Seile

Seil-Check aus der Ferne

Magnetinduktive Seilprüfungen an jedem beliebigen Ort der Welt ohne MRT-Experten vor Ort? Pedrics macht es möglich – mit einer Kombination aus berührungsloser Geschwindigkeits- bzw. Längenmessung und einer Fernsteuerfunktion.

Pedrics provides progress verspricht die Homepage des auf die Entwicklung von magnetinduktiven Sensorsystemen spezialisierten Unternehmens, und Geschäftsführer Dipl.-Ing. Gerhard Hinterndorfer hat tatsächlich immer wieder spannende Innovationen in petto: So assistiert bereits seit ein paar Jahren der MiSS-Inspector bei zahlreichen Bahnbetreibern bei der visuellen Seilkontrolle. Ein Messsystem, das mit seiner schnellen, witterungs-, oberflächen- und lichtunabhängigen Arbeitsweise überzeugt. Dieses Gerät nimmt pro Sekunde bis zu 5 m Seil genauestens ins Visier.

Bestimmte äußere Schäden am Seil werden dabei genauso aufgezeigt und in übersichtlichen Diagrammen dargestellt wie innere Drahtbrüche. Nun befindet sich mit dem MiSS-Remote-Inspector ein weiteres Produkt-Highlight aus dem Hause Pedrics in den Startlöchern, und für dieses hat sich das Team rund um Gerhard Hinterndorfer wie üblich ein paar besonders interessante Features ausgedacht – darunter u. a. eine berührungslose Geschwindigkeitsmessung und eine Remote-Funktion. „Das bedeutet, dass man sich über einen VPN-Tunnel via Internet mit dem Messgerät verbinden und Konfigurationsarbeiten – zum Beispiel, dass jeden Dienstag um 10:00 Uhr eine Seilprüfung durchgeführt werden soll – vornehmen kann.

Ist eine Prüfung abgeschlossen, wird das Ergebnis auf einen Server gespielt, auf den Befugte Zugriff haben“, erklärt der Pedrics-Geschäftsführer. Somit lässt sich selbst dann ein detaillierter Überblick über den aktuellen Drahtbruchzustand einholen, wenn kein MRT-Experte vor Ort ist. Eine Option, die allen Interessenten – seien dies jetzt Seilhersteller, akkreditierte Prüfanstalten oder die Errichter bzw. Betreiber der Bahn – ihre Prüfarbeit erheblich erleichtert, vor allem bei urbanen Seilbahnanlagen. „In einer weiteren Ausbaustufe sind Zusatzfeatures geplant, wie die Erweiterung der Messelektronik um eine Dauerprüfung, um beispielsweise Seilumläufe zu zählen oder eine Bezugslängenbewertung in Echtzeit umzusetzen. Dabei funktioniert die Längenmessung des Seildurchlaufs bei unserem System ebenfalls berührungslos, und zwar in Form einer Oberflächenabtastung des Seiles.

Wir verwenden dazu einen Detektor, der die metallische Berg-Tal-Charakteristik der Seil-Geometrie abtastet und in ein Längen- bzw. Geschwindigkeitssignal umwandelt“, verrät Gerhard Hinterndorfer.

Wirklichkeitsnahe Vision

Alles in allem verfolgen der Pedrics-Geschäftsführer und sein Team eine ganz klare Vision: Dass irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft mit jeder neuen Bahn ein fix installiertes Seilprüfgerät mitgeliefert wird. Eine Vorstellung, die von den Alpendorf Bergbahnen in St. Johann im Pongau bereits jetzt tatkräftige Unterstützung erfährt. Denn für das 1. Quartal 2016 ist der Start einer rund einjährigen Testphase geplant – mit einer fix montierten MRT- Demo-Anlage, die vollkommen ­auto­nom in Aktion tritt, sobald die Bahn in Betrieb ist. Wobei von der Ferne aus über das Internet konfigurierbar sein wird, wann die Prüf­daten zu speichern und für den ­österreichischen Seilmeldebogen gemäß DSB 80 und/oder EN12927-7 aufzubereiten sind.

„Für uns bleibt dann nur noch die Spleißkontrolle; den Rest der per Norm geforderten monatlichen visuellen Seilprüfung checkt Pedrics mit seinem neuen Messsystem“, freut sich der Betriebsleiter der Alpendorf Bergbahnen, Siegfried Gruber, über die künftig zu erwartende Zeitersparnis bei der Seilüberprüfung. Noch dazu, wo die 6er-EUB Alpendorf Sommer wie Winter Saison hat. „Ich bin überzeugt davon, dass über kurz oder lang jede neu gebaute Bahn mit einem autonom laufenden Seilprüfgerät ausgestattet sein wird. Wir glauben an diese Technologie. Deshalb wollen wir ihr mit einer Testinstallation auf den Weg helfen“, verrät Wolfgang Hettegger, Geschäftsführer der Alpendorf Bergbahnen, warum er sofort „Ja!“ sagte, als Pedrics nach einem Projektpartner für einen Probebetrieb des teilweise noch in Entwicklung befindlichen MiSS-Remote-Inspectors Ausschau hielt.

Bereit für den Remote-Faktor

Fakt ist: Die MiSS-Inspectoren von Pedrics sind bestens gewappnet für die Zukunft. Hardwaretechnisch wurden die Weichen in Richtung Fernbedienbarkeit schon gestellt, auf der Software-Seite gibt es noch ein paar Kleinigkeiten nachzujustieren: „Die Aufzeichnungssoftware, die derzeit noch am Mess-PC abläuft, muss für die Remote-Funktionalität erweitert und in die Mess­elektronik selbst verschoben werden“, erklärt Gerhard Hinterndorfer. Die tatsächliche Marktreife des magnetinduktiv Seil prüfenden MiSS-Remote-Inspectors erwartet er für Anfang 2017.

Vorher wird gemeinsam mit ausgewählten Projektpartnern getestet, analysiert und optimiert. So entpuppte sich beispielsweise eine erste Testinstallation bei den Gletscherbahnen Kaprun als perfekte Generalprobe für den Ausbau der herkömmlichen MiSS-Seilprüfgeräte in Richtung Fernbedienbarkeit. Hier wurde die bestehende Messelektronik nämlich schon über einen VPN-Kanal ansprechbar gemacht. „Betriebsleiter Ing. Alexander Widauer und Helmut Leitner von den Gletscherbahnen Kaprun setzten ihren MiSS-Inspector wie gehabt händisch auf das Seil des Gletscherjet 1, verbanden die Messelektronik mit dem Firmennetzwerk und waren somit bereit für die Prüfung. Diese wurde dann seitens der am Mess-PC installierten und ebenfalls ans Internet angebundenen MiSS-Inspector- Aufzeichnungssoftware gestartet und erfolgreich durchgeführt“, beschreibt Gerhard Hinterndorfer. Für ihn ist der 31. Oktober 2015 somit ein wegweisendes Datum in der Entwicklungsgeschichte des MiSS-Remote-Inspectors: An diesem Tag wurde der normgerechte visuelle Prüfvorgang für ein rund 110 t schweres und 10.500 m langes Seil von 52 mm Durchmesser erstmals über die  Ferne aufgezeichnet.

Im zweiten Schritt wird die Remote-Funktionalität dann mit einem fix in der Anlage montierten MRT-Sensor mit bestehender Messelektronik hergestellt werden, die wie bei der Prüfung in Kaprun ohne zusätzlichen PC dazwischen über das Internet erreichbar ist. Und spätestens 2017 sollen dann wirklich sämtliche Visionen des Pedrics-Teams hinsichtlich der Funktionalität des MiSS-Remote-Inspectors verwirklicht sein. Für zusätzliche Anregungen oder Wünsche bleiben die ­Ohren aber dennoch immer offen. Schließlich wird die Bereitschaft auf individuelle Problemstellungen der Kunden einzugehen nicht nur auf der Homepage von Pedrics, sondern auch im gelebten Produktentwicklungsalltag des Mess­elek­tronik-Spezialisten groß geschrieben. 

Sie alle glauben fest an eine Seilbahn-Zukunft mit fix installierten Seilprüfgeräten (v. li. n.re.): Siegfried Gruber (BL Alpendorf BB), Gerhard Hinterndorfer (GF Pedrics), Wolfgang Hettegger (GF Alpendorf BB), Gerhard Kaswurm (BL Alpendorf BB)

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