Economy

Genug investiert?

Die (Presse-)Bilder ähneln sich. Wie jedes Jahr um diese Zeit schreiben die Seilbahnen, wie viel sie investiert haben ...

Im Gegenzug kommt von den Konsumentenschützern, dass alles viel zu teuer ist und sich ohnehin bald aber wirklich gar keiner mehr Skifahren leisten kann. Heuer lassen auch die Naturfreunde aufhorchen. Skifahren muss gratis sein für Kinder, tönt es aus deren Reihen. Und das sei auch eine Notwendigkeit, denn Studien (zitiert wurde eine von Manova – damit muss ich sie klarerweise ernst nehmen) zeigen, dass es ganz wichtig sei, dass man als Kind mit Wintersport beginnt, und schließlich können sich Familien ja auch absolut gar nichts und jedenfalls kein Skifahren leisten. Interessant wird der Vorschlag zur Finanzierung: Man solle bei den Investitionen sparen – 10 % weniger und schon können die Kinder gratis fahren und die Zukunft ist gesichert. Wer hat nun Recht? Natürlich alle und keiner, aber lassen Sie mich mal etwas philosophieren; und ich bitte um Entschuldigung bei den Pragmatikern.

Investitionen für die Gäste?

Fangen wir nochmals von vorne an und lassen Sie mich die unterschiedlichen Seiten im Sinne einer kritischen Würdigung etwas beleuchten (für Freunde des kritischen Denkens empfehle ich übrigens http://www.criticalthinking.org/; eine der Regeln ist da, unterschiedliche Standpunkte zu betrachten). Ja, die Seilbahnen investieren tatsächlich sehr viel – eine Besonderheit der österreichischen Bahnen; dass die Schweizer Bahnen weniger investieren und so ins Hintertreffen gerieten, war ja gerade medial ein Thema. Warum aber kommunizieren das die Bahnen so gerne? Einerseits dürfte es auch etwas Stolz sein, wie viel man bewegt. Aber es ist auch Kalkül, um zu zeigen, dass man die durch (für die Konsumentenschützer) hohen Preise ja ohnehin den Kunden zurückspielt, da man ja einen sehr hohen Teil wieder investiert: tatsächlich ca. 40 % des Umsatzes im Schnitt. Kommt diese gutgemeinte Botschaft an? Immer weniger, immer mehr denken: „Die haben so viel Geld (kein Wunder!) und wissen gar nicht, wohin damit“. Sitzheizungen polarisieren – jene, die gerade nicht darauf sitzen, nehmen das wohl schon als unvernünftigen Reichen-Größenwahn wahr.

Ohne Innovation geht’s nicht

Sind die Investitionen dennoch sinnvoll? Ja! Kein persönlicher Eindruck, sondern Ergebnis einer Analyse: ohne Investitionen geht’s nicht. Wer im langjährigen Schnitt unter 10 % seines Umsatzes investiert, hat keinen wirtschaftlichen Erfolg. Man muss Neues bieten, in jeder Branche zählt Innovation nachweislich zu den Erfolgsfaktoren. Auch große Unternehmensberatungsorganisationen identifizierten Innovation als einen der Treiber für Erfolg. Vielleicht könnte man sich fragen, ob das nur mit Investitionen geht … jedenfalls aber kann man auch zu viel investieren. Auch da war das Ergebnis eindeutig: Im langjährigen Schnitt sollte der Wert 40 % des Umsatzes nicht übersteigen, 50 % sind definitiv zu viel. Schauen wir nun die Investitionssummen der Branche an, müsste die Botschaft lauten: etwas herunter vom Gas! Und nicht immer so laut dazu brüllen, das nimmt der Empfänger anders wahr.

Nicht mehr leistbar?

Nun kommt der andere Standpunkt ins Spiel: Natürlich müssen Konsumentenschützer sagen, dass Skifahren zu teuer ist. Es ist deren Aufgabe, ist es aber so? Dazu kann man ebenfalls unterschiedlicher Meinung sein. Auf der einen Seite kosten schöne, lustige Dinge immer Geld. Auf der anderen Seite ist das in Summe natürlich auch nicht wenig Geld, und die Zielgruppen werden dünner, die sich das leisten können. Wir leben nun mal in keiner prosperierenden, also wachsenden Zeit. Das ist auch Fakt, nichts daran zu rütteln. Und damit wäre es auch gut, wenn wir (wirklich) günstigere Skigebiete hätten. Wie das gehen soll, könnte man natürlich lange diskutieren.

Lohnt sich gratis?

Dann bleibt noch die Gratisforderung für Kinder. Klingt schon plausibel – Familien haben zunehmend weniger Geld zur Verfügung und Familien sind die wichtigsten Skinachwuchsgeneratoren, und betrachtet man den Life Time Value von Beginnern im Kindesalter (also grob gesprochen: wie viel generieren die in ihrem Leben dann an Umsatz) klingt‘s neben populistisch auch wirtschaftlich reizvoll. Fast nicht zu parieren, wir verzichten auf Sitzheizungen und fördern die Kinder. Eine Annahme steckt allerdings dahinter: Man geht dabei von sehr großer Preissensibilität aus. Heißt, dass deutlich mehr kommen, wenn der Preis niedrig oder eben gratis ist. Ob das wirklich so ist? Ehrlich gesagt: man weiß es nicht, Garantie dafür gibt es aber jedenfalls auch nicht. Die wirklich erfolgreichen Produkte dieser Welt … sind jedenfalls keine Gratisprodukte. Aber man will sie haben. Und darüber lohnt es sich nachzudenken.

Klaus Grabler

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