Wirtschaft

Seilbahnen – zentral für die Entwicklung der Regionen

Peter Schöttl, Präsident des Verbands Deutscher Seilbahnen e. V. (VDS), beantwortet Fragen zum Thema Wertschöpfung durch Seilbahnen.

ISR: Herr Schöttl, eine neue Studie zeigt die wichtige Bedeutung der Seilbahnen für die Regionen. Wie lässt sich deren grundlegende Aussage zusammenfassen?

Peter Schöttl: Die Grundlagenuntersuchung 2015 des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr e. V. an der Universität München (dwif e. V.) befasst sich mit den wirtschaftlichen Effekten von Seilbahnen – sowohl in der Sommer- als auch in der Wintersaison. Es zeigt sich, dass Seilbahnen insbesondere in strukturschwachen ländlichen Gebieten einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung leisten.

ISR: Wie sieht dieser Beitrag genau aus?

Peter Schöttl: Touristisch geprägte Regionen profitieren direkt von den Seilbahnen und ihren Gästen. Denn bei vielen Seilbahn-Nutzern ist die Seilbahn ein zentrales Entscheidungskriterium für einen Urlaubsort oder ein Ausflugsziel.

ISR: Aber was bedeutet das für die Region?

Peter Schöttl: Der Großteil der Ausgaben entfällt nicht auf die Seilbahnkarte, sondern auf die Folge-Leistungen wie Übernachtungen, Verpflegung und Dienstleistungen. Ein Übernachtungsgast gibt dafür 86 % seines Urlaubsbudgets aus, ein Tagesgast rund 59 %. Die Seilbahnnutzer in Deutschland sorgen so für einen Gesamtumsatz von 740 Mio. Euro jährlich.

Und das ist noch nicht alles: Die Seilbahnen finanzieren aus ihren Einnahmen ja nicht nur die Löhne und Gehälter ihrer Mitarbeiter, sondern auch die bezogenen Sach- und Dienstleistungen von z. B. regionalen Handwerksbetrieben.

ISR: Kann man das konkret in Zahlen belegen?

Peter Schöttl: Ja, das kann man. Die Seilbahnen befördern im Jahr in etwa 10 Mio. Gäste und erwirtschaften einen Bruttoumsatz von rund 740 Mio. Euro. Auf die Verpflegung in der Gastronomie entfallen ca. 22 %, also 160 Mio. Euro, auf sonstige Dienstleistungen, z. B. Wellness, Kultur und Unterhaltung 14 %, also 106 Mio. Euro, und auf Einkäufe 11 %, also 83 Mio. Euro.

ISR: Sind Seilbahnen dadurch also wichtige Arbeitgeber in der Region?

Peter Schöttl: Als Arbeitgeber sichern Seilbahnen die Beschäftigungssituation in der Region. Denn sie schaffen Arbeitsplätze und das nachhaltig. Sie haben, wie bereits erwähnt, eine unmittelbar positive Wirkung auf die Wirtschaft vor Ort. Ein errechneter Multiplikator von 5,1 besagt, dass eine Stelle bei einer Seilbahn 5,1 Arbeitsplätze in der Region bedeutet.

ISR: Und das gilt auch für strukturschwache Regionen?

Peter Schöttl: Besonders in strukturschwachen Gebieten leistet die Seilbahnbranche einen enormen Beitrag – und das ganzjährig: Sie reduziert die Abwanderung und das Pendeln von Arbeitnehmern über weite Distanzen in strukturell stärkere Gebiete.

ISR: Kann man sagen, dass Seilbahnen „in Mode“ sind? Das heißt, ist der Markt wachsend oder zeigt sich ein gegenläufiger Trend?

Peter Schöttl: Man kann ganz klar von einem äußerst positiven Trend sprechen. In diesem Jahr verbuchen die Seilbahnen einen Rekordsommer. Rund 5 Mio. Gäste haben deutschlandweit das Transportmittel Seilbahn gewählt. Die hohen Temperaturen haben viele Menschen auf die Berge gelockt. Denn mit der Seilbahn konnten die Ausflügler in wenigen Minuten der brütenden Hitze im Tal entfliehen. Auch der Herbst bot ideale Bedingungen zum Wandern.
Und jetzt stehen wir in den Startlöchern für die kommende Wintersaison.

ISR: Vielen Dank für das Gespräch.

Foto: VDS
Peter Schöttl, Präsident des Verbands Deutscher Seilbahnen e. V. (VDS).
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