Sicherheit

Doppelmayr

Arbeitssicherheit bei Seilbahnen

Im Rahmen der 66. ITTAB in Catania/Sizilien berichtete Dipl.-Ing. Michael Mathis, Technischer Direktor der Doppelmayr Seilbahnen GmbH, über Gedanken zur Erhöhung der Arbeitssicherheit von Seilbahnen, die bei Doppelmayr-Garaventa-Anlagen zu einer ganzen Reihe von neuen Konstruktionen geführt haben.

von: Josef Nejez

Michael Mathis berichtete über zwei Bereiche der Arbeitssicherheit bei Seilbahnen, die sich die Doppelmayr-Garaventa-Gruppe genauer angesehen hat, um dort hauptsächlich durch konstruktive Maßnahmen die Arbeitssicherheit zu erhöhen:

  • Arbeitssicherheit auf Stützen von 3S-Bahnen und Pendelbahnen,
  • Arbeitssicherheit in den Stationen von Einseil-Umlaufbahnen.

Maßnahmen auf Stützen von 3S-Bahnen und Pendel­bahnen

In den letzten Jahren kam es immer wieder zu Arbeitsunfällen auf Stützen von 3S-Bahnen. Einer dieser Unfälle: Ein Bediensteter stürzte durch die Leiteröffnung im Querpodest des Kopfes einer Pendelbahnstütze in die Tiefe. Ein anderer Unfall: Ein Bediensteter hat sich mit seinem Sicherungsseil am Laufwerk des heranfahrenden Fahr­zeugs verfangen und wurde bis zur nächsten Stütze mitgerissen. Diese beiden Ereignisse haben dazu geführt, dass die Doppelmayr-Garaventa-Gruppe eine Arbeitsgruppe eingesetzt hat mit dem Ziel, die Arbeitssicherheit auf Stützen von 3S-Bahnen und Pendelbahnen mit Hauptaugenmerk auf konstruktive Vorkehrungen zu erhöhen.

Wie der erstgenannte Unfall zeigt, stellt die Luke im Querpodest eine Absturzgefahr dar (s. Abb. 1). Diese Luke mit einer Klappe zu schließen (s. Abb. 2), stellt keine zufriedenstellende Lösung dar, weil solche Deckel beim Durchstieg hinderlich sind und erfahrungsgemäß von den Bediensteten gerne im offenen Zustand fixiert werden. Die von Doppelmayr entwickelte Lösung besteht darin, das Querpodest vom Querträger der Stütze soweit konstruktiv abzurücken, dass zwischen der Aufstiegsleiter und dem Querpodest Platz für ein gesondertes Ausstiegspodest geschaffen wird, das durch eine selbstschließende Tür mit dem Querpodest verbunden ist (s. Abb. 3). 

Der zweite Unfall hängt mit dem Gefahrenpunkt Schmierstellen am Tragseilschuh zusammen. Beim Schmieren der Tragseilschuhe kann es dazu kommen, dass ein herannahendes Laufwerk nicht bemerkt wird. Eine nicht sehr nachhaltige Lösung zur Gefahrenabwehr ist ein roter Warnstreifen auf den Podesten; die Farbe ist nicht sehr beständig, sie müsste regelmäßig nachgestrichen werden. Eine höhere Wirksamkeit versprechen da Steher mit einer rot-weißen Kunststoffkette anstelle der Farbstreifen (s. Abb. 4). Nützlich ist auch ein zusätzlicher Revisionsschalter an jeder Stütze. Allerdings ist für das Bewegen des Tragseiles im Schuh für die Schmierung das Fahren der Bahn notwendig. Michael Mathis berichtete in diesem Zusammenhang über die Entwicklung einer Einrichtung, die ähnlich wie bei den Arbeiten auf der Strecke von Eisenbahnen automatisch einen Warnton bei Annäherung eines Fahrzeuges abgibt. Bei den Seilbahnen könnte ein derartiges Hupsignal auch mit einer automatischen Geschwindigkeitsreduktion bei der Stützenüberfahrt kombiniert werden. 

Die beste Gefahrenabwehr ist die Vermeidung der Gefahr: Das wäre die Installation einer Zentralschmier­anlage. Das Problem dabei ist, dass die derzeit zur Verfügung stehenden Anlagen nicht oder nicht immer zuverlässig funktionieren, z. B. bei tiefen Temperaturen.

Maßnahmen in den Stati­­onen der neuen D-Line-Einseilumlaufbahnen

Der zweite Schwerpunkt des Referates von Michael Mathis war der Arbeitssicherheit in den Stationen der D-Line-Einseilumlaufbahnen ge­widmet. Es geht dabei um komfortable, sichere Zugänge, ebene Arbeitsplätze und die Vermeidung von Arbeiten, die über Kopf ausgeführt werden müssen. 

Wichtig ist ein einfacher Zugang zu den Keilriemenspannern der Reifenförderer. Die Abschrankungen aus Metallgitter sind einfach hochklappbar, ähnlich den Motorhauben von Autos, die Keilriemenspanner einfach nachstellbar (s. Abb. 5). 

Im Bereich der Kuppelschienen sind die Podeste klappbar, um das unter den klappbaren Podesten angeordnete zweite Podest zugänglich zu machen, von dem aus die Elemente in diesem Bereich leicht gewartet werden können, z. B. die Stationsrollen des Förderseiles. Die Reifenstrecke ist auch an der Außenseite begehbar; hierfür gibt es ein Überstiegspodest am vorderen Stationsende.

Der Aufstieg auf das Stationspodest wurde neu gestaltet. Der vordere Steher des Stationstragwerks wurde in Form zweier Scheiben ausgeführt, zwischen denen eine komfortable Gitterrost-Treppe vom Boden der Stationshalle auf das Stationspodest führt – eine echte Verbesserung für den Maschinisten und die Serviceleute (s. Abb. 6). Das untere Ende der Treppe liegt in einem Bereich, in dem die Fahrzeuge bereits langsam fahren, was einen weiteren Sicherheitsaspekt darstellt. 

Wichtig ist auch der freie Blick von der Podest-Ebene auf die freie Strecke, was durch große Glasflächen an den Stirnseiten der Stationsüberdachungen gewährleistet ist. Zur Auswahl stehen zwei Dachformen, „Dach-R1“ mit gewölbten seitlichen Glasflächen (Polycarbonatglas, s. Abb. 7) und „Dach-R2“ mit lotrechten seitlichen Glasflächen (Echtglas VSG, s. Abb. 8). Für die Schneeräumung auf der Dachfläche ist ein eigener Aufstieg vorgesehen.

Die konstruktiven Maßnahmen zu Erhöhung der Arbeitssicherheit werden noch durch detaillierte Hinweise und Warntafeln komplettiert.

Besonders die ITTAB-Teilnehmer aus den „kleineren“ Seilbahnländern zeigten sich von den geschilderten Maßnahmen zur Erhöhung der Arbeitssicherheit beeindruckt.

Fotos: Doppelmayr, J. Nejez

Abb. 1: Die Aufstiegsluke im Querpodest von Pendelbahnstützen stellt eine Absturzgefahr dar.
Abb. 2: Das Abschließen der Luke mit einer Klappe stellt keine zufriedenstellende Lösung dar.
Abb. 3: Schemazeichnung des vom Stützenschaft abgerückten Querpodests mit eigenem Ausstiegspodest, das durch eine selbstschließende Tür mit dem Querpodest verbunden ist.
Abb. 4: Ein roter Randstreifen und Steher mit einer rot-weißen Kette sollen vor einem herannahenden Laufwerk warnen.
Abb. 5: Die Abschrankungen der Reifenförderer sind einfach hochklappbar, ähnlich den Motorhauben von Autos, die Keil­riemenspanner sind einfach nachstellbar.
Abb. 6: Die komfortable Gitterrost-Treppe vom Boden der Stationshalle auf das Stationspodest stellt eine echte Verbesserung für den Maschinisten und die Serviceleute dar.
Abb. 7: Die Stationsüberdachung der Form „Dach R1“ weist gewölbte seitliche Glasflächen auf.
Fotos: Doppelmayr, J. Nejez
Abb. 8: Die Stationsüber­dachung der Form „Dach R2“ ist mit lotrechten seitlichen Glasflächen ausgeführt.

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