Tourism

Chancen und Risiken von Groß-Events

Ein Impuls-Nachmittag am 15. 9. 2010 unter dem Motto „Interalpin meets Fafga ‚10“ mit den Bürgermeistern von Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Schladming.

Nach Eröffnungsworten von Messe-Direktor Georg Lamp und ISR-Chefredakteur Josef Schramm übernahm Dr. Helmut Lamprecht die Moderation der Veranstaltung. Er konnte dem interessierten Fachpublikum die Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Innsbruck, Mag. Christine Oppitz-Plörer, den Vizebürgermeister von Garmisch-Partenkirchen, Hannes Krätz, und den Bürgermeister der Stadt Schladming, Jürgen Andreas Winter, vorstellen sowie für die Podiumsdiskussion den Geschäftsführer der Bergbahnen Sölden, Jakob Falkner, und den Geschäftsführer und Partner der ETB Edinger Tourismusberatung aus Innsbruck, Dr. Simon Gspan, begrüßen.

In seiner Einführung zur Thematik wies Dr. Helmut Lamprecht auf den hohen Stellenwert des Sports in der Gesellschaft hin und betonte, dass sportliche Großereignisse wie Olympische Spiele, Welt- und Europameisterschaften verschiedenster Disziplinen, Weltcuprennen u. ä. vordergründig vor allem Gemüter, Massen und Kassen bewegen.

Sport-Großveranstaltungen von kontinentaler und globaler Bedeutung stellen für einen Ort, eine Region, ein Land eine hervorragende Plattform dar, um sich international zu präsentieren. Wegen der Größe und der Komplexität solcher Veranstaltungen wird und kann in der Regel nur die öffentliche Hand als Koordinator auftreten.

Chancen und Risiken

Die Durchführung von Groß-Events eröffnet einer Region und einer Nation die Chance, weitreichende Wirkungen zu erzielen. Vor allem Sport-Großveranstaltungen können als Katalysator wirken: einerseits für die Sportförderung, für Impulse der Wirtschaft, insbesondere zur Förderung des Tourismus, für die Entwicklung der Infrastruktur von Sportanlagen und des öffentlichen Verkehrs, andererseits für die Aufwertung des Images oder sogar für den Nationalstolz.

Es soll der Standort als Ganzes attraktiver werden.
Die zunehmende Mediatisierung von Sport-Großveranstaltungen und die damit verbundene weltweite mediale Aufmerksamkeit macht es für Nationen/Regionen immer attraktiv, diese Plattform zu nutzen und solche Veranstaltungen auszurichten. Deshalb wird oft hart darum gekämpft, Gastgeber von solchen Events zu sein.

Dr. Lamprecht sieht im kritischen Focus betrachtet mit dem Thema jedoch verschiedenste Fragen und Problemstellungen verbunden:

> Welche Ziele werden mit einer internationalen Sport-Großveranstaltung verfolgt?
> Gibt es jeweils Strategien für solche Sport-Events?
> Welche Rolle spielen wirtschaftliche, soziale und kulturelle Aspekte?
> Wer bringt die finanziellen Mittel auf bzw. zu welchen Anteilen?
> Wie groß ist jeweils die erwartete Umwegrentabilität?
> Wie sieht es mit der Nachhaltigkeit aus und wie geht man damit um?
> Macht es Sinn, auch auf wiederkehrende Events zu setzen und in welchen zeitlichen Abständen?

Präsentationen der Bürgermeister

Den Beginn machte Vizebürgermeister Hannes Krätz aus Garmisch-Partenkirchen, wo 2011 zum 2. Mal die alpinen Skiweltmeisterschaften stattfinden werden. Garmisch war bereits 1936 Austragungsort von Olympischen Winterspielen, richtete 1978 erstmals alpine Skiweltmeisterschaften aus und hat als Veranstalter der früheren Kandahar-Skirennen im Kreis von St. Anton und Mürren sowie der nunmehrigen Skiweltcuprennen schon Tradition in der Organisation sportlicher Gross-Veranstaltungen.

Nicht von ungefähr ist Garmisch-Partenkirchen mit München Bewerbungskandidat für die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2018. Daher überraschte es nicht, dass Vizebürgermeister Krätz in seiner Präsentation nicht nur die fertiggestellten Einrichtungen und Anlagen, insbesondere die neue hochmoderne und architektonisch gelungene Sprungschanze, sondern auch den exakten Organisations- und Programmablauf vorstellen konnte.

Die erst am 8. Juni 2010 neu gewählte und vor allem junge Bürgermeisterin Mag. Christine Oppitz-Plörer ist vom 13. bis 22. 1. 2012 Gastgeberin der ersten „Winter Youth Olympic Games“, wobei 1.058 Top-Athleten im Alter von 14 bis 18 Jahren aus 50 Ländern für 63 Medaillenevents in sieben olympischen Wintersportdisziplinen erwartet werden.

Innsbruck beherbergt nach den Olympischen Winterspielen in den Jahren 1964 und 1976 damit zum dritten Male die „5 Ringe“. Darüber hinaus war Innsbruck schon in den 30er Jahren Austragungsort der FIS-Skiweltmeisterschaften, 2005 Host-City der 2. Winter-Universiade und hatte in den vergangenen Jahrzehnten schon oft Sport-Großveranstaltungen in den verschiedensten Sport-Disziplinen mit Erfolg durchgeführt.

Oppitz-Plörer präsentierte die chronologischen Meilensteine auf dem Weg zur Host-City, verwies auf die vorhandenen und modernisierten Sportstätten – allem voran die bereits weltberühmt gewordene Architektur der Berg-Isel-Sprungschanze von Architektin Zaha Hadid, sowie auf das derzeit nach einem umweltfreundlichen Baukonzept („Passivhaus“) entstehende 3. Olympische Dorf mit 444 Wohnungen in 13 Wohnkomplexen als nachhaltige Nutzung für die lokale Bevölkerung ab April 2012.

Mit einem einzigartigen „Kultur- & Bildungsprogramm“ will Innsbruck der Jugend mehr als nur einen reinen Sportwettkampf bieten. Zahlreiche Exkursionen zu den Themen Umwelt und Nachhaltigkeit sollen das Angebot ergänzen.
Den Abschluss der 3er-Runde nahm Bürgermeister Jürgen Andreas Winter von Schladming vor, wo nach 1982 im Jahr 2013 wieder alpine Skiweltmeisterschaften stattfinden werden.

Auch Schladming hat bei Sport-Großveranstaltungen bereits Tradition – so gibt es u.a. seit 1973 laufend Ski-Weltcup-Rennen und fanden 1993 die „Special Olympic Weltwinterspiele“ statt. Schladming kann für 2013 ebenfalls mit einem architektonischen Highlight, dem neuen WM-Mediencenter und der „WM-Athletic Area“ aufwarten. Laut Winter wird unter dem Motto „Zukunft 2030“ mit dieser zweiten WM das Ziel verfolgt, eine führende österreichische touristische Ganzjahresdestination zu werden. Die Wege dazu wären Strategien, Ressourcen, Themen, sowie Kommunikation und Kooperation mit der Bevölkerung, Wirtschaft und Gemeinde.

Diskussionsrunde

Die an die Präsentationen anschließende, um Seilbahn-Geschäftsführer Jakob Falkner und Tourismusexperte Dr. Simon Gspan erweiterte Podiumsdiskussion gab Gelegenheit zur Vertiefung der bisherigen Argumente pro Groß-Events, aber auch zum kritischen Hinterfragen solcher ja nur in längeren Zeitabständen möglichen Veranstaltungen.

In der ersten Diskussionsrunde wurden die Chancen, Herausforderungen, Risiken und der Nutzen für die jeweilige Region diskutiert, wobei es weitgehend Übereinstimmung, aber doch mit gewissen Nuancen Abweichungen gab, vor allem was die Rolle der Politik (Jakob Falkner) betraf. Es wurden auch gemeinsame Potenziale und Synergien, jedoch keine Überschneidungen der drei Veranstaltungen 2011 – 2012 – 2013 festgestellt.

Die bisher durchgeführten Großevents brachten für Garmisch, Innsbruck und Schladming erhebliche wirtschaftliche Impulse. Die Chancen konnten national wie international nicht nur kurzfristig, sondern doch auch langfristig, insbesondere durch Innsbruck in Übersee, genutzt werden, wenngleich Touristiker Dr. Simon Gspan da und dort auf ein gewisses Marketing-Manko verwies und er sich mehr vorstellen hätte können.

Jakob Falkner, selbst OK-Präsident des jeweils am Rettenbachgletscher in Sölden Ende Oktober stattfindenden Auftakts zum Ski-Weltcup, betonte die bestehenden Synergien mit der Seilbahnwirtschaft, denn ohne diesen Partner ließen sich derartige Veranstaltungen gar nicht durchführen. Die Seilbahnunternehmen sind die Eckpfeiler des Wintersports und des Tourismus, was auch von Krätz für Garmisch und Winter für Schladming unterstrichen wurde.

Besonders wichtig war für alle Teilnehmer am Podium, dass rechtzeitig die Politik den entsprechenden Rahmen vorgibt, die touristischen Kreise und die lokale Wirtschaft an einem Strick ziehen und durch zielgerechte Kommunikation der Bevölkerung die Angst vor Belastungen und Teuerung durch Sport-Großveranstaltungen genommen wird.Dazu wäre es wichtig – so Christine Oppitz-Plörer, die Effekte der Nachhaltigkeit vor allem für die Verkehrsinfrastruktur, die Sportanlagen und den allenfalls geschaffenen Wohnraum als Nachnutzung der Sportler-Unterkünfte, hervorzuheben.

Ein weiterer Fokus in der Diskussion wurde auf die Architektur der Anlagen-Infrastruktur als „Zeitzeichen“ gelegt. Es wäre eine vertane Chance, wenn die Anlagen nur rein spartanisch den sportlichen Zweck erfüllen würden. Darin waren sich alle einig, denn immerhin gibt es bereits herausragende Beispiele wie z.B. die Berg-Isel-Sprungschanze und Hungerburgbahn von Star-Architektin Hadid in Innsbruck, die neue Sprungschanze in Garmisch oder das futuristische Zielstadion in Schladming.In diesem Zusammenhang verwies Falkner auch auf die derzeit im Bau befindliche neue Gaislachkogelbahn in Sölden, wo allein für die architektonische Gestaltung viel „Geld in die Hand genommen“ wurde.

Zum Abschluss ging Tourismusberater Gspan nochmals auf die tatsächlich möglichen nachhaltigen Wirkungen von Groß-Events für den Tourismus im jeweiligen Ort bzw. in der Region ein, was auch durch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen und Studien unterstrichen werde, vorausgesetzt, es gibt dafür auch die richtigen Gesamtkonzepte und Strategien.
Alles in allem, es war eine interessante und qualitativ hochstehende Nachmittagsveranstaltung im Rahmen der fafga in Kooperation mit der ISR.
Dr. Helmut Lamprecht

Jack Falkner, Bgm. Jürgen Winter, Bgm. Mag.a Christine Oppitz-Plörer, Vize-Bgm. Hannes Krätz, Dr. Helmut Lamprecht, ISR-Chefredakteur Mag. (FH) Josef Schramm und Dr. Simon Gspan (v.l.)

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