Economy

Spiele-Trends und Tourismus

Die neuen Trends am Spielwarenmarkt und wie sie das Tourismusverhalten von Familien beeinflussen

Jedes Jahr kommen in Nürnberg die internationalen Spielwarenanbieter zusammen: Bekannte Marken, Spielzeug-Neuheiten, trendige Start-ups, Einkäufer großer Ketten, unabhängige Einzelhändler und viele Medienvertreter machen die Spielwarenmesse® zum wichtigsten Ereignis der Spielwarenbranche. 2015 präsentieren rund 2.800 Aussteller über eine Million Produkte.

Trends und Neuheiten sind die Schrittmacher der Branche. Doch warum werden Trends überhaupt zu Trends und wie wird aus einem bloßen Gummiband ein weltweiter Hype? Und warum kann es für die Tourismusbrache wichtig sein, diese Trends zu kennen? Diesen Fragen gehen wir auf der Spielwarenmesse nach und stellen die aktuellsten Entwicklungen der Spielwarenbranche mit Tourismustrends in Relation. Denn nur wenn Anbieter touristischer Erlebnisse wissen, in welcher Welt Kinder leben, was sie bewegt und mit welchen Trends sie sich beschäftigen, ist es möglich, passende und spannende Erlebnisse für diese Zielgruppe zu schaffen.

Für das Jahr 2015 haben die Trend-Scouts am Spielwarenmarkt drei Trendströmungen ausgemacht: „Little Scientists“, „Express Yourself“ und „Beyond Reality“.

Trend „Little Scientists“

In diese Gruppe fallen Spielwaren, die Kinder mit Naturwissenschaften und Technik vertraut machen und eine erfolgreiche Basis für das spätere (Berufs-)Leben schaffen. Hier geht es darum, naturwissenschaftliche Phänomene auf spielerische Art und Weise zu erleben und zu verstehen. Logisches und analytisches Denken werden gefördert, technische Zusammenhänge werden erkannt. „Little Scientists“ weckt den Forschergeist in jedem Kind. Statt mit Chemiebaukästen zu hantieren, wird Kindern anhand cleverer Spielzeuge die Windenergie erklärt, und sie können eigene Windstromanlagen bauen. Statik wird mit Architekturspielen erklärt und der menschliche Körper mit einem umfassenden 3D-Bauset. Kleine Spinnen-Roboter und ferngesteuerte Haustiere können selbst zusammengebaut und umgebaut werden.

  • Tipps für den Tourismus: Lassen Sie sich von den Wissenschaften begeistern! In der deutschen Studie „BMWi Zukunftsprojekt Kinder- und Jugendtourismus“ aus dem Jahr 2014 liegt „Natur beobachten“ ganz vorne im Ranking der beliebtesten Urlaubsaktivitäten für Kinder jeden Alters. Dies ist eine wunderbare Möglichkeit, das Thema „Natur“ in einer kindgerechten und interessanten Art zu vermitteln und erlebbar zu machen. Inszenieren Sie die Natur als „Forschungslabor“ oder als „Erforschungs-Raum“ und begeistern Sie die Kinder, indem Sie sie zu „Little Scientists“ machen. Kinder – speziell die Zielgruppe der 7- bis 12-Jährigen – lieben es, Wissen zu erlangen. In viele Themen lässt sich Wissensvermittlung einbauen: Berge, Skifahren, Seilbahnen, Tiere, Pflanzen ... Die ganze Familie kann sich so der Forscherleidenschaft hingeben.

Trend „Express Yourself“

Dahinter stehen Produkte, die bei Kindern und Erwachsenen die kreative Veranlagung zur individuellen Selbstverwirklichung wecken. Die Kreativität ihrer Kinder zu fördern, steht für Eltern immer mehr im Mittelpunkt. Diesen Trend hat auch die Spielwarenbranche erkannt und setzt verstärkt auf Produkte, die Kindern zur gleichen Zeit ein kreatives Spielerlebnis und das Erstellen von individuellen Produkten ermöglicht. Barbie-Kleidung kann man heutzutage mit Airbrush selbst designen, Piratenschiffe nach dem Zusammenbau selbst anmalen, kreative Mitmachbücher laden dazu ein, mit phantasievollen Aufklebern zu arbeiten, mit denen sich alltägliche Dinge und Umgebungen neu bewerten oder in überraschende Zusammenhänge stellen lassen. Jede Art von kreativem Gestalten ist wieder in, Stricken und Häkeln sind nur zwei weitere Beispiele.

  • Tipps für den Tourismus: Fördern Sie die Kreativität von Kindern und Eltern! Einfache Übersichtspläne und Reiseführer waren gestern, heute folgen Sie dem Trend der Individualisierung. Bieten Sie Kreativ-Workshops, helfen Sie den Kindern, eigene Ideen zu verwirklichen, fragen Sie sie nach ihrer Meinung und hören Sie zu. Etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen, ist ein wunderbares Erlebnis für Jung und Alt.

Trend „Beyond Reality“

Neue Trends der Unterhaltungs- und Elektronikindustrie halten Einzug in die Spielwarenbranche. So werden zweidimensionale Zeichnungen plötzlich mit 3D-Druckern fürs Kinderzimmer zu dreidimensionalen Objekten erweckt. Bekleidung und Accessoires erhalten völlig neue Funktionen durch technische Elemente, und Spielwaren können allein durch Gesten gesteuert werden. Durch elektronische und virtuelle Funktionen lassen Spielwaren, Accessoires oder 3D-Drucker eine ganz neue Realität entstehen. Durch Zusatzprodukte für Smartphones in Interaktion mit Apps (Appcessories) können Spiele gesteuert werden, QR-Codes in der realen Welt lassen Tiere und Landschaften entstehen, die Teil des Spiels sind. Mit dem Smartphone oder Tablet-PC werden Auto, Hubschrauber & Co gesteuert, Kinderbücher werden durch eine zusätzliche App zu einem interaktiven Erlebnis. Längst hat dieser Trend der „augmented reality“ in den Kinderzimmern Einzug gehalten und alles wird interaktiv durch Internet oder App ergänzt. Selbst das gute alte Puzzle wird durch eine App lebendig.

  • Tipps für den Tourismus: Apps gehören zum Kinderleben einfach dazu. Wenn Sie eine Informations-App für Eltern planen, denken Sie Kinderinteressen mit. Unterstützen Sie so auch die anderen beiden Trends, denn mit Apps & Co kann Wissens- und Kreativitätsvermittlung wunderbar gestaltet werden. Machen Sie interaktive Spiele zum Teil Ihrer Inszenierung und begeistern Sie Kinder und Eltern mit kleinen Wissenshäppchen und Rätseln zur Kreativitätsförderung.

Mehr Informationen zu den Trends am Spielwarenmarkt:
www.spielwarenmesse.de, www.kidsandfunconsulting.com

Ursula Weixlbaumer-Norz

Mag. Ursula Weixlbaumer-Norz, Expertin für Kinder- und Familienmarketing kids&funconsulting. Foto: Beigestellt

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