Veranstaltungen

Vorbildliche Initiativen für den Schneesport

Früher haben z. B. in Österreich mit den verpflichtend durchzu­führenden Schulskiwochen Generationen das Skifahren erlernt und sind auf den „Geschmack“ dieses Freizeit- und Urlaubssports gekommen.

von: Helmut Lamprecht

Diese Verpflichtung wurde jedoch mit einem Erlass des Unterrichtsministeriums 1984 gestrichen und stattdessen auch die Möglichkeit von Projekt-, Sprach- und Kulturwochen geschaffen. Seither hat die Beteiligung von ursprünglich rund 250.000 auf derzeit ca. 125.000 Schülerinnen und Schüler abgenommen; sie wurde praktisch halbiert. Diese Entwicklung ließ vielerorts die Alarmglocken schrillen.

Langsam, aber sicher tragen nun die vielen seither gesetzten lokalen und regionalen  Initiativen zur Förderung bzw. Intensivierung des Schneesport-Nachwuchses Früchte. Es gibt sie tatsächlich immer mehr: die vorbildlichen Beispiele auf Ebenen der Kindergärten, Schulverwaltungen, Sportvereine und Verbände. Vielleicht ein Manko, dass noch keine Plattform existiert, die alle diese Initiativen erfasst und die Informationsfunktion gegenüber Lehrerschaft, Eltern, Medien etc. übernimmt; eine Lücke, die es wert wäre geschlossen zu werden.

Die ISR hat zwar immer wieder ­lobenswerte Beispiele zum Besten gegeben, stets in der Überzeugung, dass noch viele „vor den Vorhang“ geholt werden müssten. Der Schneesport-Nachwuchs ist ja ein brisantes Thema für die weitere Zukunft dieses insgesamt mit sehr positiven Facetten verbundenen Freizeitsports. 

Die Entwicklung, dass für immer weniger Kinder das Skifahren von klein auf eine Selbstverständlichkeit ist und es immer weniger Lehrer gibt, die für die Organisation und Durchführung von Schulskikursen etc. bereit sind, muss gestoppt werden. Auch die zunehmende multikulturelle Durchmischung der Bevölkerung erzeugt Handlungsbedarf. Wenn die Kette der den Schneesport ausübenden Kinder und Jugendlichen abreißt, geht  auch der „Spirit des Winters“ verloren. Und wenn die Einheimischen nicht mehr dem Schneesport frönen, wie sollen dann die Gäste aus den flachen Gebieten dazu ­authentisch animiert werden? 

Es muss also viel unternommen werden, um Kinder und Jugendliche verstärkt auf die Skipisten zu bringen, nicht zuletzt auch als Beitrag zur Förderung von Bewegung und Gesundheit, angefangen vom Elternhaus über die Schulen bis zur Politik. Schulskikurse und Schul­skiwochen sind schließlich keine Selbstläufer! 

Wie der folgende keineswegs vollständige, sondern nur beispielhafte Überblick bereits in Angriff genommener Initiativen bzw. gesetzter Maßnahmen zeigt, tut sich ­national, regional und lokal immerhin einiges:

Schweiz:

Der 2014 aus Vertretern verschiedener Schneesport-Branchen, Kantone und Bundesbehörden gegründete Verein „Schneesportinitiative Schweiz“ als öffentlich-private Partnerschaft zur Förderung des Schneesports – näheres unter www.schneesportinitiative.ch – ist eine Plattform, um vor allem Schulen umfassenden Info-Service und individuelle Beratung zu bieten sowie dabei zu helfen, Kinder und Jugendliche für den Schneesport zu begeistern. Des Weiteren sollen Lehrkräfte, Behörden und die Politik für den Schneesport sensibilisiert werden.

Ähnliche Initiativen gibt es zudem auf kantonaler Ebene, vor allem im Kanton Graubünden mit dem Projekt „Schule im Schnee“ des Verbandes „Bergbahnen Graubünden“.

Deutschland:

Der vor zwei Jahren gegründete Verein „Dein Winter, Dein Sport e. V.“ – siehe www.deinwinterdein­sport.de – unterstützt die positiven Aspekte des Wintersports in all seinen Facetten. Hauptziel ist es, Kinder und Jugendliche für den Wintersport zu begeistern und ­ihnen den Zugang zu erleichtern, wobei vor allem Angebote an öffentliche Schulen im Fokus stehen. Im Winter 2014/15 konnten dann z. B. über 100 Kinder und Jugend­liche ein Wochenende im Schnee verbringen. Der Verein fungiert auch als Informations-Plattform für diverse Veranstaltungen und Aktivitäten zur Förderung des Schneesport-Nachwuchses. 

Südtirol:

Der Südtiroler „Kids Snow Day“ – die ISR berichtete in Ausgabe 1/2016 – war in seiner 3. Auflage Mitte Dezember 2015 in Anbetracht der schwierigen Schneesituation insgesamt ein beachtlicher Erfolg. Er wird – das steht jetzt schon fest – am 10. Dezember 2016 abermals durchgeführt werden.

Zum zweiten Mal konnte das Projekt „Mit der Schule auf die Piste“ vom Südtiroler Seilbahnverband und von der Landesberufskammer der Skilehrer in Kooperation mit dem deutschen und italienischen Schulamt vom 18. bis 21. Jänner 2016 umgesetzt werden. Diesmal nahmen fünf erste Mittelschulklassen aus fünf verschiedenen Schulen von Bozen, Meran, Sterzing und Kaltern mit knapp 100 begeisterten Mädchen und Buben teil. Sie verbrachten vier Winter­tage mit Skifahren, Snowboarden und Rodeln im Skigebiet Pfelders im hinteren Passeiertal. Auch die begleitenden Lehrpersonen genossen diese Skiwoche und wollen sich bei ihren Kolleginnen und Kollegen für weitere Klassen-Beteiligungen im nächsten Winter einsetzen.

Neben den sportlichen Aktivitäten, massiv unterstützt von der örtlichen Seilbahngesellschaft sowie der Ski- und Snowboardschule Pfelders, gab es an einem Nachmittag mit dem Schwerpunkt „Sicherheit auf Ski- und Rodelpisten sowie Gefahren im freien Gelände“ viele praxisnahe und nützliche Informationen. Den krönenden Abschluss bildete ein Skirennen und es gab strahlende Gesichter bei allen Beteiligten. 

Erstmals wurde am 4. März 2016 vom Südtiroler Seilbahnverband das Projekt „Teachers Day“ in ­Kooperation mit dem Deutschen Schulamt und der nachhaltigen Unterstützung durch den Leiter der Dienststelle für den Schulsport, Eduard von Grebmer, umgesetzt. Über 60 Volksschul-Lehrerinnen und -Lehrer folgten der Einladung zu einem Fortbildungstag mit sportlicher Betätigung auf der Seiser Alm. Hauptzweck war die Information über Fragen der Organisation und Durchführung von Schulveranstaltungen, seien es einzelne Skitage oder eine Skiwoche, inklusive der  damit verbundenen Haftung, dargelegt von zwei prominenten Referenten aus der Schulbehörde und aus der Südtiroler Staatsanwaltschaft. Dieser Tag sollte vor allem der Lehrerschaft Mut und Motivation vermitteln, sich mit ihren Schulklassen vermehrt dem Schneesport zu widmen.

Österreich und Bundesländer:

Über die vielfältigen Initiativen und Aktivitäten in Österreich bzw. in den einzelnen Bundesländern werden wir in der nächsten ISR-Ausgabe (3/2016) berichten. 

Foto: Beigestellt
Gruppenfoto Felders
Foto: Beigestellt

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