Recht

Sperre von Pisten für Pistengeher ist möglich!

Zu Beginn der vergangenen Wintersaison hat sich – insbesondere auf Grund der geringen Schneelage – das Phänomen der Tourengeher auf Pisten deutlich verstärkt und gab es daher zahlreiche Konflikte. Dieser Artikel beschreibt aus rechtlicher Sicht die Möglichkeiten des Pistenhalters damit umzugehen.

von: Christoph Haidlen

Definition und Ausgangslage

Vor allem zu Winterbeginn waren „Tourengeher“ ein brisantes und aktuelles Thema und haben zahlreiche Schwierigkeiten verursacht (siehe z.  B. auch den Kommentar von Dr. Helmut Lamprecht in ISR 2/2016). Allerdings ist der dazu von den Medien in der Diskussion verwendete Begriff falsch. Gibt man z.  B. in Wikipedia den Begriff „Skitouren“ ein, erhält man folgende Definition:
„Unter Skibergsteigen oder Skitourengehen versteht man das Besteigen von Bergen auf Skiern und die Talfahrt abseits präparierter Skipisten in idealerweise unverspurtem Gelände.“

Daher ist das Aufsteigen auf Pisten nicht als „Tourengehen“ zu bezeichnen, sondern als „Pistengehen“, weil es eben nicht im freien Gelände erfolgt. Pistengeher bewegen sich auf präparierten Pisten, wo sie – für sich und andere – zahlreiche Gefahren verursachen, die von Tourengehern nicht ausgelöst werden: Sie gehen oft in größeren Gruppen, nebeneinander, queren die Pisten, bilden eine ­Kolonne, behindern andere Pistennutzer. Durch das Aufsteigen während der Präparierung gefährden sie sich selbst, in der Nacht verursachen sie Beschädigungen der dann präparierten Pisten. Im Sinne einer klaren Unterscheidung sollte daher in dieser Diskussion nur noch der Begriff „Pistengeher“ verwendet werden.

Verhältnis Pistennutzer und Pistengeher

In der Rechtsprechung ist anerkannt, dass aufsteigende Pisten­geher keine „atypische Gefahr“ darstellen. Sie bewegen sich zwar gegen die Abfahrtsrichtung, dies aber nur mit einer geringen Geschwindigkeit und sie sind nicht „gefährlicher“, als ein stehender, hockender, liegender etc. Sportler: Ein auf Sicht fahrender Pistennutzer kann jeden Pistengeher leicht erkennen und ihm gut ausweichen. Die Bergbahnen sind daher – außer eventuell in einzelnen „Extremfällen“ – nicht zur Sicherung der abfahrenden Pistennutzer vor den Pistengehern verpflichtet.

Auch die „Beschädigung“ der präparierten Piste durch in der Nacht abfahrende Pistengeher schafft keine „atypische Gefahr“: Während der Nacht anfrierende (Abfahrts-)Spuren sind zwar lästig, können aber von jedem Pistennutzer bei ausreichender Aufmerksamkeit rechtzeitig erkannt werden.

Verhältnis Pistengeher und Bergbahnen

Für seine eigene Sicherheit ist (nur!) der Pistengeher selbst verantwortlich (siehe z.  B. FIS-Regel Nr. 7). Da der Pistengeher keine Liftkarte hat, kann er von den Bergbahnen auch nicht die Einhaltung der (vertraglichen) „Schutz- und Sorgfaltspflichten“ ihm gegenüber fordern. Bergbahnen sind nicht verpflichtet, das Aufsteigen von Pistengehern – untertags oder in der Nacht – zu verhindern.

Pistensperren sind  möglich!

Pistengehern ist es grundsätzlich erlaubt, geöffnete Pisten zum Aufstieg zu nutzen. Allerdings ist der Eigentümer oder Nutzungsberechtigte einer Piste ebenso berechtigt, anderen das Betreten dieser Fläche zu untersagen. Da Bergbahnen über das Recht zur Errichtung und zum Betrieb der Skipiste verfügen, können sie auch gegenüber jedermann eine Sperre der Pisten aussprechen! Dieses Recht besteht auch dann, wenn in einzelnen (Landes-) Gesetzen ein „Betretungsrecht“ existieren sollte.

Falsch sind in diesem Zusammenhang auch Aussagen, wonach das Recht auf Pistentouren ersessen wäre: Die „massenhafte“ Benutzung von Pisten durch Pistengeher – insbesondere in der Nacht – ist noch zu jung, um die Voraussetzung einer Ersitzung zu erfüllen. Außerdem gibt es keine „österreichweite Ersitzung“ von Pistentouren. Sollte sich jemand auf eine Ersitzung berufen, dann müsste er diese für die konkrete Aufstiegsspur, für jeden Berg, für jede Piste gesondert beweisen.

Gerichtliche Entscheidungen, die eine Ersitzung für Pistentouren bestätigen würden, sind nicht bekannt!

www.seilbahnrecht.at

Foto: Die Fotografen für Dr. Haidlen
Dr. Christoph Haidlen, Experte für Seilbahnrecht und Partner von CHG Rechtsanwälte
Foto: Die Fotografen für Dr. Haidlen

Foto: ÖBB/Harald Eisenberger

Die Kooperation „Im Nightjet zum Schnee“ zwischen dem Fachverband der Seilbahnen in der WKO, den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und der…

Weiterlesen
Foto: Pixabay

Der Fachverband der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich steht dem Maßnahmenpaket der österreichischen Bundesregierung zur Eindämmung von…

Weiterlesen
Foto: Leitner ropeways

Leitner ropeways errichtet im serbischen Skigebiet Kopaonik eine neue 10er-Kabinenbahn, die ab der Wintersaison 2020/21 in Betrieb gehen soll.

Weiterlesen
Foto: MCI Planlicht/Spiess

Die Care by Light GmbH hat ein System entwickelt, das mithilfe von UV-C-Licht Keime und Mikroorganismen in Seilbahnkabinen in kürzester Zeit…

Weiterlesen
Foto: Bereitgestellt

Die ISR war mit ihrer russischsprachigen Ausgabe auf der Ski Build Expo 2020 vertreten, einem Teilbereich des Moscow Ski & Board Salons, der im Rahmen…

Weiterlesen
Foto: Hinterramskogler

Insgesamt rechnet die Hinterstoder-Wurzeralm Bergbahnen AG für Hinterstoder, die Wurzeralmbahnen und den Erlebnisberg Wurbauerkogel bis zum Ende der…

Weiterlesen
Foto: Pixabay

Am 1. und 2. Oktober 2020 findet der Kinder- und Familienmarketing-Kongress „Familien begeistern“ im Jufa-Seminarhotel Wien City sowie online statt.

Weiterlesen
Foto: Außenwirtschaftscenter Peking

Vom 5. bis 9. September ging die World Winter Sports (Beijing) Expo 2020 über die Bühne. Mit ihren chinesischen Heften am Stand des österreichischen…

Weiterlesen
Foto: SBS

Mit einer Diplomfeier in Disentis/Graubünden am 4. September 2020 haben 38 Lehrlinge ihre berufliche Grundausbildung abgeschlossen.

Weiterlesen
Foto: Doppelmayr Seilbahnen GmbH

Die zukünftigen Seilbahnexperten absolvieren ihre Berufsausbildung in den Bereichen Stahlbau, Elektrotechnik, Mechatronik, Zerspanungstechnik und…

Weiterlesen
Foto: Vitalpin/Jochum

Die alpine Interessensgemeinschaft Vitalpin erwartet für das Gesamtjahr 2020 drastische Umsatzrückgänge bei den Nächtigungen und fordert…

Weiterlesen
Foto: feratel/shutterstock; Hakinmhan

Mit dem „Gastro-Pass“ hat Feratel ein flexibles Registrierungssystem für Tourismusdestinationen entwickelt, welche die Corona-bedingte…

Weiterlesen
Foto: Österreichischer Skischulverband

Der Österreichische Skischulverband hat zusammen mit der Medizinischen Universität Innsbruck umfassende Handlungsempfehlungen zum Gesundheitsschutz…

Weiterlesen
Foto: Cha gia Jose, 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0)

Österreichs Seilbahnwirtschaft arbeitet derzeit an einem Leitfaden für den Winterbetrieb. Ziel ist es, größtmöglichen Schutz für Mitarbeiter und Gäste…

Weiterlesen
Foto: Marion Halft, CC BY-SA 4.0

Die Talstation der Seilbahn in Rüdesheim am Rhein, Deutschland, wird in drei Stufen bis zum Frühjahr 2023 komplett umgebaut. Das Investitionsvolumen…

Weiterlesen