Sicherheit

DOPPELMAYR

Integrierte Räumung

Im Rahmen der 66. ITTAB in Catania/Sizilien hielt Dipl.-Ing. Michael Mathis, Technischer Direktor der Doppelmayr Seilbahnen GmbH ein vielbeachtetes Referat zum Thema „System zur Räumung der Bahn“, das bei Doppelmayr-Anlagen – soweit möglich – die ­tradi­tio­nellen Bergemethoden ablöst bzw. schon abgelöst hat.

von: Josef Nejez

Michael Mathis ging vom derzeitigen Stand der Tech­nik bei konventionellen Bergemethoden aus. Das sind:

  •     Abseilen aus den Fahrzeugen,
  •     Bergebahn,
  •     Bergung mittels Hubschrauber.

Diese Methoden haben nicht nur wegen der Schwierigkeiten im Zusammenhang mit widrigen Wetterverhältnissen große Nachteile, sondern auch bei der Bergung von Müttern mit kleinen Kindern, alten oder gebrechlichen Personen, Personen im Rollstuhl oder auch von Frauen anderer Religionsgemeinschaften, bei denen schon das Berühren der Frau durch fremde Männer selbst in einem Bergefall unstatthaft ist.

Das Ziel des neuen Systems zur Räumung der Bahn ist es sicherzustellen, dass die Fahrgäste durch technische, organisatorische und betriebliche Maßnahmen jederzeit mit ihren Fahrzeugen in die Stationen zurückgeführt werden können.
Dieses in den letzten Jahren entwickelte System, das der Referent als „integrierte Räumung“ bezeichnet, ist bei folgenden Seilbahnsystemen möglich:

  • 3S-Umlaufbahnen,
  • Pendelbahnen ohne Tragseilbremse,
  • alle Einseil-Umlaufbahnsysteme (Kabinen- und Sesselbahnen).

Als Grundlagen für die Entwicklung und behördliche Genehmigung des Systems der integrierten Räumung dienten

  • die in den relevanten Seilbahnnormen enthaltenen Bestimmungen zur Räumung und Bergung,
  • eine Sicherheitsanalyse, in der das Sicherheitsniveau der integrierten Räumung mit dem einer Bergebahn verglichen wird, bei der das Förder- oder Tragseil als Fahrbahn für das Bergefahrzeug dient,
  • eine Störfallanalyse, die ergab, dass bei 190 dokumentierten Berge­fällen der Jahre 1988 bis 2008 die vorgesehenen Maßnahmen der integrierten Räumung in keinem Fall zu einer Bergung geführt hätten.

Zusatzmaßnahmen

Um den Nachweis einer mindestens gleichen Sicherheit gegenüber konventionellen Bergesystemen zu erbringen, waren für die integrierte Räumung rund 40 zusätzliche Maßnahmen erforderlich. Michael Mathis beschränkte sich auf die Vorstellung der wichtigsten und augenfälligsten Maßnahmen:

  • Einbau eines zweiten Notantriebes (einschließlich des Nachweises der Treibfähigkeit),
  • Notlauflagerungen bei allen Seil­­scheiben,
  • bei Einseilumlaufbahnen Einrichtungen zum Entfernen eines den Stationsumlauf blockierenden Fahrzeuges,
  • bei Einseilumlaufbahnen zwingende Ausrüstung mit dem Seillage-Überwachungssystem RPD (Rope Positioning Detection),
  • bei 3S-Bahnen und Pendelbahnen Briden (Klemmen) an den Tragseilschuhen der Stützen, um Tragseilentgleisungen zu vermeiden.
  • bei 3S-Bahnen und Pendelbahnen Notlaufeigenschaften der Laufwerke auf den Tragseilen im entgleisten Zustand,
  • Sicherstellung der ausreichenden Batterieladung für die Notantriebe,
  • bei Einseilumlaufbahnen Werkzeuge zum Einheben eines teil­entgleisten Förderseiles auf den Stützen, dimensioniert auf den vollbesetzten Seilstrang,
  • Sicherstellung der Erreichbarkeit der Stützen durch das Personal (am Boden oder entlang des Seiles),
  • betriebliche Maßnahmen (z. B. Absperrungen, Freigängigkeitskontrollen),
  • Ersatzteilhaltung für ausgewählte Komponenten.

Zusammenfassung

Abschließend fasste Michael Mathis die augenfälligen Vorteile der integrierten Räumung gegenüber den konventionellen Bergemethoden wie folgt zusammen:

  • Die Fahrgäste können in ihren Fahrzeugen bleiben.
  • Die Fahrgäste werden in die Stationen zurückgebracht.
  • Komplizierte Bergevorgänge sind nicht mehr erforderlich.
  • Keine Risiken durch ungewohntes Handling mit Bergevorgängen.

Die Vorteile seien so bedeutend, dass die Kunden von Doppelmayr bei der Bestellung von großen Anlagen wie 3S- und Pendelbahnen Anlagen ohne integrierte Räumung gar nicht mehr nachfragen.

Diskussion

Da das System der integrierten Räumung bei manchen Vertretern der kleineren Seilbahnländer, die auf der ITTAB vertreten waren, noch nicht sehr bekannt war, kam es zu einer ganzen Reihe von Anfragen an den Referenten, die dieser kompetent beantwortete.

Im Zuge der Diskussion wies Prof. Nejez darauf hin, dass aufgrund des Umstandes, dass die integrierte Räumung nur für Pendelbahnen ohne Tragseilbremse vorgesehen sei, der jahrzehntelange Streit „Tragseilbremse, ja oder nein?“ wohl zum endgültigen „Sieg“ des Pendelbahnsystems ohne Tragseilbremse führen werde. Die Frage lag dann auf der Hand, warum beim Pendelbahnsystem mit Tragseilbremse die integrierte Räumung nicht möglich sei. Die Antwort von Michael Mathis hatte einen technischen und einen eher sicherheitstheoretischen Teil. Ein technisches – wahrscheinlich sogar lösbares – Problem liege darin, dass nach einem Einfall der Tragseilbremse das Öffnen zufolge eines Schadens an der Hydraulik möglicherweise nicht gelingt. Der sicherheitstheoretische Teil sei jedoch nicht lösbar: Während beim Pendelbahnsystem ohne Tragseilbremse der Bestand der Zugseilschleife als gewährleistet gelte, werde beim Pendelbahnsystem mit Tragseilbremse davon ausgegangen, dass diese Bremse unter anderem bei Zugseilriss in Funktion tritt. Es seien keine Maßnahmen bekannt, die diese Funktion bei einer integrierten Räumung ersetzen könnten.

Insgesamt waren sich die meisten Teilnehmer an der 66. ITTAB darüber einig, dass die Zukunft der Bergung beim System der integrierten Räumung liege.

Fotos: J Nejez (2)
Ein zweiter, unabhängiger Notantrieb ist eine der wichtigsten Maßnahmen für die integrierte Räumung. Im Bild der Notantrieb an der Umlenkscheibe in der Talstation der Gaislachkoglbahn II (3S-Bahn), Sölden/Tirol.
Fotos: J Nejez (2)

Foto: Pixabay

Der Fachverband der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich lädt am 14. Dezember 2022 erstmals österreichweit zu einem kostenlosen Schulskitag.…

Weiterlesen
Foto: Berchtesgader Bergbahn – Jennerbahn

Mit einer Pressekonferenz in München startete der Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte (VDS) am 22. November 2022 offiziell in die…

Weiterlesen
Foto: Kässbohrer

Der Aufsichtsrat der Kässbohrer Geländefahrzeug AG hat zwei neue Vorstandsmitglieder bestellt. Dr. Christian Oberwinkler verantwortet ab 1. März 2023…

Weiterlesen
Foto: Steiermark Tourismus / Jesse Streibl

Zuversicht demonstrierten die steirischen Seilbahnen auf der Pressekonferenz zum Auftakt der Wintersaison 2022/23 am 10. November 2022. Die Sehnsucht…

Weiterlesen
Foto: Garaventa

Mit der Eröffnung der neuen Standseilbahn „Rumeli Hisarüstü–Aşiyan Füniküler“ ist eines der wichtigsten Verkehrsprojekte der Stadt Istanbul…

Weiterlesen
Foto: Bernard India

Ein Joint-Venture des Bregenzer Planungsbüros Salzmann Ingenieure mit der Bernard Gruppe aus Hall in Tirol wurde mit der Planung von elf…

Weiterlesen
Foto: Netzwerk Winter / Foto Neumayr

Gleich mehrere Branchen-Veranstaltungen gab es am 10. und 11. November 2022 im Tauernspa in der Tourismusregion Zell am See – Kaprun. Am Rande der…

Weiterlesen
Foto: KTOR, Klima- und Energiefonds Österreich

Der gemeinnützige Verein Smart Community forciert im Projekt „Smart Ski Resort“ den Einsatz erneuerbarer Energien in Skigebieten. Am 25. November 2022…

Weiterlesen
Foto: Ski Juwel Alpbachtal Wildschönau/Grießenböck

Im Jahr 2012 wurden die beiden Skigebiete im Alpbachtal und in der Wildschönau durch eine moderne Kabinenbahn verbunden. Mit dem Ski Juwel Alpbachtal…

Weiterlesen
Foto: Pitztaler Gletscherbahn Gmbh & Co KG

Knapp 8.000 Skibegeisterte haben am Wochenende um den 29. Oktober 2022 beim „Pitztal Glacier Open“ die Skisaison am Pitztaler Gletscher eingeläutet.

Weiterlesen
Foto: Doppelmayr Seilbahnen GmbH

Nach zwei herausfordernden Jahren zieht die Doppelmayr Holding SE eine positive Bilanz über das Geschäftsjahr 2021/22. Der Umsatz stieg im Vergleich…

Weiterlesen
Foto: Doppelmayr

Die Peak Tram ist eine der beliebtesten Touristenattraktionen von Hongkong und befördert pro Jahr mehr als 6 Mio. Fahrgäste. Um Kapazitäts-Engpässe…

Weiterlesen
Foto: Hans-Peter Steiner

Der Rittisberg im obersteirischen Urlaubsort Ramsau ist einer der größten Erlebnisberge im österreichischen Bundesland Steiermark. Mit der offiziellen…

Weiterlesen
Foto: Sörenberg - Yorik Leusink

Ab der Saison 2022/23 bestimmt bei den Bergbahnen Sörenberg in der Zentralschweiz Dynamic Pricing den Preis von Skitickets. Eingerichtet wurde das…

Weiterlesen
Foto: Pitztaler Gletscher

Günther Gold aus Ötztal-Bahnhof in Tirol hat am 22. Oktober 2022 bei einem gelungenen Weltrekord-Versuch auf 3.440 m Seehöhe am Pitztaler Gletscher…

Weiterlesen