New ropeways

Traumzahlen dank Cabrio-Bahn

Die ISR war sowohl bei der Eröffnung am 29. Juni als auch nochmals drei Wochen später vor Ort, um über die ersten Betriebserfahrungen berichten zu können.

Die Absicht, mit der Cabrio-Bahn bereits die Anfahrt auf das Stanserhorn zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen, ist voll aufgegangen. Im August besuchten über 37.000 Gäste per Cabrio-Bahn das Stanserhorn. Traumzahlen für die 119 Jahre „junge“ Zentralschweizer Bergbahn. Auch das Medienecho zur weltersten Cabrio-Bahn nach der Eröffnung am 29. Juni war enorm. So erinnert sich Jürg Balsiger, Direktor der Stanserhorn-Bahn. „Wir registrierten Medienrückmeldungen aus der ganzen Schweiz, vielen Ländern Europas und aus Übersee. Zudem reisten viele interessierte Seilbahn- Spezialisten an.“

Wahl der besten Variante
Auch wenn der Wunsch der Verantwortlichen der Stanserhorn-Bahn zum Bau einer völlig neuartigen Seilbahn mit einem Cabrio-Gefühl sehr einfach aussah, führte diese Aufgabe zur Entwicklung einiger Variantenlösungen (z. B. mit einem in der Mitte der breiten Spur vorne und hinten am Fahrzeug verankerten Zugseil). In Zusammenarbeit mit den Garaventa-Spezialisten und den Seilbahnbau-Ingenieuren Dipl.-Ing. ETH Reto Canale und Dipl.-Ing. ETH Georg Kopanakis wurde schließlich die entgültige Version mit der Zugseilführung analog einer Funifor-Pendelbahn gewählt, die alle technischen Bedürfnisse zu erfüllen vermochte.

Schwierige Baubedingungen
Nach den Vorarbeiten ab April 2011 konnte gleich nach der Erteilung der Baugenehmigung im Mai 2011 mit den Bauarbeiten an beiden Stationen und an den Stützenfundamenten begonnen werden. Am Berg traten technische Probleme beim Betrieb der Materialseilbahn auf, die zu logistischen Engpässen geführt haben und erst durch den Bau einer weiteren Materialseibahn auf der Südseite des Berges gelöst werden konnten. Der Bau war vor allem aufgrund des Mehrbedarfs an Baumaterial am Berg nötig. Dabei war jedoch den ganzen Sommer hindurch bis Oktober 2011 die alte Pendelbahn für die Gäste in Betrieb. Die geologische Struktur im Bereich der Bergstation hatte sich als anspruchsvoll herausgestellt, was eine Verstärkung der Betonkonstruktion der Bergstation und ihrer Verankerungen im Berg erforderlich machte. Um das Bauprogramm einhalten zu können, wurde drei Monate lang zweischichtig gearbeitet. Alle diese Maßnahmen erwiesen sich als zweckmäßig, führten aber zur Erhöhung der Baukosten von den geplanten 24.9 Mio. auf 28,1 Mio. CHF. Eine echte Herausforderung war die Fortsetzung der Montagearbeiten auch während der Wintermonate wie z. B. Die Durchführung des Seilzugs.

Ein hervorragendes Seilbahnsystem
Wie uns Projektleiter Engineering Spezialbahnen von Garaventa Dr. Ing. Andreas Pichler mitteilen konnte, funktioniert die Bahn einwandfrei, und das ganze System benimmt sich genau entsprechend den Erwartungen. Etwa 90 % dieser Technologie wurden in der Schweiz entwickelt und gebaut. Garaventa hat somit ein hervorragendes Bahnsystem entwickelt, das man natürlich künftig gerne auch weiteren Kunden anbieten möchte.

Übrigens, auch von Pendelbahnen mit „klassischen“ geschlossenen Doppelstockkabinen gibt es nicht viele Anlagen. Nach der Premiere des Twinliners im Jahr 1995 in Samnaun (gebaut von Garaventa), kam die japanische Doppelstock-Pendelbahn Shinho (Anzen Sakudo, 1998) und der französische Vanoise Express (Poma, 2003). Somit ist die CabriO-Bahn am Stanserhorn nicht nur die welterste Pendelbahn mit Kabinen mit einem offenen Oberdeck, sondern auch weltweit die vierte Pendelbahn mit Doppelstockkabinen überhaupt.

„Wir sind von unserer neuen Bahn und ihrer einwandfreien Funktion sehr begeistert. Das Interesse an der luftigen Überwindung von 1.139 Höhenmetern zwischen Kälti und Stanserhorn mit einer Geschwindigkeit von fast 30 km/h und der rundum freien Sicht auf die Berge und Seen der Zentralschweiz ist hoch. Wohl das einzige, was wir nicht exakt im voraus planen konnten, ist die beste Organisation der Besucherströme, die sich erst während des Betriebes zeigen kann. Wir haben sogar an ein Platzkartensystem gedacht, was sich jedoch als unnötig erwiesen hat“, teilte uns Jürg Balsiger mit.

Fahrt durch 119 Jahre Seilbahngeschichte
Schon die ursprüngliche Erschließung des Stanserhorns im Jahr 1893 in Form von drei Teilstrecken von Standseilbahnen durch die Bergbahnpioniere Franz Josef Bucher-Durrer und Josef Durrer-Gasser war eine bahnbrechende Leistung. An dieser damals längsten Standseilbahnkette wurden statt den üblichen Zahnstangenbremsen zum ersten Mal in die keilkopfförmigen Laufschienen wirkende Zangenbremsen eingesetzt, die Bucher-Durrer Bremsen. Ein Prinzip, welches in einer modifizierten und hydraulisch geregelten Ausführung auch an den modernen Standseilbahnen zum Einsatz kommt.

Die erste der drei Standseilbahn-Teilstrecken, die Teilstrecke Stans – Kälti wurde in ihrer ursprünglichen Form als Oldtimer-Bahn bis heute erhalten. Die Original-Antriebsscheibe mit 4,0 m Durchmesser und mit Verzahnung aus Hartholz ist von einem modernen elektronisch gesteuerten Seilbahnantrieb angetrieben. Im Jahr 2009 wurden originaltreu auch neue Wagenkasten aus Holz nachgebaut. So können die Gäste am Stanserhorn wie nirgendwo anders die Hi-tech-Bahnen aus den Jahren 1893 und 2012 vergleichen.

Roman Gric

Das Oberdeck der Cabrio-Bahn gewährt freie Rundsicht auf die Berge und Seen. Foto: Stanserhorn Bahnen

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