Mit der „230-ATW Ha Long Queen Cable Car“ in Vietnam bricht Doppelmayr/Garaventa gleich zwei Weltrekorde: Die beiden zweistöckigen Fahrzeuge für jeweils 230 Personen sind weltweit die bisher größten Pendelbahnkabinen. Mit einer Geschwindigkeit von zehn Metern pro Sekunde transportiert die Ha Long Queen Cable Car rund 2.000 Personen pro Stunde. Zwei Stützen – eine davon ist mit 188,88 Metern die höchste Seilbahnstütze der Welt – tragen die Stahlseile.
Foto: Doppelmayr

Interview

„Wir haben die First Class bei Seilbahnen eingeführt“

Im Rahmen ihrer Bilanzpressekonferenz durfte sich die Doppelmayr-Gruppe kürzlich über ein besonders erfolgreiches Geschäftsjahr freuen. Konnte doch der Jahresumsatz im Vergleich zum Vorjahr auf 834 Mio. Euro gesteigert werden, was dem zweithöchsten Umsatz der Firmengeschichte entspricht. Was dazu beigetragen hat, haben die beiden Geschäftsführer Thomas Pichler und Anton Schwendinger exklusiv der ISR verraten.

Nach einem so erfolgreichen Jahr wie 2016 liegt die Latte natürlich hoch. Wie ist denn das noch junge Jahr für Sie angelaufen?

Thomas Pichler: Wir haben in Österreich erfreulicherweise zahlreiche Projekte am Laufen, die Auftragslage für 2017 ist sehr gut und wir haben bereits viele Projekte für 2018. Derzeit hat sich die Schneeknappheit vor Weihnachten nicht wirklich relevant auf die Auftragslage 2017 ausgewirkt, die Saison ist für uns somit ganz gut angelaufen. 

Anton Schwendinger: Auch was unsere internationalen Aufträge betrifft schaut es sehr gut aus. Wir haben beispielsweise in Asien zahlreiche Großaufträge im touristischen Bereich und auch das Geschäft mit unseren Winterseilbahnen prosperiert. Vor allem in Südkorea, wo wir für die Olympischen Winterspiele 2018 zwar bereits einige Anlagen fertiggestellt haben, dort aber noch weitere Arbeit auf uns wartet. 

Wo liegen am asiatischen Markt Ihre Schwerpunkte?

Anton Schwendinger: Wir konzentrieren uns auf Südostasien und dort in erster Linie auf Vietnam und natürlich China, vor allem im Hinblick auf Wintersportanlagen für die Olympischen Spiele 2022. Besonders nachgefragt sind aber auch Anlagen für Aussichtspunkte, also die so genannten POIs (Points of Interest).

Meinen Sie damit in erster Linie touristische Seilbahnen?

Thomas Pichler:  Wir haben unsere Anlagen in drei Bereiche geclustert: Anlagen für den Wintersport, auch wenn sie im Sommer zusätzlich genützt werden. Dann haben wir den Bereich POIs. Das sind die Bahnen auf sogenannte Interessenspunkte wie Bergspitzen, Tempelanlagen oder als prominentes Beispiel die Seilbahn zur chinesischen Mauer. Und dann natürlich die urbanen Seilbahnen mit La Paz als besonders prominentes Beispiel.

Wo sehen Sie derzeit das größte Potenzial für urbane Anlagen?

Anton Schwendinger: Im Markt Südamerika liegt der Schwerpunkt auf urbanen Anwendungen. Der Markt entwickelt sich hier – auch ausgelöst durch die vielen Referenz-Projekte – besonders dynamisch.

Welche Highlights dürfen wir uns 2017 von der Doppelmayr/Garaventa Gruppe erwarten?

Anton Schwendinger: Unsere weltweiten Projekte gelten natürlich jedes für sich als Highlight. Ein für uns zentraler Höhepunkt steht jedoch mit der Übersiedlung der gesamten Verwaltung in ein neues Firmengebäude noch bevor. Zahlreiche positive Rückmeldungen sowohl von unseren Mitarbeitern als auch aus der Bevölkerung in Bezug auf die Architektur zeigen uns, dass es eine gelungene Umsetzung ist. Hier gibt es im Übrigen eine kleine Analogie, die auch zum Teil den Charakter unserer Entstehungsgeschichte widerspiegelt. Ein Schnee­schichtenprofil hat sozusagen für das Erscheinungsbild Pate gestanden, womit die enge Verbundenheit des Unternehmens mit jenem Bereich suggeriert werden soll, in dem es gewachsen ist.

Ein Highlight der besonderen Art wird heuer natürlich auch die Interalpin in Innsbruck sein, wo sich ja wieder die gesamte Branche treffen wird, der wir vor allem unsere neue Produktlinie, die D-Line präsentieren wollen. 

Wie wird denn die D-Line bisher angenommen? Auf welchem Seil­bahnsystem sehen Sie den Schwer­punkt? 

Thomas Pichler: Beim Seilbahnsystem ist das eindeutig die 10er-Kabinenbahn. Und was die D-Line betrifft, freuen wir uns über die zahlreichen Kunden-Rückmeldungen, die von diesem Qualitätssprung für ihre Fahrgäste begeistert sind. Mit der D-Line realisierte die Doppelmayr Gruppe aus meiner Sicht einen wichtigen Meilenstein, da sie damit sozusagen die First Class bei Seilbahnen eingeführt hat. Design und Funktion sämtlicher Bauteile wurden überarbeitet und verbessert, um den Komfort für den Fahrgast und die Seilbahnbetreiber maximal zu steigern. Dass wir im Dezember 2015 als erste D-Line die Kirchenkarbahn in Hochgurgl realisiert haben, war für uns ein Selbstverständnis, da uns der Heimmarkt natürlich ganz besonders am Herzen liegt. Jetzt geht es natürlich auf diesem Gebiet Schlag auf Schlag: Sowohl für die Schweiz als auch für Asien gibt es bereits Projekte, und der kürzliche Besuch einer amerikanischen Delegation bei Jakob Falkner in Sölden verlief eben­falls sehr erfolgversprechend, da sie sich von der neuen Giggijochbahn mit D-Line-Ausstattung begeistert zeigten. Die neue Giggijochbahn ist mit einer Fahrgeschwindigkeit von 6,5 m/s und einer Förderleistung von 4.500 P/h die stärkste Einseilumlaufbahn der Welt!

Womit lässt sich Ihr Wachstum langfristig absichern? 

Anton Schwendinger: Die Antwort ist ganz einfach: Indem wir eben auch weiterhin die besten Seilbahnen der Welt bauen. Die Umsetzung ist dann zum Glück natürlich schon ein wenig komplexer. Darum bitte ich auch um Verständnis, dass wir hier nicht ins Detail gehen wollen, um unsere Marktposition zu halten. Natürlich wollen wir vor allem in dem Markt wachsen, in dem wir groß geworden sind, also dem Wintergeschäft. China ist dafür ein gutes Beispiel, da es dort für das Wintergeschäft noch viel Potenzial gibt – vor allem im Kontext zu den bereits erwähnten Olympischen Spielen. Nicht zu vergessen Russland, wo wir im Nordkaukasus weiterhin große Wachs­tumschancen sehen. Und für den Bereich urbane Seilbahnen und POIs sehen wir zum Beispiel auch in Indien noch sehr viel Potenzial. 

Stichwort China: Die chinesische Staatsführung hat sich zum Ziel gesetzt, so viele Landsleute wie möglich für den Wintersport zu begeistern. Klingeln da bei geschätzten 1,3 Mrd. Einwohnern nicht alle Kassen? 

Thomas Pichler: Es existiert ja unterschiedlichstes Zahlenmaterial. Wenn etwa von 20 % gesprochen wird, wären das über 200 Mio. Skifahrer. Doch man muss natürlich am Boden der Realität bleiben. Derzeit fahren in China gerade einmal 0,4 % auf Skiern. Auf der anderen Seite ist eine Steigerung auf fünf Prozent gar nicht mal so abwegig. Das wäre dann bei 1,3 Mrd. Einwohnern schon eine Verdopplung der derzeitigen Skifahrerzahl weltweit. Es findet daher in der Tat eine äußerst spannende Entwicklung in China statt, die wir natürlich sehr wohlwollend beobachten. Denn überall, wo wir Chancen für neue Skifahrer sehen, bieten wir unsere Unterstützung an. Denn jene Chinesen, die heute daheim Skifahren lernen, sind morgen potenzielle Skitouristen für europäische Wintersportregionen. Hier gibt es durchaus Analogien zur damaligen Ostöffnung, die zu einer Erhöhung der Qualitätsstandards in den Skigebieten geführt hat und dadurch auch neues Gästepotenzial für beispielsweise österreichische oder Schweizer Skigebiete entstanden ist.

Wo sehen sie die derzeit größten Herausforderungen?

Thomas Pichler: Analog zu unseren Zielen – nämlich für die besten Kunden der Welt die besten Bahnen zu bauen. Eine ganz spezielle Herausforderung ist derzeit sicher die Weltrekord-3S-Bahn in Vietnam. Die Doppelmayr-3S-Bahn Hòn Thơm wird nicht nur die längste Bahn ihres Typs, sondern auch unter allen anderen bisher realisierten Seilschwebebahnen in nur einer Sektion die längste sein. Die knapp 8 km lange Strecke führt über das Meer, bis zu 160 m hohe Stützen werden auch auf den beiden Inseln zwischen Phú Quốc und Hòn Thơm errichtet. Hier werden einmal mehr neue Maßstäbe gesetzt.

Anton Schwendinger: Eine große Herausforderung stellen sowohl für uns als auch für unsere Kunden mit ihrer ungebrochenen Innovationskraft die oft schwierigen Umgebungsbedingungen dar. Die oft lang­atmigen Genehmigungsverfahren und Einsprüche bei Projekten machen es für uns alle nicht einfacher. Leider wird hier sehr oft nicht die Gesamtwertschöpfung solcher wirt­schaftlich wertvollen Projekte gesehen. 

Reden wir über den Sommer: Haben Sie Tipps, wie Betreiber die Seilbahninfrastruktur auch in dieser Zeit maximal nutzen können?

Anton Schwendinger: Selbstverständlich. Mit der Firma Input haben wir extra ein eigenes Unternehmen an Bord, das auf Lösungen für ein 365-Tage-Angebot am Berg spezialisiert ist. Das Team von Input hat bereits mehrfach den Beweis erbracht, dass mit modernen Angeboten aus dem Sommer-Berg eine erfolgreiche, profitable Tourismus-Destination werden kann. Mittlerweile wurden 110 Projekte in 20 Ländern umgesetzt. Und wir stellen hier auch vermehrt fest, dass das Mountainbiken im Sommer ein immer größeres Thema wird.  Hier wird von uns an verschiedenen Lösungen gearbeitet, um unsere Kunden in diesem Bereich bestmöglich zu unterstützen. Hierzu werden auch auf der Interalpin zwei neue Lösungen vorgestellt. In Ausarbeitung sind sowohl Lösungen für einen Fahrrad­transport mit der Sesselbahn als auch mit dem Schlepplift. Ein Best-Practice-Beispiel ist hier der Bikepark  Winterberg in Deutschland, der eine beeindruckende Zuwachsrate an Besuchern zu verzeichnen hat. Das Thema Sommer am Berg ist also sicher ein Bereich, der weiter wachsen wird. Und Österreich hat in diesem Segment eine Vorreiterrolle übernommen, aber auch in Nordamerika zum Beispiel gibt es einen ganz starken Trend in diese Richtung. Der Sommer am Berg ist also international angekommen. 

Sind Sie in diesem Bereich auch direkt im Austausch mit den Seilbahnern?

Thomas Pichler: Ja, denn es ist essenziell, dass man sein Ohr ganz nahe am Kunden hat und gemeinsam über Möglichkeiten nachdenkt, wie man auch für den Sommer eine Tageskarte für die Seilbahn verkaufen könnte. Und diesen Schulterkontakt wollen wir auch nie verlieren. 

Abschließend noch eine persönliche Frage: Was war für Sie das beeindruckendste Erlebnis im Rahmen Ihrer Arbeit? 

Anton Schwendinger: Als Indikator für unseren Erfolg gelten für mich nach wie vor die strahlenden Gesichter unserer Kunden und deren Mitarbeiter. An ihnen wird gemessen, ob etwas gut gelungen ist. Jene positiven Rückmeldungen, die ich persönlich erhalte, gebe ich natürlich stets an die ganze Mannschaft weiter, denn sie ist maßgeblich für unseren Erfolg. Ein ganz besonderer Augenblick war für mich beispielsweise, als mir eine ältere Dame aus La Paz verriet, welch enorme Erleichterung ihr die Seilbahn für das tägliche Leben gebracht hat. Die Arbeit, die unsere Mannschaft leistet, ist also auch nachhaltig und sozial wirksam. Mehr kann man sich eigentlich nicht wünschen.

Thomas Pichler: Mir geht es da ganz ähnlich. Jede Seilbahn-Eröffnung ist für mich ein spezielles Highlight. Wenn man die Zufriedenheit des Kunden spürt und die Freude, dass die Bahn nach der Bauzeit erfolgreich ihren Betrieb aufgenommen hat, das sind wirklich bedeutende Momente. Mein ganz persönliches Highlight war die Eröffnung der neuen Seilbahn auf den Mont Blanc. Die Eröffnung solch einer beeindruckenden Bahn nach fünfjähriger Bauzeit ist auch für einen alten Seilbahner wie mich etwas ganz Besonderes.

Vielen Dank für das Interview!

Foto: Doppelmayr
Die Geschäftsführer der Doppelmayr-Gruppe Anton Schwendinger (li.) und Thomas Pichler freuen sich über ein besonders erfolgreiches Geschäftsjahr.
Foto: Doppelmayr

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