Sicherheit

Medienthema „Ski-Unfälle“

Die Seilbahnwirtschaft ist strikt gegen Schuldzuweisungen!

Skiunfälle, ob Einzelstürze, Kollisionen,Abstürze im freien Skiraum etc. und fast alleAbtransporte finden laufend ihren Niederschlagin den Tagesmeldungen der Mediendes Alpenraumes. Dagegen machen sichwährend der Wintermonate die Berichteüber Unfälle im Straßenverkehr direkt mickrigaus. Der von einem deutschen Ministerpräsidentenverursachte tödliche Kollisionsunfallhat nun aber medial besonders vielStaub aufgewirbelt und die Diskussion überdas notorische Thema „Skiunfall“ intensiviert.

Neu waren allerdings der ausgelöste„Helmboom“ – was ja prophylaktisch seineguten Seiten hat – sowie die aus dem Bauchheraus sprudelnden „Wortspenden“ großteilswenig kompetenter, aber schnell auf derBildfläche erscheinenden Politiker.Rasch machten politische Rufe nach demGesetzgeber zur Regelung des „Pistenverkehrs“mit Überwachungsmethoden wie imStraßenverkehr durch „Pisten-Polizei“, Geschwindigkeitskontrollenmit Laserpistolen,Abstrafungen und ähnliches die Runde.Auch skurrile Vorschläge oft selbsternannterExperten aus dem Alpin-Sektor wie z. B.Pisten-Rückbau geisterten durch die Medienlandschaft.

Dahinter steht der versteckteVorwurf an die Seilbahnunternehmen, siewürden mit ihren glatt präparierten und„ausgebügelten“ Skipisten für hohe Geschwindigkeitensorgen, damit aber dasUnfallrisiko erhöhen.Statt an die Eigenverantwortlichkeit derSchneesportler zu appellieren, sie auchmedial einzufordern oder gar zu fördern,kommt es zu Schuldzuweisungen an einevöllig falsche Adresse.

Die Seilbahnwirtschaftist gut beraten, sich entschieden dagegenzu wehren, schließlich ist sie es, die inden letzten Jahrzehnten mit hohem finanziellenAufwand für ihre Verkehrssicherungspflichtenim organisierten Skiraum dafür gesorgthat, dass der Pistenbetrieb in den Alpenländernsicherer geworden ist.

Der medialen Aufmerksamkeit bzw. den publiziertenÜbertreibungen zum Trotz zeigenzahlreiche renommierte Studien wie z. B. dieAnalyse der „Stiftung Sicherheit im Skisport“des Deutschen Skiverbandes mit derumfangreichsten Datenbasis oder die Untersuchungendes Instituts für Sportwissenschaftender Universität Innsbruck in Zusammenarbeitmit dem ÖsterreichischenSkiverband einen langjährigen Trend: DerSchneesport ist für den Einzelnen sicherergeworden. Zu ähnlichen Ergebnissen kommenauch Studien in den Skigebieten derSchweiz.

Eine der Ursachen für diesenRückgang ist laut Fachleuten eben der heutigehohe Standard in der professionellen Pistenpräparierung.Vergleichsweise fordert jaauch niemand den Rückbau der Autobahn,wo bekanntlich die Unfallraten am niedrigstensind! Es ist überdies eine jahrzehntelangeErfahrung der Pisten- und Rettungschefs derSchweizer und österreichischen Seilbahnunternehmen,dass sich auf dicht befahrenenSkipisten weniger Unfälle im Verhältnis zurAnzahl der Pistenbenützer ereignen als aufweniger frequentierten Pisten. Und: Über90 % der Skiunfälle sind nach wie vorSelbstunfälle; die Kollisionen schwankenzwischen 8 und 10 %.

Hier ist die Eigenverantwortlichkeitder Pistenbenützer ebensogefragt wie die Einhaltung der allgemein anerkanntenund für Gerichtsurteile herangezogenen10 FIS-Regeln! Die Unfallursachenwie z. B. Müdigkeit, mangelnde Technik, zugeringe Kondition, unkontrollierte Fahrweise,Rücksichtslosigkeit gegenüber den Anderenetc. sind weitgehend bekannt. Die Seilbahnunternehmen,für die jeder Skiunfalleiner zu viel ist, bringen auch seit Jahren ihreVorschläge zur Unfallprävention bei den zuständigenGremien ein. Es ist daher ihr gutesRecht, aber auch ihre Pflicht, sich gegen dieSchuldzuweisungen oder „Mitverursacher-Rolle“ zu wehren.

Sie sollten auch massivergegen die „Falschmünzerei“ auftreten undechte Unfallziffern, das heißt eine Bereinigungder Skiunfall-Statistik verlangen: Istder bedauerliche Herzinfarkt auf der Skipisteauch ein Skiunfall? Oder: Warum werdenUnfälle abseits gesicherter Pisten im freienSkiraum oft mitgezählt? Ähnliche Beispielegibt es mehrere.Die Quoten verletzter Schneesportler sinddas eine, die Einschaltquoten bzw. Auflagenzahlenkonkurrierender Massenmedien dasandere. Beides hat miteinander nichts zutun. Objektivität ist vielmehr gefragt, meint

Dr. Helmut Lamprecht


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