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Statistik - ein notwendiges Übel?

„Die Statistik ist das richtige Addieren falscher Ziffern.“ Diese Definition von C. M. de Talleyrand scheint im ersten Moment stark übertrieben, enthält jedoch einen Punkt, der im Bereich der Statistik enorm wichtig ist. Stimmen die gelieferten Daten nicht, so ist die daraus erstellte Statistik oftmals schön anzusehen, jedoch nicht wirklich zu gebrauchen. Die Brauchbarkeit einer Statistik steht und fällt mit den dafür gelieferten Daten. Dies gilt natürlich auch für Seilbahnstatistiken. Eine Statistik, welche zumindest in Österreich auf eine lange Tradition zurückblicken kann.

Die älteste im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie aufliegende Statistik,in der Daten über „Drahtseilbahnen“ und „Seilschwebebahnen“ enthalten sind, stammt vom k.-k. Eisenbahnministerium aus dem Jahr 1915 und ist in der„Österreichischen Eisenbahnstatistik für das Jahr 1913 – II. Teil: Kleinbahnen und diesen gleichzuhaltende Bahnen sowie Schleppbahnen“ enthalten. Seit damals wird in Österreich die Seilbahnstatistik – bis auf wenige Ausnahmen –jährlich erstellt. Es änderte sich viel in den Jahren – der Name der Statistik, das Aussehen, der Inhalt. Schienen noch bis in die 1970er Jahre 107 Positionen je Seilbahnanlage in der Statistikauf, so sind es heute nur mehr 33, wobei davon ein Großteil technische Daten von Seilbahnanlagen darstellen.

Diese Entschlackung kam vor allem den Seilbahnunternehmen zugute, da der Aufwand der Recherche stark reduziert wurde. Eine Erleichterung fand jedoch nicht nur hinsichtlich des Datenumfanges statt. Auch die Datenerhebungsart änderte sich. Von den jahrzehntelang dienenden Fragebögen wurde abgegangen. Seit dem Jahr 2000 ist die Abgabe der für dieSeilbahnstatistik der Republik Österreich erforderlichen Daten per Online-Eingabe möglich. Unter Federführung des Fachverbandes der Seilbahnen wurde dazu WEBMARK Seilbahnen entwickelt, das unter anderem die Grundlage einer zentralen Anlagenverwaltung des Bundes dar- und statistische Brancheninformationen bereitstellt.

Das von der Fa. Manova GmbH entwickelte WEBMARK Seilbahnen beinhaltet derzeit alle Seilbahnen Österreichs. Ausgenommen davon ist leider noch ein Teil der Schleppliftanlagen. Möglicherweise wird jedoch diese Lücke inden nächsten Jahren geschlossen werden. Beinhaltete am Anfang WEBMARK Seilbahnen vorerst rein technische Datensowie die in der Seilbahnstatistik aufscheinenden Beförderungszahlen, entwickelte sich WEBMARK Seilbahnen zu einem internetbasierenden Management-Informationssystem, Grundlage ist das Konzept des „Benchmarking“. Dabei werden betriebswirtschaftliche Daten eines Seilbahnunternehmens genausowie Ergebnisse aus Kundenzufriedenheitsbefragungen nicht nur für das eigene Unternehmen analysiert, sondern auch Vergleichswerten aus der Seilbahnbranche gegenüber gestellt. Der Zugangsbereich ist natürlich passwortgeschützt und für andere Teilnehmer nicht ersichtlich.

WEBMARK Seilbahnen beinhaltet außer der Anlagenstatistik mittlerweile vier weitere Module:

- Modul 1: Trendmonitor Der Trendmonitor liefert einen kompakten Einblick in die Entwicklung der laufenden Saison. Die Ergebnisse des Seilbahnunternehmens werden mit jenen der Mitbewerber in Relation gestellt, wodurch die eigene Performance im jeweiligen Monat bzw. im Saisonverlauf rasch und leicht verständlich beurteilt werden kann. Robert Wallner, Sachbearbeiter für Statistik im BMVIT Abteilung SCH 3 – Seilbahnen und Schlepplifte, Radetzkystraße 2, 1030 Wien Internet: www.bmvit.gv.at

- Modul 2: Jahresumfrage In der Jahresumfrage werden betriebswirtschaftliche Daten auf Jahresbasis erhoben und unter anderem in Form einer Bilanz sowie einer Gewinn- und Verlustrechnung dargestellt. Komplexe Zusammenhänge der Daten werden mithilfe automatisch berechneter Kennzahlen auf leicht verständliche und vergleichbare Ergebnisse reduziert.

- Modul 3: Kundenzufriedenheit (SAMON)SAMON ist eine kontinuierliche Kundenzufriedenheitsanalyse, bei der die Gäste mithilfe eines standardisierten Fragebogens vor Ort und online befragt werden. Dadurch werden unter anderem die Struktur und Zufriedenheit der Gäste sowie deren Kaufentscheidungsverhalten ermittelt. Auf Basis der Ergebnisse werden zusätzlich Auswertungen für das strategische Management wie etwa Stärken-Schwächen-Analysen, Zielgruppen-Portfolios oder Best-Practice-Vergleiche zur Verfügung gestellt.

- Modul 4: Scorecard Benchmarking (SCOBE)In SCOBE werden alle zur Verfügung stehenden Ergebnisse der einzelnen Module (Trendmonitor, Jahresumfrage, SAMON) miteinander verknüpft und fließen in eine Gesamtbewertung des Unternehmens ein.

Die gelieferten Daten können jederzeit aktualisiert, abgerufen und als Grundlage für Entscheidungsfindungen im Unternehmensbereich herangezogen werden. Ein Hilfsmittel, das unkompliziert in der Eingabe und effizient in der Auswertung ist. Nähere Informationen dazu gibt es unter „www.manova.at“.

Klar ist, dass eine größere Anzahl an teilnehmenden Unternehmen die Qualität der Statistiken und deren Auswertungen steigert. Eine 100%ige Teilnahme anstatistischen Erhebungen wäre wünschenswert, ist aber illusorisch. Obwohl laut § 104 SeilbG 2003 i.d.g.F. „das Seilbahnunternehmen dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie die für die Seilbahnstatistik notwendigen Angaben rechtzeitig und vollständig zu liefern hat“.

Eine rechtliche Verpflichtung gibt es also zur Bereitstellung der für die Seilbahnstatistik erforderlichen Daten. Wie gut die gelieferten Daten sind, liegt natürlich im Bereich des Seilbahnunternehmens. Leider musste in den letzten Jahren immer häufiger festgestellt werden, dass oftmals nur teilweise oder ungenaue Informationen geliefert werden. Ein Umstand, der oft mit erheblichem Mehraufwand – insbesondere zeitlicher Natur – seitens des Statistikerstellers einhergeht.

Und Zeit ist bekanntlichsehr rar – vor allem, wenn Abgabetermine unaufhörlich näher rücken. Es ist nachvollziehbar, dass ein Datenlieferant nicht sofort nach Erhalt einer Dateneingabeaufforderung bzw. nach Öffnung des Online-Fragebogens seine Pflicht erfüllt, ganz vergessen sollte er sie jedoch auch nicht. Zusätzlich zum Nutzen der gesammelten Seilbahndaten für das Seilbahnunternehmen finden die Statistiken natürlich auch reges Interesse in den dem Seilbahnbereich verbundenen Wirtschaftskreisen.

Die statistischen Erhebungen sind heute Informationsbasis für die Untersuchung der verschiedensten Bereiche bei der Herstellung von Gütern und Dienstleistungen und für die Bewertung voraussehbarer Entwicklungen, die auch für eine gute Planung notwendig sind. Durch Zusammenfassung einzelner nationaler Seilbahnstatistiken kann außerdem ein weltweiter Vergleich des Seilbahnsektors erfolgen und Entwicklungsrichtungen frühzeitig erkannt werden.

Ein Beispiel hierfür, stellt die von der O.I.T.A.F. in Zusammenarbeit mit der ISR erstellte Seilbahnstatistik 2009 dar. Sie beinhaltet statistische Daten der weltweit bestehenden Seilschwebebahnen, Standseilbahnen und Schlepplifte im Berichtszeitraum 2006 bis 2008. Die O.I.T.A.F.-Seilbahnstatistik 2009 ist zum Preis von 64,32 Euro unter „http://www.isr.at/isr_oitaf09_de.cfm“ erhältlich. Die O.I.T.A.F. ist bestrebt, hinkünftig diese Statistik nicht nur im Rahmen der internationalen Seilbahnkongresse zu veröffentlichen, sondern diese Daten so auf den neuesten Stand zu halten, sodass diese alle drei Jahre dem interessierten Kreis zugute kommen können.

Ein Vorhaben, dem vollste Unterstützung gebührt und mit Hilfe der nationalen Behörden sowie natürlich nur in Zusammenarbeit mit den einzelnen Seilbahnunternehmen gemeinsam realisiert werden kann.

Robert WallnerSachbearbeiter für Statistik im BMVIT


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