Law

Beschneiung und Pistenbetriebs

Trotz der derzeit dafür noch zu hohen Temperaturen hier – auf Grundlage gerichtliche Entscheidungen – kurz die Rechtslage zur Zulässigkeit einer Beschneiung während des laufenden Pistenbetriebes.

Unterschiedliche Schneekonsistenz

Eine Skifahrerin stürzt, als während der Betriebszeiten des Skigebietes die Beschneiung durchgeführt wird und klagte das Seilbahnunternehmen. Dies mit der Begründung, dass die Änderung der Pistenverhältnisse im Übergang von Naturschnee zu künstlichem Schnee unterwartet aufgetreten sei, sie habe damit nicht rechnen müssen. Die Schneekonsistenz im Bereich der Beschneiung sei viel härter als der Naturschnee. Aus diesem Grund sei sie bei der Einfahrt in den Naturschnee überraschend abgestoppt worden. Außerdem sei die Sicht durch den Auswurf der Schneekanonen beeinträchtigt gewesen. Daher hätte das Seilbahnunternehmen ihr plötzliches Abstoppen durch die geänderten Pistenverhältnisse zu verantworten und sie für ihre Schäden haftbar: Durch die Beschneiung während des Pistenbetriebes sei eine „atypische Gefahr“ geschaffen worden.

Beschilderung

Das Seilbahnunternehmen hat im gesamten Skigebiet durch zahlreiche Hinweistafeln auf die Beschneiung (auch während des Pistenbetriebs) hingewiesen. Diese Hinweise wurden von der Skifahrerin nicht beachtet. Diese Tatsache ist ihr – so das Gericht – selbst vorzuwerfen.

Das Gericht folgte den Argumenten des (vom Autor dieses Artikels vertretenen) Seilbahnunternehmens und hat diese Klage abgewiesen. Es hat dabei anerkannt, dass es richtig ist, dass durch den Kunstschnee eine Veränderung der Pistenbeschaffenheit eintritt und dass die Skifahrerin durch den Kunstschnee abgebremst wurde. Die – durch die Beschilderung angekündigte – Beschneiung während des Pistenbetriebes sei allerdings keine „atypische Gefahr“ und jeder Wintersportler müsse damit rechnen.

Eigenverantwortung des Wintersportlers

In einem weiteren Fall stützte eine Skifahrerin ihre Klage auch auf die Behauptung, durch die Beschneiung wäre eine „atypische Gefahr“ geschaffen worden: Der Schneistrahl der Schneekanonen hätte die gesamte Pistenbreite abgedeckt, so dass sie diesem nicht ausweichen konnte. Der Kunstschnee sei sehr „stumpf“ und „matschig“ gewesen, deshalb sei sie zu Sturz gekommen. Das Seilbahnunternehmen hätte gegen seine Sorgfaltspflichten verstoßen, da es zugelassen habe, dass sich dieser – künstlich hergestellte – stumpfe Schnee auf der Piste befindet.

Auch in diesem Verfahren hat das Gericht die Klage abgewiesen. Es hat dabei festgehalten, dass jeder Wintersportler selbst für seine Sicherheit verantwortlich ist. Daher muss er sein Fahrverhalten immer an die gegebenen Umstände anpassen, um Unfälle zu vermeiden. Das Gericht bestätigt zwar, dass der Kunstschnee feuchter und stumpfer sei als Naturschnee. Es weist allerdings auch darauf hin, dass dieser Unterschied auch bei verschiedenen Arten von Naturschnee vorkomme und daher üblich sei. In diesem Urteil wurde auch festgehalten, dass jedem Wintersportler bekannt sei (bzw. bekannt sein müsse), dass Kunstschnee eine andere Konsistenz aufweise, als Naturschnee. Sich darauf einzustellen sei die Pflicht des Wintersportlers.

Schlussfolgerung

Es steht daher fest, dass durch die Beschneiung während des Pistenbetriebes keine besondere („atypische“) Gefahr geschaffen wird, die zu einer Haftung führen kann. Die künstliche Beschneiung ist mittlerweile Standard, und jeder Wintersportler muss sich darauf einstellen. Vor allem muss den Wintersportlern bewusst sein, dass es bei der Beschneiung zu unterschiedlichen Schneebeschaffenheiten auf der Piste kommt. Diese Tatsache kann einem Seilbahnunternehmen nicht als (haftungsauslösendes) Versäumnis vorgeworfen werden.

Die Beschneiung während des Pistenbetriebes ist also zulässig!

Dr. Christoph Haidlen
www.seilbahnrecht.at

 

Dr. Christoph Haidlen, Experte für Seilbahnrecht und Partner von CHG Rechtsanwälte, Foto: Die Fotografen für Dr. Haidlen

Foto: Kässbohrer Geländefahrzeug AG

Kässbohrer-Urgestein Valter Tura wird im April 2020 von Florian Profanter, Leiter der Pro Academy, abgelöst. Am 31. März endet somit seine 30-jährige…

Weiterlesen
Foto: MOUNT MEL

Die neue Situation benötigt Adaption aber auch kompetente und konsequente Vorbereitung bereits jetzt für die Zukunft!

Weiterlesen
Foto: C. Mantona

Nach intensiver Prüfung mehrerer Szenarien und in Abstimmung mit den wichtigsten Partnern und Ausstellern hat der Verwaltungsrat der Messe Bozen AG…

Weiterlesen
Fotocredit: C. Mantona

Die diesjährige National Convention & Tradeshow, die vom 4. bis 7. Mai auf Amelia Island, Florida (U.S.A.), abgehalten werden sollte, findet nicht…

Weiterlesen

Thomas Hunziker, Leiter Marketing und Verkauf sowie Mitglied der Geschäftsleitung der Garaventa AG, übernimmt ab 6. April 2020 als CEO die Führung der…

Weiterlesen

Die Organisatoren von MOUNTAIN PLANET, eine der weltweit führenden Fachmessen für Bergplanung und Industrie, haben beschlossen, die Ausgabe 2020, die…

Weiterlesen

Seit 7. Dezember 2019 ist die neue Falginjochbahn am Kaunertaler Gletscher nach etwas weniger als sechs Monaten Bauzeit offiziell in Betrieb. Die…

Weiterlesen

100% TechnoAlpin-Schnee bei den Olympischen Winterspielen 2022! Dank der engen Zusammenarbeit zwischen dem Hauptsitz in Bozen und der Niederlassung in…

Weiterlesen

Seilbahnen sorgen für Mobilität, Mobilität sorgt für Lebensqualität. Diesem Gedanken widmet sich ein Artikel in der Kundenzeitschrift "WIR" von…

Weiterlesen

LEITNER ropeways realisiert Projekt am Drehort der Kinotrilogie „Herr der Ringe“

 

Weiterlesen

Der Direct Drive von Bartholet stellt eine Technologie mit vielen Vorteilen dar, um Ökonomie und Ökologie in Einklang zu bringen. Er unterscheidet…

Weiterlesen

Der Seilbahnhersteller aus Vorarlberg mit seiner Schweizer Niederlassung in Glarus realisierte innerhalb von acht Monaten zwei neue, elegante…

Weiterlesen

2018-China

Weiterlesen