Sommer am Berg

Der Sommer bringt’s!

„Der Winter wird rauer und härter!“ Diese viel zitierte Phrase gilt in besonderem Maße für die Bergbahnen im Alpenraum. Sie erwirtschaften in der Regel rund 80 % bis 95 % ihrer Wertschöpfung in den Wintermonaten.

In Anbetracht stagnierender bzw. rückläufiger Erstzutritte, steigender Qualitätsansprüche der Gäste sowie der stark gestiegenen Gästemobilität findet ein massives Wettrüsten bei zunehmendem Verdrängungs- und Preiswettbewerb in der Bergbahnbranche quer über den gesamten Alpenraum statt. Den stagnierenden Winterumsätzen stehen steigende Aufwendungen – insbesondere Mitarbeiter-, Energie- und Fremdkapitalkosten – gegenüber, die erheblich auf die Ertragslage drücken. Neben dem hohen Anteil an Fixkosten geraten Bergbahnen durch den hohen Kapitaldienst, den es als Folge der massiven Investitionstätigkeit zu bedienen gilt, zunehmend unter Druck.

Die teuren Kapazitäten müssen besser ausgelastet werden. In Anbetracht der besonderen Kostenstruktur (sehr hohe Fixkosten, relativ geringe variable Kosten) wären die „Grenzkosten“ zusätzlicher Erstzutritte sehr niedrig und der „Grenznutzen“ entsprechend hoch. Anders ausgedrückt: Jeder zusätzlich generierte Umsatz ist mit einem überproportional hohen Deckungsbeitrag verbunden.

Zusätzliches Wachstum im Winter ist in Anbetracht des zunehmenden Verdrängungswettbewerbes, der unsicheren Entwicklung des Skifahrermarktes (Demographie, Klimaerwärmung etc.) und der zunehmenden naturschutzrechtlichen Restriktionen nur sehr schwer möglich. Großes Wachstumspotential wird im sich langsam wieder erholenden Sommertourismus gesehen.

Der Sommer wurde von den Bergbahnen nicht zuletzt aufgrund der schnellen Erfolge im Wintertourismus häufig vernachlässigt. Die Investitionen konzentrierten sich im Wesentlichen auf den Ausbau der Winterinfrastruktur, um gegen die aufrüstenden Mitbewerber bestehen zu können. Der Bergsommer verlor zunehmend an Reiz und Sex-Appeal und litt bis vor kurzem an seinem alten, verstaubten und wenig trendigen Image.

Naturkatastrophen, Epidemien, Krieg und Terror in Konkurrenzdestinationen, verbunden mit dem zunehmenden Bedürfnis der Gäste nach Ruhe, Natur, Bewegung und Qualität, führten besonders in den letzten Jahren zu einer Wiederentdeckung des Alpenraumes als reizvolle Alternative für den Sommerlaub. Der Gast besinnt sich zunehmend zurück auf alte Werte – wie z. B. saubere Luft, klares Wasser, freundliche und vertraute Menschen –, die bereits in der Nachkriegszeit Heerscharen an Sommerfrischlern in den Alpenraum lockte.

Immer mehr Bergbahnen erkennen die sich aus der „Renaissance des Alpenraumes“ ergebenden Chancen und versuchen durch die Schaffung verschiedenster Attraktionen und Erlebnisangebote (z. B. Wander- und Themenwege, Kletter- und Hochseilgärten, Spielparks, Rodelbahnen, Biketrails, Aussichtsplattformen) den Gast auf den Berg zu locken. Doch der Sommergast ist tiefsinniger und erfahrener geworden. Einfache, aneinander gereihte Attraktionen ohne erkennbare durchgängige „Story-Line“ oder austauschbare Einrichtungen ohne Standortbezug reichen heute nicht mehr aus, um die Gäste zu begeistern und eine positive emotionale Betroffenheit bei ihm auszulösen.

Es sind Innovatoren, Querdenker und Musterbrecher gefragt, die mit viel Kreativität und Umsetzungswillen innovative und einzigartige Bergerlebnisse schaffen, die den Gast fesseln und berühren, positive Emotionen auslösen und nachhaltig in Erinnerung bleiben. Die Realisierung solcher herausragender Erlebnisangebote muss nicht zwingend mit aufwendigen Investitionen und hohem Kapitaleinsatz einhergehen. Es geht nicht so sehr um kapitalintensive „Hardware“, sondern viel mehr um kreative und außergewöhnliche Ideen zur Verführung der Gäste und Faszination der Sinne. Untersuchungen belegen, dass derart begeisterte und faszinierte Gäste deutlich weniger preissensibel sind als der klassische Skigast.

Das Söller „Hexenwasser“, das vor kurzem sein zehnjähriges Jubiläum gefeiert hat, ist ein hervorragendes Beispiel, wie in einer einmaligen Pionierleistung mit einem stimmigen Konzept zur ganzheitlichen Ansprache der Sinne der alpine Sommertourismus in Schwung gebracht werden konnte. Die in den letzten Jahren für Errichtung, Erweiterung und Instandhaltung dieser außergewöhnlichen Attraktion investierten 1,8 Mio. Euro erscheinen in Anbetracht des hohen Kapitaleinsatzes für die Winterinfrastruktur als vergleichsweise gering – besonders dann, wenn die damit verbundene Image- und Impulswirkung berücksichtigt wird.

Auch die erst kürzlich eröffnete Gipfelwelt 3000 am Kitzsteinhorn ist ein überaus gelungenes Beispiel, wie Gäste durch eine geschickte Aneinanderreihung von spannenden, faszinierenden und spektakulären Erlebnisangeboten (Nationalpark Gallery, Cinema 3000, Panorama-Plattform) auf den Gletscher gelockt und, oben angekommen, zum Verweilen und damit einhergehenden Zusatzkonsumationen (Gastronomie, Merchandising) animiert werden können.

Derart hoch attraktive, stimmige und faszinierende Erlebnisangebote leisten einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung/Optimierung der Wirtschaftlichkeit von Bergbahnen, insbesondere in den schwächeren Sommermonaten. Gleichzeitig tragen diese Attraktionen nicht unerheblich zur Imagewirkung einer gesamten Region bei und setzen wichtige Impulse für ein trendiges, reizvolles und verführerisches Sommerangebot. Dennoch können sie nur ein Teil eines gesamten Maßnahmenbündels in der Region zur Wiederentdeckung/Wiederbelebung des vielerorts stiefmütterlich vernachlässigten Sommertourismus sein.

MMag. Markus Zwölfer

Foto: beigestellt

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