Recht

Kein „Schilderwald“ auf Skipisten

In vielen Verfahren gegen Seilbahnunternehmen ist die Frage der Beschilde­rung von großer Bedeutung. Im folgenden Verfahren wurde geklärt, ob die Straßenverkehrsordnung – insbesondere die Regeln der Beschilderung – auch für die Haftung nach einer Kollision zweier Wintersportler relevant ist.

von: Christoph Haidlen

wie bekannt ist, gilt die Straßenverkehrsordnung („StVO“) für Straßen mit öffentlichem Verkehr, d. h. auf den für den Fußgänger- oder Fahrzeugverkehr bestimmten Landflächen. Skipisten sind keine „Straßen“ und daher gelten die (Vorrang-)Regeln der StVO hier nicht. Streitpunkt dieses Verfahrens war es, ob ein „STOPP-Schild“ an der Kreuzung zweier Pisten eine Vorrangssituation schafft und ob daher die Verpflichtung bestehe „Vorrang“ zu geben.

Kollision im Kreuzungsbereich

Die beiden Skifahrer sind in einer Pistenkreuzung frontal zusammengestoßen. Die von ihnen benutzten Pisten verlaufen zunächst (getrennt) parallel und dann aufeinander zu. In beiden Annäherungsbereichen waren Warnhinweise auf die Pistenkreuzung aufgestellt, die mit den Worten „LANGSAM – SLOW“ ein langsames Fahren fordern. Auf der vom Beklagten benutzten Piste war zusätzlich auch das Schild „STOPP“ (Vorrangzeichen laut StVO) aufgestellt. 

Unmittelbar vor der Kollision fuhr der Kläger einen Rechtsbogen, zur selben Zeit orientierte sich der Beklagte auf seiner Piste nach links. Er sah, dass sich der Kläger auf Kollisionskurs näherte, schätzte das aber – obwohl er sah, dass der Kläger nicht in seine Richtung blickte – nicht als „kritisch“ ein, erst knapp vor der Kollision versuchte er auszuweichen. Der Kläger bemerkte den Beklagten erst 1 bis 2 m vor der Kollision, konnte aber keinerlei Abwehrhandlung mehr setzen.

Der Kläger forderte nun Schadenersatz und behauptete, das Alleinverschulden am Unfall treffe den Beklagten. Er begründet dies damit, dass der Beklagte auf Grund des „STOPP-Schildes“ verpflichtet gewesen wäre, vor der Kreuzung anzuhalten.

Verpflichtet ein „STOPP-Schild“ zum Anhalten?

Das Gericht hat zunächst festgehalten, dass jeder Wintersportler verpflichtet ist, die FIS-Regeln zu beachten und aufmerksam zu fahren. Eine Vorrangregelung auf Skipisten, wie sie der Kläger fordert, wäre allerdings – so das Gericht – nicht umsetzbar, da sich dabei z. B. das Problem stellt, dass eine Vorrangsituation nicht immer erkennbar ist: Im Straßenverkehr ist die Beschilderung so aufgestellt, dass sie die Verkehrssituation eindeutig klarstellt; auch bewegen sich Fahrzeuge auf den jeweiligen Fahrbahnen. Beides ist beim Skilauf nicht der Fall (ständige Änderung der Fahrtrichtung, Fahrspuren verlaufen „kreuz und quer“). Weiters vergrößert ein Wintersportler, der vor einem „STOPP-Schild“ stehenbleibt, die Gefahr von „Auffahrunfällen“ mit nachfolgenden Benützern, solche Vorrangzeichen schaffen daher neue Probleme. Daher musste der Beklagte – so das Gericht – vor dem Schild nicht stehenbleiben.

Aufmerksamkeit ist notwendig!

Beide Skifahrer waren bei der Annäherung an die Kreuzung zur Aufmerksamkeit und Beobachtung der anderen Piste verpflichtet. Selbst wenn man annimmt, dass das „STOPP-Schild“ den Beklagten zu einer erhöhten Aufmerksamkeit verpflichten würde, steht fest, dass auch der Kläger unaufmerksam gefahren ist, da er den „entgegenkommenden“ Verkehr nicht beobachtet hat. Der Beklagte wiederum erkannte zwar den Kollisionskurs, reagierte aber nicht rechtzeitig darauf. Da beide Skifahrer unaufmerksam waren, wurde entschieden, dass sie den Unfall zu gleichen Teilen verschuldet haben. 

Diese Entscheidung ist auch für die Pistenbetreiber von Bedeutung, da sie klarstellt, dass es nicht notwendig ist, „Verkehrsschilder“ auf Pisten aufzustellen: Ein zu großer „Schilderwald“ schafft Verwirrung und erhöht die Gefahr von Kollisionen. Wären die Gerichte der Meinung, dass z. B. „STOPP-Schilder“ verbindlich sind, müssten sie an jeder Pistenkreuzung aufgestellt werden, um die Pistensicherungspflicht zu erfüllen!


Foto: Die Fotografen für Dr. Haidlen
Dr. Christoph Haidlen, Experte für Seilbahnrecht und Partner von CHG Rechtsanwälte
Foto: Die Fotografen für Dr. Haidlen

Immer mehr Destinationen setzen auf den Sunkid Zauberteppich als intelligente Transportlösung. Sei es vom Parkplatz zur Talstation, als Zubringer zur...

Weiterlesen

Vor 25 Jahren, im September 1991, wurden die ersten Kabinen der ersten öffent­lichen 3S-Bahn in Saas Fee auf die Strecke geschickt. 25 Jahre danach...

Weiterlesen

Mit einer neuen Maschine fuhr die Wintersteiger AG auf die ISPO nach München und präsentierte erfolgreich auf der weltweit größten Sportartikelmesse...

Weiterlesen

Als unangefochtene internationale Weltleitmesse erwartet die Interalpin von 26. bis 28. April 2017 rund 23.000 Besucher aus über 80 Nationen.

Weiterlesen

Pistenmanagement-Konzept sorgte für Reduzierung auf allen Ebenen.

Weiterlesen

Der Südtiroler Pistengerätehersteller baut seine Kompetenz im Parkbau weiter aus.

Weiterlesen

Die Skigebietsplaner aus Absam sind seit mehr als 25 Jahren erfolgreich im „Alpinen Ingenieurbau“ tätig. Die Infrastruktur und die neuen Rennstrecken...

Weiterlesen

Das Bregenzer Ingenieurbüro hat auf die aktuelle Wintersaison 2016/17 zahlreiche interessante Seilbahnprojekte planungstechnisch betreut. So wurden...

Weiterlesen

In der ISR-Ausgabe 5/2016, Seite 14, haben wir im Rahmen der Berichterstattung von der D-A-CH-Tagung in Innsbruck über das Lebenswerk des...

Weiterlesen

Im Rahmen der 66. ITTAB in Catania/Sizilien berichtete Dipl.-Ing. Michael Mathis, Technischer Direktor der Doppelmayr Seilbahnen GmbH, über Gedanken...

Weiterlesen

Mit dem Erwerb des italienischen Stahlseilspezialisten Redaelli Tecna vom russischen Stahlkonzern Severstal setzt der Welser Seilproduzent...

Weiterlesen

Mit dem getriebelosen Antriebssystem DirectDrive und dem Frequenz­um­­richter LeitDrive hat Leitner ropeways bereits vor 15 Jahren neue Maßstäbe...

Weiterlesen

Nach nur 17 Monaten Bauzeit wurde die 3S Eisgratbahn von Leitner ropeways am Stubaier Gletscher im Rahmen eines Festaktes mit Segnung, Schützensalut...

Weiterlesen

Im Skigebiet am Presena Gletscher wurden drei alte Lifte durch eine moderne 8er-Kabinenbahn von Leitner ropeways ersetzt.

Weiterlesen

Im Rahmen ihrer Bilanzpressekonferenz durfte sich die Doppelmayr-Gruppe kürzlich über ein besonders erfolgreiches Geschäftsjahr freuen. Konnte doch...

Weiterlesen