Environment

Zukünftig „oben ohne“?

Bericht von der Gletschertagung in Salzburg

Am 28. September 2011 fand die Fachtagung „Zukünftig 'oben ohne'? – Gletscherskigebiete im Wandel“ in Salzburg statt. Organisiert von der Universität für Bodenkultur und der Stiftung „pro natura – pro ski“ sollte den klimatischen, touristischen und ökologischen Herausforderungen dieser sensiblen Bereiche nachgegangen werden. Im vorliegenden Beitrag werden wir die wichtigsten Ergebnisse kurz zusammenfassen.

In seiner Eröffnungsrede stellte Hans Brunhart, Fürstlicher Rat aus Liechtenstein und Vorsitzender der Stiftung pro natura – pro ski, die besondere Rolle der Gletscherskigebiete heraus, die geeignet sind, den Blick auf diesen sensiblen Lebensraum, aber auch auf den Klimawandel zu lenken. Für die Stiftung war die Auszeichnung von zwei Gletscherskigebieten (Gletscherbahnen Kaprun AG und Schnalstaler Gletscherbahnen) mit dem pro natura – pro ski Award im Rahmen der Alpenkonferenz der Anlass, sich mit der Zukunft dieser Regionen stärker auseinander zu setzen.

Der fachliche Einstieg in das Thema erfolgte durch Vertreter der Klimaforschung aus Wien und Innsbruck. Dr. Herbert Formayer von der Universität für Bodenkultur veranschaulichte die Ursachen des Klimawandels am Beispiel internationaler und regionaler Szenarien. Bei den Alpengletschern dominieren die Abschmelzprozesse im Sommer und die Schneeakkumulation im Winter. Finden im Sommer keine Niederschläge als Schnee statt und steigen die Temperaturen in großer Höhenlage stark an, dann sind die messbaren Veränderungen an den Gletschern besonders stark.

Nach Auffassung von Dr. Formayer werden die Rahmenbedingungen für einen Sommerskilauf auf alpinen Gletschern durch den Klimawandel noch schwieriger. Die besondere Stärke der Gletscherskigebiete sieht er vor allem darin, dass sie geeignet sind, für die Regionen die Saison zu verlängern und eine erfolgreiche Wintersaison für die Region zu sichern.

Frau Dr. Andrea Fischer von der Universität Innsbruck vermittelte mit Hilfe von eindrucksvollen Bildern den Rückzug verschiedener österreichischer Gletscher. Längenmessungen und Massenbilanzmessungen beschreiben die Veränderungen und unterstreichen den negativen Trend. Allerdings zeigen die Befunde auch – wie sie am Hintereisferner und Kesselwandferner darstellen konnte – nicht immer eine einheitliche Tendenz.

Ein zweiter Schwerpunkt setzte sich mit dem touristischen Potential der Gletscher auseinander. Herr Dipl.-Ing. Matthias Beyer vom Büro mas|contour aus Berlin befasste sich mit der „außeralpinen“ Sicht auf den Tourismus in Gletscherskigebieten. Der Begriff Gletscher vermittelt aus seiner Sicht noch immer unberührte Schönheit, Reinheit und das Besondere und findet sich daher auch in der Produktwerbung wieder. Aus seiner Sicht kommt es darauf an, Entwicklungsoptionen zu prüfen. Wichtige Ansatzpunkte dafür bilden die Beobachtung gesellschaftlicher Trends und neuer Zielgruppen. Danach zeichnet sich ein neuer Lebensstil mit einer neuen Konsumkultur ab. Diese wird geprägt sein von kritischen Menschen, die gesund und genussvoll leben möchten. Ziel von Destinationen müsste es sein, diese neue Konsumelite anzusprechen, die nachhaltig und lustorientiert kauft, denkt und handelt. Aus seiner Sicht müssen auch die hochgelegenen Regionen mit dem Umdenken und Neukonzipieren ihres touristischen Produktes vor allem in den Sommermonaten beginnen. Ansatzpunkte sind dabei eine saisonale Umstrukturierung und eine Produktdiversifikation.

Auch Prof. Dr. Dominik Siegrist zeichnet ein kritisches Bild. Nach seiner Auffassung ist die Situation aus touristischer Sicht durch einen Verlust attraktiver und bekannter Ausflugsziele, wie z. B. des beeinträchtigten Rhonegletschers und der Pasterze, geprägt. Aber nicht nur die Landschaftsästhetik sondern auch wichtige alpine Infrastruktur, Bergbahnen und Berghäuser geraten wegen auftauendem Permafrost ins Rutschen oder benötigen teure Sanierungen (z. B. Andermatt oder das Jungfraujoch). Ein kritisches Signal war aus seiner Sicht die „Schließung“ des Montblancs im Sommer 2003 aufgrund der stark erhöhten Steinschlaggefahr.

Unabhängig davon, wie umfangreich und touristisch relevant die Veränderungen sein mögen, muss aus der Sicht einer Organisation zum Schutz der Alpen, wie der CIPRA, ein Umdenken gefordert werden. Wichtige Bausteine dazu wären eine Umsetzung attraktiver, klimafreundlicher Reisemöglichkeiten, Anreize für energieeffiziente Gebäude, Verzicht auf staatliche Subventionen für Beschneiung und die Entwicklung der Alpen als Modellregion für den Klimaschutz. Anders als seine Vorredner betont Prof. Siegrist die Bedeutung der Gletscher als Sinnbild des Kampfes gegen die Klimakatastrophe. Er plädiert daher auch dafür, auf Abdeckungen von Gletschern mit Folien zur Verzögerung des Abschmelzens, zu verzichten.

Mit einem ganz anderen Gebiet beschäftigte sich Prof. Dr. Florin Florineth von der Universität für Bodenkultur. Mit dem Rückzug der Gletscher und freiliegendem Hangschutt kommt in vielen Gebieten der Begrünung eine höhere Bedeutung zu. Daher beschäftigte sich sein Beitrag mit den Chancen und Grenzen der Renaturierung von alpinem Rasen über 2.000 m Seehöhe.

Einen entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis hat die Frage, ob es gelingt, standortgerechte alpine Arten aufzubringen. Sodenverpflanzungen bzw. Begrünung mit Rasenziegeln zählen u. a. zu den gut geeigneten Methoden.

Den dritten Teil der Tagung bildeten Präsentationen und Strategien von zwei Gletscherregionen: Dem Kitzsteinhorn in Salzburg/Österreich und dem Schnalstal in Südtirol/Italien. Ing. Günther Brennsteiner von den Gletscherbahnen Kaprun AG zeigte zunächst die Gletscherbeschaffenheit und Veränderung in seinem Skigebiet. Die Erfahrungen der Universitäten und die beschriebenen Rückzüge werden durch die Erhebungen des Unternehmens bestätigt. Seit Inbetriebnahme des Gletscherskigebietes wurde bereits 1,50 m an Rückgang der Mächtigkeit beobachtet. Zur Sicherung des Angebotes für den Wintersportler werden nicht nur Schneefangzäune und Abdeckungen, sondern auch ein Schneedepot und Beschneiung eingesetzt. Darüber hinaus bemüht sich das Gebiet in Zusammenarbeit mit Experten für die Naturraumgestaltung um sachgerechte Renaturierungsmaßnahmen. Diese Maßnahmen sind Teil eines integrierten Management-Systems (nach DIN EN ISO 9001:2008 und DIN EN ISO 14001:2009).

Die Einstellung des Sommerskilaufs wurde begleitet durch die Entwicklung neuer Angebote im Bereich des Panorama- und Naturerlebnisses und neuer Angebote im Bereich des Ausflugs- und Wandererlebnisses.

Das zweite Praxisbeispiel der Tagung wird von Dr. Helmut Sartori von den Schnalstaler Gletscherbahnen vorgestellt. Die Entwicklung des Gletscherskigebietes wurde 1972 begonnen und 1975 in Betrieb genommen. Über 300 Skitage pro Jahr und ein Umsatz von 9 Mio. Euro unterstreichen die ökonomische Bedeutung des Unternehmens für die Region. Zur touristischen Infrastruktur gehört hier noch ein Hotel mit 110 Betten auf 3.200 m Höhe.

Wie am Kitzsteinhorn zeigt sich auch bei den Schnalstaler Gletscherbahnen eine Veränderung der Schnee- und Eisflächen, die zu Schwierigkeiten im Management des Skigebietes führen. Deutlich zeigt sich auch hier – trotz aktuellem Skibetrieb im Sommer – eine strategische Neuausrichtung.

Die statischen Daten der vergangenen zehn Jahre zeigen im Sommer einen stetigen Rückgang der Skifahrer im Gebiet. Waren es 2001 noch rund 80 %, die im Sommer das Gebiet besuchten, sind es heute nur mehr ca. 50 %. Diesem Rückgang steht ein Zuwachs an Fußgängern gegenüber, deren Anteil von 20 % im Jahr 2001 auf knapp 50 % anstieg. Ausstellungen zum Thema Gletscher, ein Themenweg zum Leben an der Grenze, der Geschichte des „Ötzi“, alpine Überlebenskünstler in der Natur werden gezeigt und die Bedeutung von Gletschern für das Wasser u. a. Aspekte dieses besonderen Lebensraums vermittelt.

Auch die Schnalstaler Gletscherbahnen haben als zertifiziertes Unternehmen (nach der EMAS-Verordnung) das Thema Umwelt in ihrer Strategie fest verankert. Ein offensiver Umgang mit dem Thema Klimawandel ist dabei eine Selbstverständlichkeit. In diesem Zusammenhang wird auch hier angestrebt, den sehr hohen Aufwand für den Sommerbetrieb zurück zu fahren und stattdessen zum Winterskigebiet mit attraktiver Herbst-Frühsaison zu werden. Im Zusammenhang mit der Diversifikation soll das Angebot für Fußgänger ständig ausgebaut werden.

Mit ihrem Vortrag über Möglichkeiten und Ansatzpunkte für ein nachhaltiges Skigebietsmanagement versuchten Frau Prof. Dr. Pröbstl und Frau Dr. Jiricka die Tagungsergebnisse zusammenzufassen und Empfehlungen zu formulieren.

Diverse Studien zeigen, dass Skifahrer und Langläufer Anzeichen des Klimawandels mehrheitlich wahrgenommen haben (70 %). Daher ist eine offensive Strategie, wie von den Bahnen am Kitzsteinhorn und vom Schnalstal genannt, sicher richtig. Die Bedeutung der Schneesicherheit hat zugenommen. Das Instrument eines transparenten und extern zertifizierten Umweltmanagementsystems (Audit, ISO 14001), das die gesamte Landschaft und Fragen des Klimawandels mit einbezieht, erscheint vor diesen Herausforderungen als geeignetes Instrument zur schrittweisen Verbesserung und zur Anpassung.

Nachfragen von Medien und Umweltorganisationen reagieren positiv auf ein transparentes Energie- und Wassermanagement und weitere Strategien bezogen auf den Klimawandel. Die Bedeutung umweltgerecht Skifahren zu können, rückt zunehmend in das mediale Interesse. Ein bekanntes Beispiel ist hier die Bewertung von 14 alpinen Ferienorten im Test „Mobil und ökologisch“ durch den Verkehrs-Club der Schweiz (VCS).

Bei Maßnahmen zur Reduktion von Klimaerwärmung durch Nutzung von erneuerbaren Energien ist, wie neue Studien an der Universität für Bodenkultur zeigen, die mögliche Auswirkung von Windrädern und großen Photovoltaikanlagen auf das Landschaftsbild zu beachten. Neben dem Skigebiet ist das Landschaftserlebnis eine weitere wichtige touristische Komponente des touristischen Angebotes. Dieses sollte im Interesse zufriedener Urlauber nicht beeinträchtigt werden.

Ulrike Pröbstl, Alexandra Jiricka


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