Eröffnungsfeier am 11. Dezember 2015 vor dem neuen Seilbahncenter in Nauders
New ropeways

Das „Wunder“ von Nauders

Trotz eines Vollbrandes im neuen Seilbahncenter in Nauders am 21. Oktober 2015, das neben der Talstation der Bergkastelbahn ein Bistro, ein großes Skidepot und ein Sportgeschäft enthält, konnte die Bahn plangemäß am 11. Dezember den Winterbetrieb aufnehmen.

von: Josef Nejez

Im Rahmen der feierlichen Eröffnung des Seilbahncenters Nauders am 11. Dezember 2015 schilderte Mag. Heinz Pfeifer, Geschäftsführer der Bergbahnen Nauders, den zeitlichen Ablauf des Projektes, das zum neuen Aushängeschild des Skigebietes werden sollte und schließlich auch trotz des verheerenden Rückschlages durch ein Brandereignis wie durch ein Wunder rechtzeitig zu Ende geführt werden konnte.

2014 wurde das Projekt in Angriff genommen und in einer sehr anspruchsvollen architektonischen Planung ein gänzlich neues Konzept umgesetzt. Anfang 2015 konnten die seilbahn- und gewerberechtlichen Genehmigungsverfahren positiv abgeschlossen werden. Unmittelbar nach dem Ende der Wintersaison 2014/15 wurde mit den Bauarbeiten begonnen, jedoch so, dass der Sommerbetrieb ungestört durchgeführt werden konnte. Der Bau verlief planungsgemäß, vorgesehen war der Abschluss der Bauarbeiten für den Zeitraum Mitte Oktober bis Anfang November.

Vollbrand der Talstation

Dann kam der 21. Oktober. Im Dachgeschoße entstand ein Brand, der sich rasch ausbreitete und die Talstation praktisch bis auf die Grundmauern niederbrannte. Vielleicht gerade weil die ganze Region dadurch unter Schock stand, wurde sofort der Entschluss gefasst, das nahezu unmöglich scheinende ins Auge zu fassen und den Termin 10. Dezember für die Erteilung der Betriebsbewilligung zu halten. Es ging dabei um nichts weniger als um die Zukunft des Tourismus in Nauders, denn ein Ausfall der Wintersaison hätte sich katastrophal ausgewirkt. 

Wiederaufbau der  Talstation

Die erste Woche nach dem Brand war der Schadensfeststellung und Beseitigung der beschädigten Teile gewidmet, insbesondere der gesamten Seilbahntechnik im Obergeschoß. Es folgte die Besprechung mit allen Firmen, in der die terminliche Planung für den Wiederaufbau der Talstation festgelegt wurde. Glücklicherweise war der finanzielle Schaden durch eine Versicherung zur Gänze gedeckt. Mit unglaublichem Einsatz aller Beteiligten erschien es machbar, den ursprünglich geplanten Eröffnungstermin zu halten. Die Solidarität der Gemeinde, der Mitarbeiter aller Firmen und der eigenen Belegschaft machte dieses „Wunder“ möglich. Auch die Seilbahnbehörde hat voll kooperiert: Die Betriebsbewilligungsverhandlung wurde für den 10. Dezember angesetzt und von deren Vertretern Mag. Jörg Schröttner, Dipl.-Ing. Dr. Peter Sedivy und Dipl.-Ing. Albert Seiser erfolgreich abgeschlossen.

Ersatz der Seilbahntechnik

Die größte Herausforderung bestand darin, die seilbahn- und elektrotechnischen Einrichtungen der Talstation (Umlenkstation, Baujahr 1990) in extrem kurzer Zeit wieder herzustellen. Glück­licherweise waren Konstruktionspläne einer gleichartigen Doppelmayr-Anlage kurzfristig verfügbar und so konnten die Bauteile – verteilt im In- und Ausland – produziert werden. Auch der Firma Frey Austria gelang es unter Aufbietung all ihrer Ressourcen, die erforderlichen Maßnahmen für die Erneuerung der Elektrotechnik sofort zu starten und zeitgerecht abzuschließen (siehe auch Bericht S. 30). Weiters war nicht selbstverständlich, dass rechtzeitig von Teufelberger ein neues Förderseil hergestellt werden konnte. Das alte Seil war zufolge der Brandeinwirkung gerissen und 18 Kabinen lagen am Boden. Zum Glück wurde beim Absturz der Kabinen durch die dämpfende Wirkung des Förderseiles nur eine Kabine so schwer beschädigt, dass sie durch eine vorhandene Reservekabine ersetzt werden musste. 

Stationsarchitektur

Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung erklärte der als Baukoordinator tätige Dipl.-Ing. Karl Stecher die Planungsvision für das neue Talstationsgebäude: „Das Seilbahncenter ist ein Projekt mit Weitblick und Mut zur neuen Architektur. Ein Projekt, das das Ortsbild in Nauders völlig neu prägt und ein Anziehungspunkt sowohl für die Blicke als auch für die Menschen werden soll. Die Pflege der Gemeinschaft soll gefördert und die Qualität der Marke Nauders untermauert werden. Zentraler Gedanke der kraftvollen Architektur ist es, diese Werte und gut funktionierenden Abläufe mit einer einzigartigen Erscheinung zu kombinieren. Alt-, Neu- und Zubauten sollten zu einer attraktiven Einheit geformt werden, Dach- und Fassadenflächen ineinander verschmelzen und so die Dynamik des Wintersports repräsentieren. Ebenso sollte das homogene Erscheinungsbild des Seilbahncenters eine abstrakte Anlehnung an die faszinierende und spektakuläre Bergwelt in der Nauderer Region darstellen. Ein sicherlich architektonisch gelungenes Werk!“

Würdigung durch den Landeshauptmann

Landeshauptmann Günther Platter würdigte die außerordentliche Leistung aller Beteiligten nach dem Brand und den Zusammenhalt in der Bevölkerung von Nauders bei der Bewältigung des Brandschadens, der zum Ausfall der Wintersaison hätte führen können. Einmal mehr betonte er die Bedeutung des Wintertourismus für den Wirtschaftsstandort Tirol, für die Bevölkerung der Bergtäler und vergaß nicht auf die Unverzichtbarkeit der technischen Schneeerzeugung und auf die Notwendigkeit hinzuweisen, die heimischen Kinder für den Schneesport zu begeistern. 

Mit dem Durchschneiden des rot-weiß-roten Bandes vor dem Eingang des Seilbahncenters wurde die offizielle Eröffnungsfeier beendet, und die Gäste hatten die Möglichkeit zur Besichtigung aller neuen Einrichtungen und zu einer Gratisfahrt mit der Bergkastelbahn.

Fotos: J. Nejez

Die seilbahntechnischen Einrichtungen der Talstation mussten nach dem Brand zur Gänze neu produziert werden.
Gute Laune beim Landeshauptmann und bei den drei Geschäftsführern der Bergbahnen Nauders (v. li. n. re.): Manfred Wolf, Bürgermeister Robert Mair, Landeshauptmann Günther Platter und Mag. Heinz Pfeifer
Landeshauptmann Günther Platter ließ es sich nicht nehmen, mit der Blasmusikkapelle am Bassflügelhorn mitzuspielen.

(Foto: Schilthornbahnen AG)

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