hält nämlich auch nicht. Denn gerade für diese Zielgruppe stehen Unterkunft, Ort, Alternativangebot und Skischule im Vordergrund – stresslose Urlaube im Schnee. Es gibt also genug zu tun.

Klaus Grabler

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