Technik

„Ropeway Technology“

Gottfried Hofmann, langjähriger Leiter der Entwicklungsabteilung von Garaventa, hat seinen Ruhestand dazu genützt, seine Erfahrungen in einem umfassenden Seilbahnbuch niederzuschreiben. Es ist in Englisch abgefasst, hat 834 Seiten und enthält rund 500 Skizzen und Fotografien.

von: Josef Nejez

Mit „Ropeway Technology“ liegt ein Fach- und Lehrbuch vor, das es in dieser ausführlichen und praxisbezogenen Art bisher noch nicht gegeben hat. Die Zielsetzung des Autors war es, ein umfassendes Nachschlagwerk zu schaffen, das Theorie und Praxis der Seilbahntechnik vereint und sie jedem interessierten Ingenieur in verständlicher Form zugänglich macht.

Dem Fachtechniker bietet das Buch viel Hintergrundwissen, insbesondere hinsichtlich Vergleich und Grenzen der verschiedenen Seilbahnsysteme. Das Hauptgewicht liegt dabei auf den Pendelbahnen und Standseilbahnen; hinsichtlich der Details von Einseilumlaufbahnen verweist der Autor auf die als Buch erschienene Dissertation von Artur Doppelmayr „Denkanstöße zur Funktionserfüllung von Einseilumlaufbahnen“ („Conceptional Inputs for Optimizing the Functional Efficiency of Circulating Monocabler Ropeways“).

Inhalt

Das Buch ist in zehn Abschnitte gegliedert:

  • A Grundsätze der Seilrechnung
  • B Spezifische seilbahntechnische Berechnungen
  • C Bauteile der Seilbahnen
  • D Räumung und Bergung
  • E Charakteristika und Vergleiche von Seilbahnsystemen
  • F Seilbahnsicherheit
  • G Geschichte der Seilbahnen
  • H Literaturübersicht
  • J Fotodokumentation

Im Folgenden wird versucht, wesentliche Themen der genannten Abschnitte herauszugreifen. Allen gemeinsam ist die einheitlich hohe Qualität der grafischen Darstellungen und – wo immer möglich und sinnvoll – die Angabe von praktischen Rechenbeispielen, die das Verständnis der Formeln und ­deren Anwendung erleichtern.

Grundsätze der Seilrechnung

In diesem Abschnitt findet man alles, was für Verständnis und Ausführung der Seilrechnung für Seilbahnen notwendig ist. Beginnend mit der Theorie der Kettenlinie und der Parabel und dem Vergleich dieser beiden Seillinien geht es weiter mit der Berechnung fixverankerter Tragseile und anderen Bereichen der Seilspannkräfte wie Reibung der Tragseile auf den Stützenschuhen, Art und Anordnung von Spanneinrichtungen, Spann­weg­berech­nung, Seilreibung an Antriebsscheiben, Zugseilüberschlag u. v. m. Den Abschluss von Abschnitt A bildet eine Zusammenstellung von systemrelevanten Parametern in Art einer Checkliste, die vor der Erstellung der endgültigen Seilrechnung und Seilbahnplanung abge­arbeitet werden sollte.

Spezifische seilbahntechnische Berechnungen

Dieser Abschnitt behandelt systemspezifische Themen wie Schnürspannungen bei Antrieben mit mehrrilligen Antriebsscheiben, Spanngewichtsdämpfung, Seil­ent-

gleisung, Quer- und Längsschwingung der Fahrzeuge, Spurweite, Seilschwingungen und Fahr­dia-gramme. Ausführlich wird das System der Standseilbahnen hinsichtlich Spurweite, Schienen, Linienführung, Ausweiche sowie Radlasten der Fahrzeuge behandelt. Eigene Kapitel gibt es zu den Themen Bremssysteme und Energiebedarf.

Bauteile der Seilbahnen

Den Hauptteil dieses Abschnittes bilden die Kapitel über Seile: Geschichte und Entwicklung, Seilkonstruktionen, Grundlagen der Seilmechanik, Seilverbindungen und Endbefestigungen, Seildrall, Seilschäden und Seilkontrolle. In weiteren Kapiteln werden für die verschiedenen Seilbahnsysteme die Bereiche Antriebe, Fahrzeuge und Streckenausrüstung behandelt.

Räumung und Bergung

Dieser vergleichsweise kurze Abschnitt behandelt die grundsätz­lichen Anforderungen an die Räumung und Bergung, die häufigsten Bergekonzepte und die dafür erforderlichen Bergegeräte sowie Überlegungen zur Berechnung und Ausführung von Bergebahnen.

Charakteristika und Vergleiche von Seilbahnsystemen

In diesem Abschnitt kommt die rund 30-jährige Erfahrung des ­Autors als Projektant und Leiter der Entwicklungsabteilung zunächst bei Von Roll und dann bei Doppelmayr/Garaventa besonders zum Tragen. Nach einer allgemeinen Betrachtung zu den Themen Fahrkomfort und Verfügbarkeit geht er auf die charakteristischen Gegebenheiten und Eigenschaften ein, getrennt nach folgenden ­Systemen:

  • fixgeklemmte Sesselbahnen,
  • kuppelbare Sesselbahnen,
  • Einseil-Kabinenumlaufbahnen,
  • Zweiseil-Kabinenumlaufbahnen,
  • 3S-Bahnen,
  • Funitels,
  • Pendelbahnen,
  • selbstfahrende Seilbahnfahr­zeuge,
  • Funifor,
  • Standseilbahnen.

Für jedes dieser Seilbahnsysteme macht der Autor Angaben gemäß dem folgenden Schema:

  • Standardisierungsgrad,
  • Längenprofil,
  • bevorzugtes technisches Konzept,
  • Förderleistung,
  • Seilfeldlängen,
  • Bahnlänge,
  • Fahrzeugfassungsraum,
  • Fahrgeschwindigkeit, Ein- und Aussteigen,
  • Fahrkomfort,
  • Spezifika des Systems,
  • Wind,
  • Vereisung,
  • Räumung und Bergung,
  • Energiekosten,
  • Investitionskosten,
  • Betriebs- und Instandhaltungskosten,
  • Verfügbarkeit,
  • Automatisierungsgrad.

Jede dieser systemspezifischen Listen schließt mit einem Absatz über bevorzugte Anwendungsbereiche und über die geschichtliche Entwicklung des betreffenden Seilbahnsystems.

Auf Basis der vorgenannten Charakteristika stellt der Autor verschiedene Vergleiche innerhalb ­eines Seilbahnsystems und zwischen den Seilbahnsystemen her und fasst die Ergebnisse in umfangreichen Tabellen zusammen – ein „Vademecum“ für jeden Seilbahnplaner und Entscheidungsträger im Bereich des Seilbahnbaus.

Seilbahnsicherheit

Dieser Abschnitt ist in mehrere ­Kapitel gegliedert:

  • Unfallstatistik mit tabellarischer Übersicht über die schweren Seilbahnunfälle, getrennt nach den Seilbahnsystemen;
  • Allgemeine Bewertung der Seilbahnsicherheit einschließlich Vergleich mit dem Luftverkehr, Schienenverkehr und Autoverkehr;
  • Risiko- und Sicherheitsanalyse;
  • Überblick über die Restrisiken bei Seilbahnen.

Im Rahmen dieses Abschnitts findet sich auch eine nach Ansicht des Rezensenten hervorragende Stellungnahme zur „ewigen“ Diskussion „Tragseilbremsen bei Pendelbahnen, ja oder nein?“ Nach ausführlicher Darstellung der Fakten und sicherheitstechnischer Bewertung kommt der Autor zum zwingenden Schluss, dass beide Systeme – dem Stand der Technik entsprechend ausgeführt – den Anforderungen an die Sicherheit entsprechen. Eine Pendelbahn ­ohne Tragseilbremse ist nämlich nicht eine als Pendelbahn mit Tragseilbremse geplante Anlage, bei der man die Tragseilbremse einfach ersatzlos weggelassen hat, sondern eine Pendelbahn, bei der die Sicherheit des Zugseiles als ­Sicherheitsbauteil durch andere Maßnahmen sichergestellt wird, z. B. durch magnetinduktive Prüfung der gesamten Zugseilschleife und periodisches Versetzen der Zugseilklemmen der Fahrzeuge. 

Den Abschluss des Abschnittes über die Seilbahnsicherheit bildet eine kritische Auseinandersetzung mit der Normenreihe des CEN, „Sicherheitsanforderungen an Seilbahnen für den Personenverkehr“, Stand 2008. Unter zahlreichen anderen Punkten kritisiert er sicherheitstechnisch nicht begründbare „Strafbestimmungen“ für Pendelbahnen ohne Tragseilbremse. (Einige davon wurden in der Über­arbeitung 2015 der Norm zurückgenommen. Siehe dazu den Beitrag „Wesentliche Änderungen der Normenreihe Sicherheitsanfor­derungen an Seilbahnen für den Personenverkehr“ von Peter Sedivy in ISR 4/2015, S. 8, Anm. d. Red.).

Geschichte der Seilbahnen

Dieser Abschnitt enthält eine chronologische Liste von Meilensteinen des Seilbahnbaus mit wichtigen technischen Daten der jeweiligen Anlage. 

Eine weitere Liste, nach Seilbahnsystemen gegliedert, enthält Weltrekord-Parameter der Seilbahnen, passend ergänzt mit zusätzlichen technischen Daten und der Angabe des Herstellers der betreffenden Anlage.

Es folgt ein abschließendes Kapitel mit der Beschreibung heraus­ragender klassischer und historischer Seilbahnen mit Fotos und technischen Daten.

Literaturübersicht

Natürlich darf in einem Fachbuch wie diesem eine Literaturübersicht nicht fehlen, aber was Gottfried Hofmann hier an gut aufbereiteter Information zusammengetragen hat, ist außergewöhnlich. An den Beginn stellt er eine Auswahl von ausgewiesenen Seilbahnexperten, die fortlaufend wesentliche Bei­träge zur Seilbahnliteratur geliefert haben:

  • Prof. Dr. Gabor Oplatka (ETH Zürich),
  • Prof. Dr. O. Zweifel (ETH Zürich),
  • Prof. Dr. H. Wettstein (ETH ­Zürich),
  • Prof. Dr. J. Nejez (TU Graz),
  • Prof. Dr. E. Engel (TU Wien),
  • Dr. H.-R. Gassmann (BAV)

Die Literaturübersicht ist in zwei Kapitel gegliedert. Das erste enthält auf knapp vier Seiten relevante Seilbahnbücher, das zweite auf 20 Seiten Beiträge in Fachzeitschriften, Studien etc. Dieses ­zweite Kapitel ist thematisch in 22 Unterkapitel gegliedert – eine unschätzbare Hilfe für jeden, der sich in einem Spezialgebiet des Seilbahnwesens einen Überblick verschaffen will. 

Dem Rezensenten – fachtechnischer Redakteur der ISR – sei es erlaubt darauf hinzuweisen, dass von den knapp 250 Einträgen in diesem zweiten Kapitel der Literaturübersicht über 100 Einträge ­Arbeiten betreffen, die in der ISR veröffentlicht worden sind. Die Bedeutung der ISR als internationale wissenschaftlich-technische Fachzeitschrift wird dadurch einmal mehr dokumentiert.

Verschiedene  Seilbahnfotos

Den letzten Abschnitt des Buches von Gottfried Hofmann bildet auf knapp 50 Seiten eine Sammlung von Seilbahnfotos, die dem Leser einen Gesamtüberblick über die verschiedenen Seilbahnsysteme bietet.

Empfehlung

Beim Fachbuch „Ropeway Technology“ von Gottfried Hofmann handelt es sich um ein einzigartiges Werk, für dessen Erarbeitung der Autor mehr als 11.300 Arbeitsstunden aufgewendet hat. Es ist ihm gelungen, das Wissen und die Erfahrungen eines Seilbahntechnikers der Spitzenklasse in praxisbezogener Art darzustellen. Der Einstieg in die Seilbahntechnologie wird damit jedem Interessierten wesentlich erleichtert. Das Buch darf für sich in Anspruch nehmen, zur unverzichtbare Fachliteratur für die Einführung und Ausbildung von Mitarbeitern in Seilbahntechnik zu gehören, aber auch erfah­rene Seilbahner finden im Fachbuch viele wertvolle Hinweise, die ihnen die Arbeit erleichtern. Jeden-

falls kann dieses Jahrhundertwerk der Seilbahnliteratur all jenen, die im Bereich der Seilbahntechnik ­tätig sind, wärmstens empfohlen werden.

Um Enttäuschungen zu vermeiden, sei nochmals darauf hingewiesen, dass das Fachbuch „Ropeway Technology“ in englischer Sprache abgefasst ist und daher ausreichende Sprachkenntnisse in technischem Englisch eine Voraussetzung für das Verständnis des Werkes darstellen. Gerade bei ­Ingenieuren der jungen Genera­tion sollte dies eigentlich kein Problem sein.

Bezugsnachweis:

„Ropeway Technology“, Fachbuch für die Seilbahnbranche. Autor: Gottfried Hofmann. 834 Seiten, gebunden, mit rund 500 Skizzen und Fotografien. Sprache: Englisch. Das Buch kann zum Preis von 125.00 CHF bei der Garaventa AG, contact@remove-this.garaventa.com, bezogen werden. 

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